12 Fotoprojekte bei Ausgangssperre

Photo by Per Lööv on Unsplash

In diesen Tagen im März 2020 schwebt neben Corona ein weiteres Wort wie ein Damoklesschwert über dem Land – Ausgangssperre. Stand heute, 30.03., besteht bereits seit einer Woche ein sogenanntes „Kontaktverbot“ angesichts der grassierenden Covid-19-Krankheit und des dazugehörigen Virus. Weitere Einschränkungen sind durchaus noch denkbar und in Nachbarländern bereits in Kraft.

Daher sind nun also mehr Menschen als je zuvor gleichzeitig zu Hause. Währenddessen stehen andere Menschen an vorderster Front und halten den Laden – sei es den Supermarkt – oder das Land am samt medizinischer Versorgung am Laufen. Wer zu den Zuhausebleibern gehören muss oder darf – was eine Frage der Betrachtungsweise ist – hat nun Zeit. Zeit, um den Haushalt in Ordnung zu bringen. Ein Zimmer zu renovieren, Dinge zu sortieren und seinen Gedanken etwas Ruhe vor dem überflutenden Newsstrom zu gönnen. Mentale Hygiene ist wichtig.

In dieser Situation lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken, welche fotografischen Projekte uns helfen könnten, die Zeit sinnvoll und kreativ zu verbringen. Hier ein paar Beispiele. Etwaige Überschneidungen zu früheren Artikeln (wie z.B. 24 Tipps für bessere Smartphone-Fotos – Teil 3) sind gewollt.

Interessante Dinge im Haushalt

Analog zu dem Tipp Nr. 19 in dem Artikel 24 Tipps für bessere Smartphone-Fotos – Teil 3 („Sich eine Viertelstunde im Bad einschließen“) findet man bestimmt auch in der eigenen Wohnung, dem Balkon oder Garten interessante Gegenstände, die man fotografisch neu umsetzen kann.

Dies fällt einem nun auch eher auf, da man mehr Zeit zuhause verbringt und merkt, zu welchen Zeiten das Sonnenlicht in die Wohnung fällt und Dinge erleuchtet, die einem vorher noch nie aufgefallen sind.

Haustiere

Photo by Christian Langballe on Unsplash

Tierische Freunde im eigenen Haushalt helfen jetzt, die vielleicht aufkommende Einsamkeit etwas abzumildern. Auch hier haben wir nun mehr Zeit, sie zu beobachten, und wir können uns auf Tierportraits konzentrieren. Eine gute Gelegenheit, die Portraitfunktion des eigenen Smartphones mal nicht nur an Menschen auszuprobieren. Und die „richtige“ Kamera mit einer Normalbrennweite ist prädestiniert für Portraits.

Wenn der Hund mal raus muss (ich habe gerade eine Szene aus Loriots „Pappa ante Portas im Sinn“), dann kann man ihn oder sie beim ausgelassenen Austoben ablichten und gleichzeitig selber etwas frische Luft ins Hirn bekommen.

Kinder

Was für Haustiere gilt, sollte meiner Erfahrung nach umso mehr für unsere Kleinen oder größeren Kinder gelten! Auch sie sind nun viel zu Hause und beschäftigen sich mit neuen Spielen, Aktivitäten im Haushalt oder Medien. Und sie zeigen wie wir selber nun auch mehr Stimmungen, die man behutsam einfangen kann. Ein Fototagebuch von der Frisur, die vielleicht länger nicht von einer Fachkraft gepflegt werden kann? Tobende Kinder in den Fluren, mit etwas längerer Belichtungszeit eingefangen (möglichst mit Stativ) können sehr dynamisch wirken.

So muss es nicht enden – Photo by Allen Taylor on Unsplash

Wenn der Hund mal raus darf, sollte das auch für Kinder eingeräumt werden – solange es irgendwie möglich ist. Bewegung mit dem Fahrrad, Laufrad oder Roller im Wald oder an den leeren Straßen entlang tut gut, und die physische Distanz zu Mitmenschen sollte selbstverständlich sein.

Portraitfotos

Photo by Trent Szmolnik on Unsplash

Der eigene Partner oder die Partnerin ist hoffentlich sowieso ein Lieblingsmotiv für uns, und nun kann man versuchen, die eigenen Fähigkeiten in der Portraitfotografie zu verbessern. Auf dem Balkon, beim Blick aus dem Fenster, im Badezimmerspiegel…

Zeit wäre nun auch für Selbstportraits vor dem Spiegel, um den Verfall der Frisur die Veränderungen und Stimmungen während der Ausgangssperre einzufangen.

