Ob Corona oder nicht, ob Lockdown oder Cocooning – also das Zurückziehen ins eigene häusliche Privatleben – der November ist für mich fast ein Synonym für Tristesse und Nässe. Mancher fühlt sich fast wie eingesperrt. Was kann man dagegen tun? Wie kann man damit umgehen, oder sogar etwas Positives für sich selber mitnehmen?

Was fehlt?

Nach der Zeitumstellung Ende Oktober fehlt es uns an Tageslicht; die Sonne macht sich eher rar, und nasskaltes Wetter macht es uns nicht einfach, lange draußen an der frischen Luft zu sein. Was also tun, um gegen Herbstblues, Tristesse und trübe Gedanken anzukämpfen?

In Lockdown-Zeiten ist es ja auch – unabhängig von der Jahreszeit – zu vielen Schließungen von Einrichtungen gekommen. Man konnte nicht in Konzerte, Kinos, Restaurants, Bars, Museen, Tierparks und andere Freizeit-Einrichtungen gehen. Was auch wieder passieren kann – wir werden sehen!

verbarrikadierter Laden im Lockdown

Photo by Jason Mowry on Unsplash

Oder man verzichtet einfach freiwillig der Gesundheit wegen lieber auf lange Aufenthalte in großen Menschenmengen.

Was geht?

Aktiv bleiben oder werden! Tägliche Spaziergänge, Joggen (der Autor hat allerdings selber gerade ein Motivationstief…), kurze Sporteinheiten vor YouTube. Auch bei Schietwetter, im Homeoffice oder bei Kurzarbeit. Und wenn man sich selber vor Arbeit kaum retten kann: Trotzdem zwischendurch Auszeiten nehmen, Kraft sammeln, genug schlafen, um das weiter durchzuhalten!

Fotoprojekte im Lockdown

Wie ich im zuvor schon schrieb, bieten sich viele Möglichkeiten, auch überwiegend drinnen interessante Fotoprojekte anzugehen: Dinge im Haushalt, Kinder, Tiere, Porträts, Licht, Video, Analoger Film, Bildersortierung usw. – aber lest selbst!

Herbststimmung

Wie wäre es mit einem Fotothema „Herbst in meiner Straße / Stadt“? Das herunterfallende Laub bietet Potenzial für schöne Fotos, egal bei welchem Wetter. Bei dem knappen, aber tief stehendem Sonnenlicht leuchten die Blätter kräftig gelb und rot, und wenn der Wind oder eine Begleitung aus dem eigenen Haushalt mithilft, können tolle Fotos von herumwirbelnden Blättern entstehen. Sind die Blätter schon alle unten gelandet? Später im Herbst können auch die kahlen Bäume in Schwarzweiss bei entsprechendem Licht interessant aussehen. Pilze sprießen überall und sehen mal appetitlich, mal nicht aus – aber bieten in jedem Fall tolle Motive.

Fliegenpilze im Herbstlaub

© Jörg Schmidtmann

Ist das Wetter trüb und nass, wirkt das Licht schön weich und es gibt keine schwierigen Kontraste zu bewältigen. Nasses Laub vor einer trüben Landschaft hat etwas schaurig-schönes, auf das manche ja tatsächlich stehen.

Corona, Lockdown usw.

Mir erscheint diese Corona-Zeit wie so ein „once in a lifetime“-Ereignis, und ohne die Auswirkungen irgendwie herunterzuspielen, ist es doch eindeutig eine historisch bedeutende Zeit. Und damit ist auch klar, dass sie fotografisch festgehalten werden muss, denn es ist Zeitgeschichte.

„Was hast du in der Corona-Zeit gemacht?“, könnte man später mal gefragt werden. Dann helfen fotografische Erinnerungen.

