Panoramablick auf Tbilisi © Depositphoto - Viktoriia Vitkovska

Altehrwürdig und traditionell auf der einen, gläsern und modern auf der anderen Seite. Tbilisi, die Hauptstadt Georgiens, erlebt gerade eine spannende Zeit. Nach einer schwierigen jüngeren Geschichte, begeben sich die Einwohner auf die Suche nach ihrer Identität und geben ihrer „Stadt der Wärme“ ein neues Gesicht.

Da, wo Europa und Asien aufeinander treffen, wo orientalische Einflüsse sich mit Straßenszenen, die an Berlin-Kreuzberg erinnern, mischen, befinden wir uns mittendrin, im Herzen von Tbilisi. Das Betlemi Viertel ist eines der ältesten Stadtteile Tbilisis. Enge, verwinkelte Gassen winden sich hier den Hügel in Richtung der Nariqala Festung hinauf. Rund um die Häuser mit ihren traditionellen Holzbalkonen erlebt man eine Religionsvielfalt, die es kaum woanders auf der Welt zu sehen gibt. Auf engstem Raum stehen Orthodoxe Kirchen, Moscheen, Synagogen und ein zoroastrischer Tempel.

Berühmte Straße Betlemi mit alten Gebäuden, engen Gassen und geschnitzten Balkonen als Symbol der touristischen Altstadt von Tbilisi © Depositphoto - Cavan Images

Berühmte Straße Betlemi mit alten Gebäuden, engen Gassen und geschnitzten Balkonen als Symbol der touristischen Altstadt von Tbilisi © Depositphoto – Cavan Images

Dazwischen reihen sich Kneipen an gemütliche Cafés. Sich in den schmalen Straßen zu verlaufen, lässt sich der der ersten Erkundung Tbilisis, auch mit Stadtplan, kaum vermeiden. Daher macht es am meisten Spaß, sich von der Faltkarte zu lösen und sich einfach treiben zu lassen. Dabei sollte man keinesfalls verpassen einen Blick in die bunt gefliesten Eingangsbereiche der Häuser zu werfen. 

Ein Streifzug durch die Altstadt von Tbilisi

© Depositphoto - Mariusz Pietranek  Luftaufnahme der Mutter Georgiens

© Depositphoto – Mariusz Pietranek  Luftaufnahme der Mutter Georgiens

Mit imposanten 20 Metern Höhe thront die Kartlis Deda, die Mutter Georgiens, über der Altstadt. Eine Schale Wein  für Freunde in der einen, das Schwert gegen Feinde in der anderen Hand. Hinauf geht es mit der Seilbahn vom Rike Park zur Festung und zu dem mehr als 128 Hektar großen Botanischen Garten. Doch zunächst genießt man den Blick über die Stadt und ihr buntes Straßengewirr. Die wilde architektonische Mischung von Tbilisi ist selbst von hier oben gut zu erkennen. Sie spiegelt die Eigenart der Stadt wieder, die zu verstehen versuchen, sich selbst viele Georgier schwer tun.

© Depositphoto - Yevhenii Fesenko   Die Kuppeln der alten Tbiliser Bäder

© Depositphoto – Yevhenii Fesenko   Die Kuppeln der alten Tbiliser Bäder

Über eine Treppe und die gepflasterten Straßen geht es zurück in die hintere Ecke der Altstadt: In das Bäderviertel. Die heißen Schwefelquellen, die unter der Stadt liegen, haben eine mehr als 700 Jahre alte Tradition. Auch heute können von morgens bis in die Nacht separate Badestuben gemietet werden. Ein dampfend heißes Schwefelbad inklusive Massage sind definitiv ein Erlebnis, das man sich bei einem Aufenthalt in Tbilisi nicht entgehen lassen sollte.

Rezo Gabriadze Marionettentheater von Tbilisi © Depositphoto - Zbigniew Jankowski

Rezo Gabriadze Marionettentheater von Tbilisi © Depositphoto – Zbigniew Jankowski

Außerdem sehenswert ist das Gabriadze-Theater, gegründet von dem Künstler Rewas Lewanowitsch Gabriadze. Das Marionettentheater, mit seinen 80 Plätzen, ist ein beliebter Ort der Kulturszene. Vorstellungen sind schnell ausgebucht. Aber auch von außen ist das Theater eins der Highlights in Tbilisi.

