Kolumne: Das beste und günstigste Souvenir

In der Kolumne „Meine ReiseZutaten“ philosophieren wir über Gott und die Reisewelt. Welche guten Zutaten braucht eine Reise? Was versalzt uns gerne mal die Reise-Suppe? Und wann denken wir: „Wer bitteschön hat denn DAS bestellt?“ In Folge 23 dreht sich alles um Musik.

Meine ReiseZutaten (23): Musik

Szene 1: Das schnittige Alfa Romeo Cabrio gleitet an der zauberhaften Steilküste entlang. Braun gebrannter Fahrer, entzückende Beifahrerin mit buntem Kopftuch. Ein sonniger Traumtag in Süditalien. Aus den Auto-Lautsprechern schmettert Adriano Celentanos „Azzuro“.

Szene 2: Das schnittige Alfa Romeo Cabrio gleitet an der zauberhaften Steilküste entlang. Braun gebrannter Fahrer, entzückende Beifahrerin mit buntem Kopftuch. Ein sonniger Traumtag. Aus den Auto-Lautsprechern kommt … nichts.

Na, wer hat’s gemerkt? Richtig: Szene 2 funktioniert sowas von überhaupt nicht. Zu Urlaubs-Schmonzetten-Bildern gehört Urlaubs-Schmonzetten-Musik. Punkt. Sonst bleibt nichts hängen.

Der passende Sound ist die Klammer für die Einzelbestandteile unserer Erinnerung. Das emotionale Bindeglied, der allseits präsente Anker. Ob wir es wollen oder nicht.

Oder wer hat noch nicht erfolglos versucht, sich eines absolut grässlichen Ohrwurms zu entledigen? Schlager-Hasser wissen Bescheid …

Doch zurück zu den schönen Dingen des Lebens: Musik ist das beste Reisesouvenir, das wir uns selbst mit nach Hause nehmen können. Und braucht dabei nicht mal Platz, kann nicht verderben und muss auch nicht verzollt werden.

Musik schwingt noch nach, wenn wir längst schon wieder woanders sind. Deshalb ist sie für mich neben Begegnungen mit Menschen, gutem Essen und einer vernünftigen Unterkunft eine der zentralen Reisezutaten.

Musik liefert besondere Momente an besonderen Orten, die sich tief in die Seele eingraben:

  • Torbole, Gardasee: „More than words“ zelebriert der Surfgott am Lagerfeuer auf der Gitarre. Und angesichts des kollektiven Dahinschmelzens verzeihe ich ihm sogar sein unverschämt gutes Aussehen und seine Heldenstorys.
  • Lagos, Portugal: „Loosing my religion“ ballert jeden Abend aus den Boxen der mehrstöckigen Bar „Bon Vivant“. Das ganze Haus bebt, alle grölen mit, als ob es kein Morgen gäbe. Ein kollektiver Energieschub und 25 Jahre später noch immer Gänsehaut.
  • Wien, Österreich: „Total eclipse of my heart“, eine ganze, verrauchte Karaoke-Bar staunt (oder flüchtet vor Schreck) ob dieser Herzblut-Darbietung zweier Redakteurskollegen, die beim gemischt-geschlechtlichen Duo ihr Innerstes nach außen kehren.

Die Liste ließe sich unzählig fortführen. Musik ergibt sich auf Reisen. Denn Musik ist, wo Menschen sind. Und das ist auch gut so.

Wem wir da nicht alles unterwegs begegnen: dem Straßenmusikanten, dem Orgelspieler in der Kirche, der Kapelle auf dem Volksfest, dem DJ im Strand-Club, dem Didgeridoo-Spieler am Lagerfeuer – und nicht zu vergessen dem obligatorischen Romantik-Geiger beim Abendessen.

Sie alle sorgen für den Soundtrack unserer Reise. Sind unsere Begleiter, obwohl wir sie gar nicht bestellt haben.

Bringen uns dazu, mal nicht zu quatschen, nicht zu laufen, an keine Sehenswürdigkeiten oder Fotos zu denken. Sondern einfach nur den Moment auf uns wirken zu lassen.

Oder für besonders Mutige: zu klatschen, zu tanzen oder lautstark mitzusingen. (Gut, ist beim Orgelkonzert in der Kirche vielleicht nicht die optimale Option).

Und falls wir es tatsächlich schaffen, mal spontan innezuhalten, eine unbeabsichtigte Pause einzulegen, Freude zu tanken und den Musikern Respekt zu zollen (nein, nicht filmen, sondern ihnen ein bisschen was ins Kästchen werfen, ihnen Applaus schenken oder sich bedanken): Wäre das nicht der perfekte Anker, um das auch daheim mal zu tun? Sich die 10 Minuten Zeit nehmen, die wir alternativ sonst eh nur vor der Glotze verblöden?

Um dann einmal mehr festzustellen: Musik ist das größte Geschenk von allen. Und kostet meistens noch nicht mal was außer einem Lächeln für den Musiker.

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