Schon während des ersten Lockdowns im März und April 2020 haben einige Fotografen die besondere Stimmung dieser Zeit gut eingefangen, jeder auf seine eigen Art und Weise. Ich möchte hierzu beispielsweise die Ausstellung STAND DER DINGE bei erstereihe.hamburg empfehlen (online, aber auch als Magazin zu kaufen). Die Vernissage dazu wurde auch auf Youtube veröffentlicht und bietet interessante Einblicke. Vielleicht helfen und inspirieren diese Bilder und Eindrücke der eigenen Kreativität auf die Sprünge!

Die genannte Fotoserie ist teilweise in Schwarzweiss entstanden, und angesichts der gedämpften Farben wäre das doch auch mal ein Projekt, um diese Zeit einzufangen!

Alles, was für diese Corona-Zeit so typisch ist, kann man dokumentieren. Das können herumliegende Masken sein (nebenbei bemerkt – was soll das?!), inzwischen überholte Hinweisschilder an Spielplätzen oder andere Besonderheiten dieser Zeit.

Schnitzen, Basteln, Werkeln und DIY

Auch abseits der Fotografie bieten sich viele Beschäftigungsmöglichkeiten, vor allem wenn man Kinder hat. Meine Mädels haben das Schnitzen im Wald entdeckt, und auch die Jüngere kann in aller Ruhe mit Kinder-Schnitzmesser und Schnitzhandschuhen „bewaffnet“ viel Zeit draußen beim Schnitzen verbringen.

In Wäldern entstehen (wahrscheinlich nicht von selbst…) Tipis aus Ästen und Zweigen, die auch bei Regenwetter nutzbar sind und bei denen Kinder fantasievoll spielen können.

Wenn man mit dem Thema anfängt, fallen einem immer mehr Möglichkeiten an: Seife herstellen, Kerzen, Rezepte, Knabbereien, Pakete mit Fotogeschenken für die ältere Verwandtschaft schnüren… dazu finden sich unzählige Ratgeber und Blogs!

Baumärkte haben DIY-Ratgeber- und Bereiche (Do-It-Yourself) oder bieten auf Youtube Tutorials dazu an, und durch alle diese Möglichkeiten kann man nebenbei noch sein handwerkliches Geschick verbessern.

Wir überlegen für Zuhause – für alle Fälle – eine Kletterwand anzubringen – und / oder eine Werkbank für den Balkon anzuschaffen. Damit man auch Drinnen für Abwechslung sorgen kann, egal aus welchem Grund.

Im Lockdown das Homeoffice perfektionieren

Schon im ersten Lockdown haben wir gemerkt, wie schlecht z.B. die Webcams in unseren Laptops so sind, auch bei denen mit angebissenem Apfel drauf. Mit manchem Tablet oder Smartphone sieht es schon besser aus, ist aber schwer mit dem PC zu verbinden. Oder nicht? Es gibt Apps, die das Smartphone zur Webcam machen (Camo, Epoccam) und der Unterschied ist schon deutlich! Dazu fehlt dann nur noch die passende Halterung, ein Mikrofon und besseres Licht… (*)

Schon haben wir wieder einen Bereich, in dem wir unsere Fähigkeiten verbessern können und professionell besser rüberkommen können.

Ein verschiebbarer Hintergrund wie ein Raumteiler oder ein Greenscreen für das nächste Videoprojekt können ebenfalls für bessere Videokonferenzen sorgen.

Abschalten

Medial auch mal abzuschalten und nicht jede Stunde die neuen Horrorzahlen zu checken ist etwas, an dem ich selber noch arbeite. Aber es ist wichtig, auch andere Dinge in den Kopf zu bekommen und das Schöne zu genießen – die verschiedenen Pilze im Wald, das Baby im Arm, ein gutes Buch oder selbst die „fernen Welten und unbekannten Zivilisationen“ im Streaming-TV.

Und irgendwann wird auch dieser November die sich anschließenden dunklen Monate enden, der Frühling wiederkommen und selbst SARS-CoV2 wird hoffentlich bald seinen Schrecken verlieren. Aber das, was wir in der Zeit für andere, uns selber und unsere Fähigkeiten getan haben, nehmen wir mit in die Zukunft.

Titelbild: © Jörg Schmidtmann