Licht- und Beleuchtungseffekte

Photo by Allen Taylor on Unsplash

Wir haben ja schon weiter oben festgestellt, dass uns in dieser Situation der Ausgangssperre oder der freiwilligen weitgehenden häuslichen Isolation besondere Lichtsituationen zu verschiedenen Tageszeiten auffallen. Das dadurch hereinkommende Licht kann man noch weiter „ausbauen“, indem man es mit Reflektoren formt und an verschiedene Stellen des Motivs leuchten lässt, z.B. bei Portraitfotos oder Stilleben von alltäglichen Gegenständen. (Siehe https://www.youtube.com/watch?v=tpCIy7GRB9k oder https://www.fotomagazin.de/praxis/tipps-tricks/serie-foto-hacks-do-it-yourself)

Eine weitere Idee, die mit Do-it-yourself-(DIY)-Bastelprojekten zu tun hat, ist ein Lichtzelt, auch Lightbox genannt zu bauen (siehe https://www.youtube.com/watch?v=qfz02BfzoSk). Damit kann man Produktfotos gut ausgeleuchtet und mit einem weichen Hintergrund in Szene setzen. Vielleicht hilft es dabei, die Schätze aus dem Keller oder dem Dachboden bei eBay zu verkaufen?

Video

Für fast alle der oben genannten Fotobereiche kann man auch Video einsetzen, und auch darüber hinaus. Mit einer kleinen Actionkamera oder einem Smartphone, befestigt an einem ferngesteuerten Auto, kann man vielleicht das Kind oder Haustier durch die Wohnung oder den Garten „jagen“ und anschließend mit dramatischer Musik unterlegen.

Die wie irre durch die Wohnung rennenden und kreischenden Kinder sollte man auch mal festhalten, auch wenn´s in der aktuellen Situation etwas nerven kann – später lachen wir zumindest über diese Teilaspekte.

Analoge Filmentwicklung

Photo by Markus Spiske on Unsplash

Aufwändiger, aber durchaus lohnend ist die analoge Filmentwicklung. Ich habe zum Beispiel in der Schublade noch viele belichtete schwarzweiss-Filme liegen, die ich immer wieder vergesse und die wie eine Zeitkapsel ungeahnte Schätze aus der Vergangenheit enthalten könnten. Mit etwas Zubehör kann man zumindest die eigentliche Entwicklung des Filmes bewerkstelligen – es gibt Versandhändler, die das passende Equipment anbieten. (Foto Impex beispielsweise bietet ein analoges „Starter Set Film“ für ca. 45,- € an: https://www.fotoimpex.de/shop/analog-startsets/fotoimpex-starter-set-film.html)

Abzüge der Fotos sind noch mal eine Stufe aufwändiger, da man ein Vergrößerungsgerät, Fotopapier, Entwicklungsschalen usw. besitzen muss. Eine Alternativ dazu wäre der sogenannte hybride Prozess. Dabei wird der Film normal in Fotochemie entwickelt, nach dem Trocknen aber gleich gescannt oder abfotografiert. Danach kann man die Fotos digital weiterbearbeiten, archivieren und drucken.

Auch hierzu sind interessante Bastelprojekte entstanden. Wenn man keinen Scanner mit Durchlichteinheit hat: Mit relativ wenig Zubehör (sofern man eine halbwegs aktuelle Digitalkamera hat) kann man sich ein Reprostativ bauen, und eine LED-Leuchtplatte bietet die Lichtquelle. Schablonen, die man entweder bestellen oder basteln kann, sorgen für eine gerade Lage des Films. Das Reprostativ selber kann man hier bekommen: https://www.dold-mechatronik.de/Reprostativ-V5-Bausatz

Bilder sortieren und verwalten

Was mit dem Keller und den Schränken schon passiert ist – aufgeräumt, aussortiert, geputzt – kann man auch mit seinen digitalen Fotoschätzen im Computer tun. Jetzt wäre eine gute Zeit dafür, sich an das (Aus-)sortieren und Verwalten zu machen, denn wir alle haben gefühlt Tonnen von Bildern digital rumliegen. Unter dieser Menge findet man die besten oft nur schwer wieder, wenn es darauf ankommt. Und müssen wir wirklich jedes Foto der 20 Bilder umfassenden Serienaufnahme des Hundes behalten, oder reicht eines davon?

