Kolumne: Richtige Einstellung

In der Kolumne „Meine ReiseZutaten“ philosophieren wir über Gott und die Reisewelt. Welche guten Zutaten braucht eine Reise? Was versalzt uns gerne mal die Reise-Suppe? Und wann denken wir: „Wer bitteschön hat denn DAS bestellt?“ In Folge 25 – zugleich dem Abschluss dieser Reihe – dreht sich alles um die richtige Einstellung beim Reisen.

Zum Abschluss dieser launigen Kolumnen ein Appell. Nein, eine Bitte:

Geh nur dann auf Reisen, wenn du zumindest ein bisschen Freude daran hast.

Es gibt genug Zeitgenossen, die ihre schlechte Laune noch ins Ausland mitnehmen.

Exportschlager German Gejammer featuring German Angst.

Ständig in Sorge, der Brustbeutel würde einem entrissen und das Herz gleich noch dazu von den wilden Einheimischen. Immer auf der Hut, dass nichts zu viel kostet, dass einen nur niemand übers Ohr haut, dass alles nach Plan und pünktlich läuft.

Ja, dass eben alles genauso ist wie zu Hause. Genauso langweilig. Genauso vorhersehbar. Und täglich grüßt der Gartenzwerg.

Wann wird endlich das Schulfach „Reisen“ eingeführt? 1. Lektion: Woanders ist es nicht so wie zu Hause. Kannste dich noch so aufregen, is so.

Wer dem Leben auch nur einen Hauch von Freude abgewinnen kann, fährt genau deshalb weg. Weil er was erleben will, weil er was zu erzählen hat. Weil er sich herausfordern will. Weil er im monotonen Alltag nicht an seine Grenzen stößt und deshalb unterwegs ausloten will, was da noch geht.

Ja, es kommt beim Reisen auf die Einstellung an. Wer nur 2 Wochen im Jahr ungestört in südlicher Atmosphäre gegrillt werden will, soll sich ne Sonnenbank mit Strandbildern kaufen.

Es geht darum, eine Reise und alles, was dazu gehört, auch zu wollen. Wie wäre es mit dieser Frage bei der Reiseführerschein-Prüfung?

„Sind Sie bereit, Freude unterwegs zu haben, sich auf andere Menschen, Sprachen und kulinarische Neuerungen einzulassen? Und akzeptieren Sie, dass nicht alles so läuft wie Sie sich das vielleicht erwartet haben? Ja? Glückwunsch, Sie haben den Lappen!

Was, Sie haben fünfmal den Kopf geschüttelt? Tut uns leid, Sie müssen leider zu Hause bleiben. Wir empfehlen als Start die Abenteuerreise in ein neues Bundesland oder einen VHS-Kurs English for travel beginners. Dann dürfen Sie es in einem Jahr wieder probieren.“

DAS wäre die Revolution auf dem Reisemarkt. Dann wären nur noch Menschen unterwegs, die zu schätzen wissen, in welch unfassbar privilegierter Lage sie sind. Weil sie nicht ums tägliche Überleben kämpfen müssen (so wie manche Einheimische, die sie bei „authentischen Ausflügen“ fürs Fotoalbum ablichten), sondern Zeit und Geld haben, andere Länder kennenlernen zu dürfen. Was für eine großartige Chance!

Wer sich das vor Augen hält, kann sich nicht mehr über versalzenes Essen, 3 Regentage, verspätete U-Bahnen oder Taxifahrer, die mal nen Umweg nehmen, aufregen.

Der sagt einfach nur: DANKE!

P.S.: Danke fürs Lesen, Schmunzeln, Aufregen oder was auch immer bei den insgesamt 25 Kolumnen. Ich hoffe, meine ReiseZutaten waren zumindest großteils genießbar und haben an der ein oder anderen Stelle Appetit auf mehr gemacht. Der Chefkoch wünscht allzeit eine wunderbare Reise – durchs Leben und durch alle Länder, die dabei durchquert werden.

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