Kyoto zur Herbstlaubfärbung

In Kyoto weht der Wind der Vergangenheit. Die Stadt war einst Hauptstadt und vom 8. bis ins 19. Jahrhundert Sitz des Kaisers. Die Spuren dieser Zeit kann man noch heute erkunden, denn im 2. Weltkrieg wurde die japanische Stadt von Bomben verschont.
So sind es vor allem die altehrwürdigen Tempel, die Kyoto ausmachen. Im Osten der Stadt befinden sich mit dem Kiyomizudera- und Ginkakuji-Tempeln die wichtigsten Tempel. Das historische Viertel um Higashiyama und Gion verzaubert mit seinen Gassen und Holzhäusern. Der Besuch im traditionellen Onsen, einem Bad in einer heißen Quelle gehört genauso zum Programm wie der Spaziergang auf dem Philosophenweg, eine Fahrt mit dem Romantic Train oder eine Geisha-Show. Die List der To-dos ist ewig.
Was man wirklich machen sollte, ist ein Besuch auf dem Markt. Vor allem der Nishiki-Markt im Einkaufsviertel Nakagyo-ku lohnt sich, um die original japanische Küche kennenzulernen. An den Ständen lassen sich heimische Gemüsesorten entdecken, mal frisch und unverarbeitet oder traditionell sauer eingelegt. Rund 120 Händler versorgen Einheimische und Touristen gleichermaßen mit kleinen Köstlichkeiten zum Naschen.

So wunderschön präsentiert sich das Laub im Herbst.

Momiji-Jäger in Kyoto

Die alte Kaiserstadt hat einiges an Sehenswürdigkeiten, doch nicht nur die alten Tempel locken die Besucher an, es ist sind die Bäume, die zweimal im Jahr Millionen Gäste in die Stadt strömen lassen. Im Frühjahr lockt die Kirschblüte, im Herbst das Flammenmeer der Farben, wenn sich die Ahorn- und Ginkobäume rot verfärben. Zur Herbstlaubfärbung herrscht ein reges Treiben, denn die Japaner und Touristen könne es kaum abwarten, bis es endlich soweit ist. Aus allen Teilen des Landes und darüber hinaus reisen die Besucher nach Kyoto, um die dramatischen Farben der Wälder zu bestaunen.

Das Bestaunen ist so beliebt, dass es dafür einen eigenen Namen gibt: „Momijigari“. „Gari“ bedeutet so viel wie „jagen“ oder „sammeln“, „Momiji“ bezeichnet eigentlich den Ahornbaum, wandelte sich aber zur Bezeichnung für das rote Herbstlaub generell.

Die Hotspots, um die roten Bäume zu bewundern sind allesamt wunderschön, doch gnadenlos überlaufen. So ist zum Beispiel der Eikando Zenrin-ji Tempel sehr beliebt. Er ist einer der ältesten buddhistischen Tempel der Stadt. Im Garten stehen rund 3000 Ahornbäume, die sich zur Herbstlaubfärbung in einer eindrucksvolles Farbenmeer verwandeln. Dann ist die Tempelanlage besonders schön, aber zwischen all den anderen Besuchern eher Stress als kontemplatives Naturschauspiel. Auch der Tofukuji-Tempel zählt zu den Highlights im Herbst, denn die Zen-Gärten sind voller Bäume und laden zum Spazieren ein. Bei tausenden Besuchern ist auch das nicht gerade eine Erholung. Wer die Hauptsehenswürdigkeiten zur Herbstlaubfärbung besuchen will, der sollte auf Zeiten jenseits des Ansturms ausweichen und die Tempel am frühen Morgen oder am Abend besuchen.

Es lohnt sich Alternativen zu den hochfrequentierten Tempeln der Stadt zu suchen!

Das Schauspiel der Farben ist ein Erlebnis und der Besuch lohnt sich! Der Trick: Man muss Orte finden, die weniger frequentiert sind. Es gibt Plätze, an denen sich der Besucherandrang noch in Grenzen hält. Ein Beispiel ist der Ausflug zum Adashino Nenbutsu-ji-Tempel. Vor über 1100 Jahren wurde der Tempel von dem Gelehrten und buddhistischen Mönch Kobo-Daishi gegründet. Am Ende der historischen Straße Saga-Toriimoto gelangt man zum Tempel, der nicht nur die rotgefärbten Ginko- und Ahornbäume beherbergt, sondern auch einen wunderschönen Bambushain.

Ausflüge in die Umgebung: Kobe und Hiroshima

Kobe: Nicht nur wegen des Rindfleischs ein sehenswertes Reiseziel.

Wer in Kyoto ist, sollte sich die Ausflugstipp in der Umgebung nicht entgehen lassen. Einige interessante Städte befinden sich ganz in der Nähe. Wie wäre es mit einem Ausflug ins nahegelegene Kobe? Kobe ist vor allem wegen seiner Rinder wortwörtlich in aller Munde. Doch in der Stadt lässt sich nicht nur das exklusive Kobe-Rind verkosten, auch das Bergpanorama und der Hafen sind Grund für einen Abstecher. Mit antike Gondeln gelangt man von Kobe zum Berg Rokkō. Von hier bietet sich ein grandioser Blick auf den Hafen. Selbst die heißen Thermalquellen von Arima Onsen, dem hiesigen Kurort, kann man von hier oben erkennen.
In gut zweieinhalb Stunden kommt man per Zug von Kyoto nach Hiroshima. Diese Stadt verbindet wohl jeder vor allem mit dem Abwurf der Atombombe am 6. August 1945. Viele Zigtausend starben sofort, viele weitere Menschen an den Folgen. Die Stadt wurde durch die Atombombe fast vollständig zerstört. Wer hier noch heute eine Ruinenstadt erwartet, liegt allerdings falsch.

Hiroshima ist eine moderne und lebendige Stadt, der Besuch lohnt sich. Die Strahlung ist übrigens heute kein Problem mehr. Die Werte liegen nicht höher, also durchschnittlich an jedem anderen Ort auch.

Beim Besuch der Stadt spielt die tragische Geschichte die Hauptrolle. Die meisten Besucher kommen, um den Friedenspark mit seinen Monumenten und dem Museum zu besuchen, Die Anlage ist rund 120.000 Quadratmetern groß. Im Mittelpunkt steht der sogenannte „A-Bomb Dome“, der Anblick sorgt für Gänsehaut.

Gänsehaut garantiert: „A-Bomb Dome“

Das Kinder-Friedensmonument erinnert an die Geschichte der 10-jährigen Sadako Sasaki, die durch die Strahlung an Leukämie erkrankte. Sie faltete an die 1000 Origami-Kraniche bevor sie verstarb. In ihrem Gedenken und stellvertretend für die vielen Kindern unter den Opfern wurde dieses Denkmal errichtet, das mit den Kranichen geschmückt wurde.
Kyoto und seine Umgebung sind eine Reise wert, vor allem auch zur Herbstlaubfärbung, wenn man sich Alternativen zu den überfüllten Haupttempeln sucht. Wer kennt weitere gute Alternativen, um das rote Laub zu bestaunen?

Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto –  Luciano Mortula
Hiroshima: © Depositphoto –  Luciano Mortula
Kobe: © Depositphoto –  Kwanchai Khammuean
Adashino: © Depositphoto –  Alan Law
Eikando Tempel: © Depositphoto –  Sean Pavone

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