Für Lightroom beispielsweise gibt es eine kostenlos erhältliche (englischsprachige) Anleitung mit Namen „1 hour 1000 Pics“ von Chris Marquardt, einem bekannten Fotografen und Podcaster.

Für die MacOS-App „Fotos“ sind hier ein paar nützliche Tipps zum Aufräumen der Mediathek zu finden: https://www.macwelt.de/ratgeber/Fotos-fuer-macOS-aufraeumen-7808204.html.

Bilder drucken

Nach dem Aufräumen ist vor dem Drucken! Denn schließlich sind ja nun unsere besten Werke zutage getreten, verschlagwortet oder bewertet worden und bereit, auf Papier gebracht zu werden. Mit einem halbwegs aktuellen Tintenstrahldrucker und gutem Fotopapier kann man schon recht ansehnliche Ausdrucke hinbekommen. Richtige Fotodrucker mit mehreren Tinten als den üblichen 4 Verdächtigen Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz sind natürlich im Vorteil, aber auch mit einem Multifunktionsdrucker (MuFuDru?) geht schon einiges.

Größere Formate ab DIN A3 aufwärts lässt man lieber vom Fachmann oder der Fachfrau drucken. Dazu gibt es online-Dienstleister, die einen auch in Zeiten von Kontakt- oder Ausgangssperre beliefern. Viele dieser Anbieter haben sich auch auf selbstklebende Bilder spezialisiert. Sie bieten auch Drucke auf Glas, Alu-Dibond oder Leinwand an. Endlich bekommen die Fotoschätze damit den Platz, der ihnen gebührt!

Schnappschüsse im 10×15-Format für die Wand liefert der Drucker aus der Drogerie schnell und in guter Qualität.

Tutorials und Online-Kurse

In den vorherigen Tipps sind schon einige Tutorials genannt worden, die sich oft auf DIY-Projekte beziehen. Aber auch für die Fotografie an sich kann man sich in dieser Zeit der Ausgangssperre neues Wissen und Fertigkeiten beibringen lassen. Danach hat man umso mehr Gelegenheit, all das Gelernte umzusetzen und fotografisch zu wachsen. Ob es Weitwinkel-Fotografie, Analogfotografie oder ein Smartphone-Fotoseminar ist, man profitiert sehr davon, Erfahrungen anderer als Inspiration zu nehmen.

Viele Anbieter von Online-Kursen offerieren nun Rabatte, um neue Kundschaft zu erschließen. Bei LinkedIn Learning beispielsweise kann man einen kostenlosen Testmonat starten und aus über 800 Kursen wählen.

Fotografie-Podcasts kann man auch neben dem Aufräumen, Wäscheaufhängen, Gassigehen oder anderen Tätigkeiten konsumieren und sie haben mir immer wieder neue Ideen mitgegeben und Fragen beantwortet.

Fotopotch

Hier mache ich es mir mal ganz einfach und verweise direkt auf unseren früheren Beitrag! https://reisezutaten.de/12-tipps-fuer-bessere-smartphone-fotos-teil-3-kreativitaet-foerdern/#23

Die Welt da draußen

Ob es der Blick aus dem Fenster auf leere Straßen ist, oder der kurze Schnappschuss auf dem Weg zum Einkaufen oder mit dem Hund ist – die Welt da draußen weiter fotografisch einzufangen, kann ein Highlight des Tages sein. Und die schon kräftiger werden Sonnenstrahlen des anbrechenden Frühlings helfen uns dabei, in dieser Zeit von Kontakt- oder Ausgangssperre einen klaren Kopf zu behalten.

Muss oder will man unbedingt meistens zuhause bleiben, kann man touristische Orte und Sehenswürdigkeiten wie das Miniatur-Wunderland in Hamburg entdecken. Die Jungs und Deerns dort haben eine witzige Idee gestartet: #WunderlandAtHome – Die Challenge gegen Langeweile – sie posten jeden Morgen um 10:00 eine Szene aus dem Miniaturwunderland, und die Challenge besteht darin, zuhause diese Szene in echt nachzustellen und ein Foto davon zu posten. Mehr dazu gibt´s hier: https://www.miniatur-wunderland.de/news/wunderlandathome-die-challenge-gegen-langeweile/

Ist der Corona-Spuk hoffentlich bald vorbei, haben wir die Zeit gut und kreativ genutzt und profitieren noch lange davon.

In diesem Sinne: Abstand halten und gesund bleiben!

Titelbild: Photo by Per Lööv on Unsplash

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