Touristenattraktion Elefanten – Wieso Elefantenreiten so problematisch ist

Einmal einen Elefanten außerhalb des Zoos sehen, ein paar Leckerlis und Streicheleinheiten verteilen und zum Höhepunkt eine Runde auf dem Rücken des Dickhäuters reiten – für viele Thailandbesucher ist das das Highlight des Urlaubs und ein bisschen Abwechslung zu Sonnenbaden und Fullmoonpartys. Schließlich will man die Exotik auch am eigenen Leib erleben, sonst könnte man ja auch einfach wieder Urlaub in Spanien machen.

Urlaub mit Elefanten: Touristenbespaßung und Tierquälerei

Kein Spaß für Elefanten: Das Reiten.

An jeder Ecke wird Elefantenreiten angeboten, fast jeder kommt mit dem obligatorischen Foto zurück: Mit Sonnenhut strahlend auf dem Elefanten. Es ist meist keine Absicht seitens der Touristen, es ist Unwissenheit oder vielmehr eine bequeme Haltung. Wenn das jeder macht, kann daran ja nichts falsch sein, oder? Doch wer sich näher mit dem Thema Tierattraktionen beschäftigt, merkt schnell, welches Tierleid hinter manchen Urlaubsangeboten steckt.

Ein paar einfach Kunststücke, ein paar Touristen auf dem Rücken, was soll daran für ein so kräftiges Tier schlimm sein?

Ein Elefant ist in der Tat ein kräftiges Tier, doch der stärkste Teil des Tieres ist der Kopf. Ein oder zwei Reiter auf dem Rücken sind eine starke körperliche Belastung und führt zu akuten Schmerzen und Rückenproblemen. Noch schlimmer steht es aber um Haltung der Dickhäuter. Die Pflege eines Elefanten ist teuer. Allein für das Futter muss der Mahout, der Elefantenpfleger, eine Menge Baht hinlegen. Viele Elefantenbesitzer, die das Reiten für Touristen anbieten, können oder wollen kein Vermögen in die Pflege und Gesundheit der Elefanten stecken. Die Folge: Kranke und abgemagerte Tiere, die auch zornig werden können, wenn es ihnen schlecht geht. Nicht vergessen: Ein Elefant ist ein wildes aber auch empfindsames Tier und kann für den Menschen sehr wohl gefährlich werden. Unfälle beim Elefantenreiten sind daher keine Seltenheit. Auch die Unterbringung ist selten artgerecht. Oft stehen die Tiere stundenlang angeleint oder in engen Käfigen ohne Bewegungsfreiheit.

An der Kette ohne Bewegungsfreiheit: Realität für viele Dickhäuter

Um einen Elefanten dazu zu bringen, Kunststücke vorzuführen oder Reiter auf seinem Rücken zu dulden, muss der Mahout den Willen des Tieres brechen. Mit spitzen Metallhaken werden die Tiere zur Ordnung gerufen, oft mit fatalen Verletzungen. Nicht zuletzt ist die hohe Nachfrage ein Problem: Um der Masse an Touristen gerecht zu werden, werden Jungtiere der wilden Elefanten von ihren Müttern entrissen.

Von 2014 bis 2016 untersuchte die Organisation „Wild Animal Protection“ über zweihundert Orte mit Elefanten als Touristenattraktion in Asien. Das Ergebnis: Über 3.000 Elefanten leben in Asien in Gefangenschaft und sorgen für die Unterhaltung von Touristen.

Die meisten davon in Thailand. Dort ist durch den steigenden Tourismus die Nutzung von Elefanten in den letzten fünf Jahren um 30 Prozent gestiegen. (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/27922874 ©2018)

Alternativen und was man gegen die Tierquälerei tun kann

Jedem Tierfreund sollte deutlich geworden sein: Die Tiere leiden unter ihrem Job als Touristenattraktion. Doch welche Alternativen gibt es und was kann man als Tourist gegen das Elefantenreiten und die Shows tun?

Ein langer Arbeitstag für Elefanten.

Wer seine Urlaub über Reiseveranstalter bucht, sollte bereits im Reisebüro in Deutschland klar sagen, dass er Elefantenreiten ablehnt und bitten, solche Angebote aus dem Programm zu nehmen. Wer vor Ort in Thailand ein solches Angebot bekommt, sollte deutlich machen, dass man aus Tierschutzgründen darauf verzichten möchte. In den letzten Jahren ist das Bewusstsein für die Problematik auch auf Seiten der Reiseveranstalter gestiegen und viele haben Elefantenshows und -reiten aus dem Programm genommen. Doch was passiert mit den Elefanten, die „arbeitslos“ werden, weil die Touristen ausbleiben?
Mittlerweile gibt es einige Camps, die ehemalige Zoo-Elefanten und Tiere aus Gefangenschaft pflegen. Hier können Touristen beim Füttern und Waschen helfen. Doch die Zentren sind sehr unterschiedlich ausgestattet. Von großen Anlagen mit viel Auslauf bis hin zu kleinen auf Profit getrimmten Camps reicht das Angebot. Das Thema Etikettenschwindel ist ein Problem. Für Touristen ist es kaum nachvollziehbar wie gut die Elefantencamps nun wirklich sind.

Eines muss klar gesagt werden: Artgerecht leben können Wildtiere wie Elefanten nur in Freiheit.

Sollen also alle Elefanten in Gefangenschaft einfach freigelassen werden? Leider funktioniert das so nicht. Erstens gibt es nicht genügend Lebensraum für alle die Tiere, außerdem würden sich die meisten der in Gefangenschaft groß gewordene Tiere in der Wildnis nicht mehr zurechtfinden. Es ist ein schwieriges Unterfangen für alle Beteiligten und eine einfach Lösung gibt es nicht. Tierquälerei nicht unterstützen und die Angebote gänzlich boykottieren führt auch dazu, dass den Mahouts und Elefanten jegliche Lebensgrundlagen genommen werden. Die ideale Variante mit großen Schutzzentren, wo Elefanten Platz haben und nach eigenem Ermessen Kontakt zu Menschen aufnehmen können sind ein teures Unternehmen und schwer umsetzbar, sodass die billigeren Camps mit schlechterer Tierhaltung aber mehr Entertainment langfristig eher überleben werden.

Ein Bild, das hoffentlich bald der Vergangenheit angehört.

Die TUI Care Fondation probiert einen neuen Weg: Sie wollen auf Anbieter zugehen und gemeinsam bessere Lebensbedingung für 1.500 Elefanten bis zum Jahr 2020 schaffen. Dazu soll auch ein Bewertungssystem entstehen, was es Touristen leichter machen soll, die Anbieter zu bewerten und den Campbetreibern somit Anreize geben, die Tierhaltung zu verbessern.
(Quelle: http://www.zeit.de/2017/34/elefantenreiten-thailand-tierschutz/)
Das, was jeder einzelne vorab und vor Ort machen kann, ist ein Bewusstsein dafür entwickeln und andere auf die Problematik aufmerksam machen. Nur wenn sich nach und nach jeder einzelne Thailandbesucher über die Lebensbedingungen der Elefanten im Klaren ist, kann sich etwas ändern.

Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto – Patrice Correia
Elefantenreiten im Wald: © Depositphoto – Patryk Kosmider
Elefantenfuß: © Depositphoto – Anuwat Ratsamerat
Elefantenreiten vorm Tempel: © Depositphoto –  Aliaksandr Mazurkevich
Mann auf Elefantenrüssel: © Depositphoto –  Matej Kastelic

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