Georgien – das schönste Land der Welt

Einer Legende nach, gilt Georgien als das schönste Land der Erde. Als so besonders, dass Gott gerade dieses kleine Fleckchen am Schwarzen Meer eigentlich für sich selbst aufsparen wollte. Wie die Georgier doch noch zu ihrem Land kamen und ob an dem Mythos, Georgien sei so außergewöhnlich schön, tatsächlich etwas dran sein könnte, dem gehen wir auf einer Reise durch das Land am Schwarzen Meer auf die Spur.

Als Gott die Länder, eins nach dem anderen, an die Völker der Erde verteilte, waren die Georgen mit tanzen und feiern beschäftigt. Sie kamen zu spät und drohten leer auszugehen. Doch ihre Herzlichkeit und Lebensfreude beeindruckten Gott. Und so kam es, dass er den feierlustigen Menschen das kleine Land im Kaukasus zuteilte – obwohl er es aufgrund seiner einmaligen Schönheit eigentlich für sich selbst aufsparenwollte.

So lautet eine Sage. Da Schönheit ja bekanntlich rein subjektiv ist, muss jeder Reisende selbst sein Urteil fällen und entscheiden, wie viel Wahrheit in der Geschichte, um die Herrlichkeit Georgiens liegt. Fest steht: Trotz seiner kleinen Landesfläche, die etwa der Größe von Bayern entspricht, besticht Georgien mit einer bemerkenswerten landschaftlichen Vielfältigkeit. Majestätische Bergpanoramen, einsame Steppen, dichte Wälder und nicht zu vergessen die kilometerlange Küste am Schwarzen Meer.

Von den Bergen in die Steppe

Wer auf einer Reise durch Georgien landestypisch unterwegs sein möchte, verzichtet auf einen Mietwagen und lässt sich stattdessen in Minibussen, den sogenannten Marschrutkas, durch das Land befördern. Erster Halt ist eine der Hauptattraktionen, die besonders bei Wanderfreunden sehr beliebt ist: Die Gergetier Dreifaltigkeitskirche, die eindrucksvoll in den Bergen des Großen Kaukasus liegt. Das Bergpanorama mit dem Kirchenkomplexe schmückt zahlreiche Postkarten. Immer wieder ist die kaukasische Landschaft geprägt von zahlreichen, auf Bergen und Anhöhen thronender, Kirchen. Wie die Wehrkirche Ananuri oder das Kloster Dschwari, nahe der Stadt Mzechta, die einst Hauptstadt des iberischen Reichs war.

Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist das berühmte Höhlenkloster Dawit Garedscha im Osten des Landes, knapp 70 Kilometer von der Hauptstadt Tiflis entfernt. Von den Bergen kommend, wechselt sich die Landschaft hier rasant in eine karge Steppe. Im Frühling zieht sich noch saftiges Grün über wüstenartige Savanne verwandeln.

Ein Wanderweg führt von dem georgisch-orthodoxen Kloster am Berg Udabno hinauf zu einer Kapelle. Von hier hat man einen faszinierenden Blick auf das Nachbarland Aserbaidschan.

Wer in der Region um das älteste Kloster Georgiens unterwegs ist, sollte festes Schuhwerk und lange Hosen tragen. Denn Schlangen sind in der Steppe zahlreich und mitunter giftig.

Tiflis ,„der Ort der Wärme“

Auch die Hauptstadt des Landes ist unbedingt einen Besuch wert. Die unter der Stadt liegenden Schwefelquellen gaben Tiflis einst ihren Namen. Mit ihrer Thermalkultur, der charmanten Altstadt und zahlreichen Sehenswürdigkeitenbietet sich die Stadt am Fluss Kura für einen Städtetrip an.

Die Vielfalt an Restaurants und Bars machen Lust sich durch die georgische Küche zu probieren und Museen geben Einblick in die Geschichte des Landes.

Die Architektur der Gebäude ist ein spannender Mix aus verschiedenen Epochen und Einflüssen verschiedener Regionen. Es scheint, als könne sich die Stadt nicht recht entscheiden, ob sie noch asiatisch, orientalisch oder bereits europäisch ist. Bekannt ist Tiflis für die vielen, aufwendig verzierten Holzbalkone.

Genusskultur

Wer einmal das kleine Land im Kaukasus bereist hat, dem wird eines besonders in Erinnerung bleiben. Nämlich die besondere und fast schon legendäre Gastfreundschaft der Einwohner. Kommt man mit Einheimischen in Kontakt, ist die ehrliche und aufrichtige Herzlichkeit der Menschen sofort spürbar. Gastfreundschaft wird in Georgien großgeschrieben. Zusammen feiern, essen, trinken, tanzen und singen gehört zur Kultur der Menschen. Gäste sind stets ein willkommener Grund groß aufzutischen. Auch bei Familien, die in sehr einfachen Verhältnissen leben.

Bei Festivitäten ist es Tradition, dass eine Person zum sogenannten Tamada, dem Tischmeister, erklärt wird. Der Tamada, meist wird für die Rolle ein Mann ausgewählt,verfügt über unterhaltsame Charakterzüge und leitet durch den Abend, mit Trinksprüchen, Geschichten und Gesang.

Statt mit Vor-, Haupt- und Nachspeise in Etappen zu essen, kommen in Georgien alle Speisen gleichzeitig auf den Tisch. Dabei ist jedes Gericht kräftig gewürzt und mit Kräutern garniert. Ein Indiz, dass Georgien kulinarisch gesehen besonders von Arabien beeinflusst ist. Neben einem Tomaten-Gurken-Salat, zählt Chatschapuri, ein mit Käse und Ei überbackenes Brot, und Kinkali, gefüllte Teigtaschen, zu den landestypischen Gerichten. Das Essen wird von Anfang bis Ende zelebriert und zieht sich gerne über mehrere Stunden hin. Dazu darf natürlich der weltberühmte georgische Wein nicht fehlen.

Der Südkaukasus wird als Ursprungsregion des Weins genannt. Liebhaber von Naturwein kommen hier insbesondere auf ihre Kosten. Denn die Weine werden ohne Zusätze in großen Tongefäßen produziert. Viele Familien stellen in ihren Kellnern eigenen Wein her.

Und wenn der Tamada wieder sein Glas, gefüllt mit bernsteinfarbenem Naturwein hebt, um auf das Wohl der Familie und der Freunde zu trinken und man in der Runde mit einem lauten Gagimardschos (Prost auf Georgisch) anstößt, verfliegen vielleicht auch bei dem letzten Skeptiker, Georgien möge das schönste Land der Erde sein, die Zweifel.

Buchtip: Eine kulinarische Liebeserklärung, Anekdoten & Rezepte

Bildnachweis:

Alle Bilder © Sarah Waltinger

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