Nur drei Minuten zu Fuß entfernt, befindet sich eine der meistbesuchten Straßen der Stadt. Die Erekle II Straße mit ihren gemütlichen Restaurants. Sie führt geradewegs zur überdachten Fußgängerbrücke, der Brücke des Friedens.

Awlabari – das authentische Tbilisi

So charmant die Altstadt um das Bäderviertel ist, siedeln sich hier – wie in vielen Städten weltweit – immer mehr Souvenirgeschäfte und Touristennaps an. Genauso trifft man hier auf Kellner, die vor den Restaurants mit den Speisekarten winken, um Ausländer von ihrem Lokal zu überzeugen.

© Depositphoto - Viktoriia Vitkovska  Schöne Aussicht auf den Kura-Fluss

© Depositphoto – Viktoriia Vitkovska  Schöne Aussicht auf den Kura-Fluss

Überquert man den Fluss Kura über die Friedensbrücke, landen wir in Awlabari. Auch hier befinden wir uns noch in der Altstadt. Das armenisch geprägte Viertel ist vor allem durch die Metechi-Kirche bekannt. Biegt man von dem Awlabari-Platz in die kleineren Straßen, findet man ein gänzlich neues Bild der Stadt vor. Häuser, die schon bessere Zeiten gesehen haben mögen, aber die gerade ihrer Einfachheit wegen, Charme versprühen. Das Leben der Menschen spielt sich auf der Straße ab. Kinder spielen Fußball. Gemüsehändler bieten ihre Waren auf der Straße zum Verkauf an. Spartanisch eingerichtete Restaurants locken mit georgischen Spezialitäten. Die Preise für gefüllte Teigtaschen, Kinkali genannt, sind auf der anderen Seite des Flusses, rund um das Bäderviertel, gerne doppelt so teuer als hier in Awlabari.

Von Problemen zu neuen Perspektiven

Tbilisi blickt zurück auf eine lange und unruhige Geschichte, verbunden mit zahlreichen Kriegszügen und Invasionen. Nach einigen Jahrzehnten des Anschlusses an die Sowjetunion, erlangte Georgien 1991 die Unabhängigkeit. Doch friedliche Zeiten kehrten in der Stadt und dem Land auch in den kommenden Jahren nicht ein. Mit dem Tbilisser Krieg und der Rosenrevolution, erlebte auch die jüngere Generation Georgiens schwierige Zeiten.

Zeichen des Umbruchs sind die gegenwärtigen Demonstrationen auf den Straßen der Hauptstadt. Das Streben nach mehr Freiheit und ein Protest gegen den Konservativismus der teils verstaubten georgischen Gesellschaft. Die Suche nach Identität innerhalb eines Melting Pots und einer Mannigfaltigkeit, irgendwo zwischen Orthodoxem Glauben und spirituellem Erben.

Altstadt von Tbilisi © Depositphoto - Viktoriia Vitkovska

Altstadt von Tbilisi © Depositphoto – Viktoriia Vitkovska

Für viele Menschen in Tbilisi ist die Tourismusbranche eine neue große Chance. Reisen nach Georgien boomen. Hotels und Hostels schießen, besonders in der Altstadt, aus dem Boden. Derzeit, glücklicherweise, insbesondere kleinere Pensionen mit nur wenigen Zimmern. Den Machthabern liegt viel daran, das an vielen Ecken zerbröckelnde Stadtbild aufzuhübschen und die zerfallenden Fassaden zu erneuern. Möglichst schnell. An so manchen ehrwürdigen Plätzen sollten bereits die alten Häuser neuen Einkaufspassagen weichen. So manches Mal konnten die Bürger das verhindern und so den Charme der Stadt beibehalten. Wie Tbilisi die Aufbruchsstimmung und diesen rapiden Umschwung verträgt und wohin die spannende Reise für die Stadt am Kura gehen mag, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

 

Titelbild: Panoramablick auf Tbilisi © Depositphoto – Viktoriia Vitkovska

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