Luzon: Von hängenden Särgen, Vulkanen und Amphitheatern für Reis

Wer sich kurz die Mühe macht und die Philippinen googelt, stößt auf Kurioses: Aufblasbare Einhorninseln, seltsame Seeungeheuer und Menschen, die auf Friedhöfen leben. Es folgen Schreckensmeldungen über Rebellengruppen und Inseln, die im Müll versinken. Doch dazwischen gibt es auch immer wieder Treffer mit Bilderbuchstränden, Urlaubsparadies und Trauminseln, die neugierig machen.

Am Kraterrand: Aufstieg auf den Pinatubo

Ein einmaliger Ausblick vom Pinatubo.

Die Philippinen, das sind über 7.000 Inseln. Die größte Inselgruppe ist Luzon, die mit einer besonders großen Vielfalt lockt. Hier befindet sich nicht nur das wirtschaftliche Herz des Inselstaats, die Hauptstadt Manila, es gibt auch Traumstrände, Vulkane und die weltberühmten Reisterrassen rund um Banaue.
An Luzon kommt man bei einem Philippinenurlaub eigentlich nicht vorbei, fast jeder Aufenthalt beginnt in der Millionenmetropole Manila. Der beste Tipp? Nichts wie raus aus der Stadt, weg von Abgasen und Stau und rein in die vielfältige Natur der Philippinen! Von Manila geht die Fahrt zunächst nach Angeles, eine Stadt, die nicht gerade als Schönheit bekannt ist. Doch der Zwischenstopp hat einen guten Grund: Von hier aus starten die meisten Touren zum Vulkan Pinatubo. Nach einer Nacht in Angeles startet der Tag der Vulkanbesteigung früh. Gegen fünf Uhr geht es los, zunächst nach St. Juliana, wo sich die Tagesgäste registrieren und in einen Geländewagen umsteigen. Von hier geht es mit dem Jeep knapp zwei Stunden durch eine krage Mondlandschaft.

Die „Crow Valleys“ zeugen vom Unglück 1991. Beim Ausbruch des Vulkans, dem ein heftiges Erdbeben folgte, starben rund 900 Menschen. Die Landschaft verwandelte sich in ein Meer aus Asche.

Das letzte Stück des Weges wird zu Fuß zurückgelegt. In rund zwei Stunden geht es zum Kraterrand, die letzten zwanzig Minuten wandelt sich der Weg in einen steilen Pfad. Oben angekommen entschädigt ein grandioser Ausblick über den türkisfarbenen Kratersee.

Die Reisfelder von Banaue: Handgemachtes Welterbe in Gefahr

Eine handgemachte Schönheit: Die Reisfelder von Banaue

Kaum hat man den Anblick des ersten Highlights verdaut, geht es mit dem nächsten weiter: Die an steilen Hängen angelegten Reisfelder, die fast einem römischen Amphitheater gleichen. Allein die Fahrt dorthin hat es in sich. Auf einer schmalen Gebirgsstraße führt der Weg vorbei an reißenden Flüssen, die von Hängebrücken überragt werden. In den Höhenlagen der Nebelwald, dazwischen Wasserfälle und überall exotische Pflanzen wie Bananenstauden, wilde Lilien und Riesenfarne: Hier zeigt Luzon, was Vielfalt ist.

Banaue ist ein kleines Städtchen und die Ausgangsstation für die Wanderungen zu den Reisfeldern. Unterschiedlich lange Touren führen zu den umliegenden Feldern. Was alle vereint: Das Staunen beim ersten Anblick der Felder.

Seit rund 2000 Jahren bauen die einheimischen Ifuago rund um Banaue in mühevoller Handarbeit Reis an. Nicht nur das Bewirtschaften der Felder ist ein Kraftfakt, auch das Anlegen der Felder war eine körperliche Meisterleistung. In rund 1300 Metern Höhe wurden aus Lehm und Steinen aus dem Gebirge Mauern errichtet, die die Terrassen befestigen. Diese einmalige Leistung erkannte auch die UNESCO, die die Reisterrassen in fünf Dörfern zum Welterbe erklärten. Die Einheimischen selbst nennen ihre Felder stolz „das achte Weltwunder“, doch dieses Welterbe ist stark gefährdet. Rund 30 % der Terrassen werden nicht mehr bewirtschaftet. Die Arbeit ist hart, der Ertrag gering, Die Kinder der Ifuago bevorzugen andere Erwerbstätigkeiten und verlassen ihre Dörfer. Auf dem Spiel steht viel: Ein einzigartiges Ökosystem, eine kulturelle und körperliche Höchstleistung und nicht zuletzt die Identität der hier ansässigen Völker – all das verschwindet mit den Reisfeldern.

