Kolumne: Wenn Franzosen Englisch sprechen

In der Kolumne „Meine ReiseZutaten“ philosophieren wir über Gott und die Reisewelt. Welche guten Zutaten braucht eine Reise? Was versalzt uns gerne mal die Reise-Suppe? Und wann denken wir: „Wer bitteschön hat denn DAS bestellt?“ In Folge 22 dreht sich alles um Sprachen.

Meine ReiseZutaten (22): Sprachen

Meine Lieblingssprache auf Reisen heißt Kauderwelsch. Ein unverständliches Sprachen-Gemisch sei das, behauptet Wikipedia. Ich behaupte: Besser mal verwirrende Sachen reden, als gar nicht zu reden.

Kann ja nicht jeder ein Sprachwunder sein. 5, 7 oder 10 Sprachen fließend, darunter alle Weltsprachen. Durchaus beneidenswert, diese Menschen.

Sie erfahren aufgrund ihrer Begabung (oder ihres Fleißes?) mal so nebenher die intimsten Geschichten des französischen Kellners, während du am Nebentisch dir einen abwürgst, um überhaupt ansatzweise deine Essenswünsche artikulieren zu können. Damit am Ende eben nicht das Froschschenkel-Risotto oder das Tintenfisch-Gulasch auf deinem Teller landen, weil dich der junge Herr einfach nicht verstanden hat.

Wenn wir schon gerade gedanklich in Frankreich sind: Hier droht in gewissen Ecken, allen voran Paris, die Höchststrafe der sprachlichen Verachtung.

Deine Frau fragt am Bahnschalter etwas in ihrem besten Schulfranzösisch, das jetzt zwar keinen Preis gewinnt, aber durchaus zu verstehen ist. Und ihr Gegenüber antwortet im miserabelsten Englisch, das du je gehört hast.

Frei nach dem Motto: Französisch spreche ich nur mit Franzosen, die der Sprache mächtig sind.

Oder noch besser: Die französische Schuhverkäuferin, der du mangels Sprachkenntnissen eine Frage auf Englisch stellst. Und bis heute auf die Antwort wartest. Sie sieht dich, sie hört dich, sie reagiert einfach nicht. Ja, der Schmerz sitzt noch tief. Zum Glück ist kein Schuhgeschäft-Trauma hängen geblieben.

Ich kenne Menschen, die sich aufgrund solcher Erlebnisse weigern, in ihrem Leben noch einmal einen Fuß ins Nachbarland zu setzen. Hier ist dann gefühlvolle Krisenintervention gefragt.

Gepaart mit dem unschlagbaren, zweistufigen Erfolgskonzept: Erstmal nach Südfrankreich, um dort herzliche Gastfreundschaft und maximale Sprachtoleranz zu erfahren. Hier können alte Wunden heilen.

Und der noch viel wichtigere Schritt zwei: eine vollständige Leck-mich-am-Arsch-Mentalität bezüglich jeglichen Fremsprachen-Gebrauchs zu entwickeln.

Wieso sich für das Gestottere und Wortgesuche schämen, wenn wir uns gleichzeitig vor Stolz auf die Brust trommeln können, dass wir immerhin 20 Wörter in der anderen Sprache beherrschen? Und mal so ganz ohne Probleme einen Liter Wasser ohne Kohlensäure, einen halben Liter Hauswein und on top sogar noch eine Pizza Funghi bestellen können.

Letztlich sind Sprachen doch nur ein Weg, um ein Ziel zu erreichen. Ob es dem Kellner dabei aufgrund meiner brillanten Aussprache wohlig warm den Rücken herunterläuft oder sich ihm wegend des unverständlichen Genuschels alles zusammenzieht: Hauptsache, am Ende steht das Richtige auf dem Tisch.

Je wurstiger einem die Anwendung der fremden Sprache ist, umso unkomplizierter läuft es vor Ort. Wer vor lauter Sprach-Angst oder Perfektionsstreben immer nur im Supermarkt einkauft, verpasst die leckersten Sachen an den Marktständen. Wer nie einen Einheimischen etwas fragt, wird nie eine spontane Einladung auf einen Tee bekommen. Wer nie aus seinem deutschen Camping-Ghetto herausgeht, der wird nie erfahren, welche Schätze das andere Land zu bieten hat.

Allen Sprachschissern sei gesagt: Ein Smartphone mit der Google-Übersetzer-App wirkt Wunder. Noch nie war es einfacher, sich auf das spannende Spiel der Kommunikation im Ausland einzulassen.

Wir müssen nicht alles verstehen, um uns gut zu verstehen. Ein paar Worte, Hände, Füße, ein freundliches Gesicht und schon gehen überall die Türen auf. Ein Hoch aufs Kauderwelsch!

Foto: Unsplash.com

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