Nachhaltige Tourismusprojekte versuchen dem entgegenzuwirken. Sie bringen Touristen in die Dörfer, die auf dem Feld mitarbeiten aber auch die Einheimischen unterstützen, indem sie in Homestays übernachten, handgemachte Souvenirs kaufen und einen Einblick in das Leben der Ifuago bekommen. Lokale Behörden und Komitees versuchen beim Erhalt der Reisfelder zu helfen und in den Schulen wird den Kindern der Wert der Reisterrassen als Kulturgut vermittelt.

Die hängenden Särge von Sagada

Die Igorot bestatten ihre Verwandten in hängenden Särgen.

Ebenfalls von großem kulturellen Wert, allerdings auch ein wenig skurril ist der nächste Stopp auf der Luzon-Reise. Es geht nach Sagada und von dort aus in das „Echo Valley“. Hier gibt es die sogenannten „hängenden Särge“ zu bestaunen. Die hier lebenden Igorot bestatteten, und tun dies in seltenen Fällen auch heute noch, direkt an den Berghängen. In der Erde würden die Selen ersticken – so der Glaube der Einheimischen. Die ältesten Särge sind um die 400 Jahre alt. Auch an einem Eingang zur Höhle stapeln sich Särge. Doch es geht weiter zur Sumaging Höhle. Das riesige Höhlensystem beherbergt beeindruckende Stalaktiten und Stalagmiten. Der Besuch lohnt sich, auch wenn ein wenig Trittsicherheit erforderlich ist.

Sommerfrische und Entspannung

Kolonialcharme in Vigan.

Neben der Natur weisen aber auch die Städte von Luzon einen ganz eigenen Charme auf. So zum Beispiel Baguio. Aufgrund der Höhe und dem damit angenehmen Klima etablierte sich Baguio zur Sommerfrische der philippinischen Regierung. Auch Künstler und Intellektuelle wissen das angenehme Leben in Baguio zu schätzen. Als Besucher hat man daher die Gelegenheit den Künstlern bei der Arbeit zuzusehen. So kann man den Silberschmieden oder Webern über die Schulter blicken.
Eine weitere sehenswerte Stadt ist Vigan. Hier sind es vor allem die spanischen Kolonialhäuser, die die Besucher anlocken. Viele von ihnen wurden gerade renoviert, andere sind noch verfallen.

Hier lässt es sich so entspannt flanieren, sodass man den Vigan-Klassiker, die Kutschfahrt, zu Gunsten der Tiere besser ausfällen lässt und sich den Weg zu Fuß durch die Gassen bahnt.

Was bei all den Abenteuern nicht fehlen darf, ist die Entspannung am Stand. Für Surfer ist die Provinz La Union die beste Wahl. Ganz in der Nähe von Baguio finden Surfer hier beste Bedingungen zum Surfen. Zum Schnorcheln fährt man zu den Traumstränden von Siquijor, wo die vorgelagerten Riffe eine atemberaubende Unterwasserwelt bieten. Wer mehr Ruhe will, der sollte gen Norden. Hier gibt es beim Dorf Pagudpud einen besonders schönen Strand. Mit seiner weißen Farbe und der Ruhe kann er es durchaus mit den Traumstränden der anderen Insel aufnehmen – ideal zum Entspannen, bevor es wieder zurück in die Hauptstadt Manila geht.
Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto – Alexey Kornylyev
Pinatubo: © Depositphoto – Alyona Lyakhovets
Reisfelder: © Depositphoto – Oleg Doroshenko
Särge: © Depositphoto – Florian Blümm
Kolonialcharme: © Depositphoto –  Jun Pinzon

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