Nachhaltigkeit beim Fotografieren

Fotograf schaut aufs Meer - Photo by Sindre Strøm from Pexels

Nachhaltigkeit ist ein aktuelles Thema, und ein steigendes Bewusstsein zum Thema Umweltschutz und Ressourcenverbrauch legt nahe, dass wir uns hier auch einmal dazu Gedanken machen. Wie können wir beim Fotografieren darauf achten, nicht unnötig wertvolle – und manchmal schwer zu recycelnde – Ressourcen zu verschwenden?

Für jedes neue technische Gerät muss der Hersteller wertvolle Rohstoffe verwenden – Litihium, Kobalt und die sogenannten „seltenen Erden“. Auch wird bei der Herstellung CO2 freigesetzt, das in der Summe dazu beiträgt, die Erdatmosphäre zu erwärmen. Was können wir tun, um unseren eigenen Beitrag dazu so klein wie möglich zu halten? Was kann Nachhaltigkeit beim Fotografieren bedeuten?

Das nutzen, was man hat

iPhone und Spiegelreflexkamera
Smartphone oder altes Schätzchen? – Photo by Jessica Lewis from Pexels

Ich würde sagen, dass bestimmt fast jeder Haushalt in Deutschland eine Kamera in irgendeiner Form besitzt. Das kann auch eine alte Analogkamera im Keller sein. Jeder der ein Smartphone besitzt, hat auf jeden Fall eine Kamera zur Verfügung. Und der Einstieg in die Fotografie fällt damit leichter als je zuvor, denn die besagte Analogkamera muss erst mit passenden Filmen und Batterien (bitte wenn möglich mit Akkus) gefüllt werden.

Warum nicht mal das Smartphone wie eine richtige Kamera nutzen? Und wenn man das getan hat, steigt vielleicht auch das Interesse an der alten Kameratechnik. Analogfotografie ist nicht tot, und es kann ein schönes Hobby daraus werden, sich einmal mit dem bewussteren Fotografieren auf Film zu befassen. Das ganze ohne sofortiges Feedback auf dem Display und durch irgendwelche Likes auf sozialen Netzwerken. Und vielleicht hat man dadurch die Gelegenheit, sich mit ein paar richtig „alten Schätzen“ der Kameratechnik zu befassen.

Analogfotografie und Nachhaltigkeit – geht das zusammen?

Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Manche FotografInnen, die sich das Thema Nachhaltigkeit beim Fotografieren auf die Fahnen geschrieben haben, lehnen die Analogfotografie ab. Immerhin werden für die Filme bei der Entwicklung Chemikalien eingesetzt, die prinzipiell umweltschädigend sein können. Keine Frage, dass eine rücksichtstlose „Entsorgung“ im Abfluss eher eine Verklappung ist. Ein fachgerechtes Recycling ist also selbstredend ein Muss.

Und was ist mit all den alten analogen Kameras, die weitergenutzt werden, statt sie zu Sondermüll werden zu lassen? Kameras und Zubehör, die man auf dem Gebrauchtmarkt kauft, müssen nicht neu produziert werden. Analoge Kameras können mit aktuellen Filmen weiterhin hervorragende Bilder liefern, wenn der Mensch hinter der Kamera seinen oder ihren Part richtig macht. Gebrauchte Digitalkameras, speziell älteren Datums, sind aber manchmal so weit von aktuellen Techniktrends und der hohen Auflösung eines Films entfernt, dass sie nur noch schwer Käufer finden und dann vielleicht doch früher ins Recycling müssen als ihre analogen Vorfahren.

So gesehen finde ich schon, dass man die Analogfotografie als nachhaltig bezeichnen kann.

In Know-How statt Technik investieren

Photo by Toa Heftiba on Unsplash

Dieser Tipp geht Hand in Hand mit dem vorigen Tipp – das zu nutzen, was man hat. Um tiefer in die Materie einzutauchen, können Bücher, Tutorials oder auch mal ein bezahlter Kurs helfen, zu besseren Ergebnissen zu gelangen. Für den Anfang reicht vielleicht auch ein Besuch in der Leihbücherei, um Fotobücher zu aller Art von Kameramodellen, Smartphones oder Zubehör auszusuchen. Auch beim Einstieg in die Analogfotografie helfen Fachbücher weiter. Bücher helfen auch, sich von den Werken bekannter und erfahrener FotografInnen aus aller Welt inspirieren zu lassen, die oft auch „nur“ ihr persönliches Lebensumfeld dokumentiert oder kreativ fotografisch umgesetzt haben.

Nachhaltigkeit beim Fotografieren kann sich auch darin zeigen, die Menge des Fotozubehörs nicht zu übertreiben. Man spart nicht nur Kraft, sondern auch Geld und Materialien, wenn man sich nicht zu viel Zubehör anschafft. Außerdem kann man durch bewusstes Reduzieren der technischen Hilfsmittel seine Kreativität fördern (siehe auch den Beitrag „Ich packe meinen Koffer… oder nicht?“)

Buchtipp zur Analogfotografie: „Absolut Analog“ (*)

Neu oder gebraucht kaufen?

Die Industrie würde diese Frage sicherlich mit einem freudestrahlenden „Natürlich neu kaufen!“ beantworten. Und die besten Kunden kaufen regelmäßig, so alle ein bis zwei Jahre, wie es bei Smartphones üblich ist. Aber – um bei dem Beispiel Smartphones zu bleiben – dank stark gestiegener Leistungsfähigkeit sind die Geräte auch nach ein paar Jahren noch nicht so weit, dass sie man sie entsorgen müsste. Zumindest, wenn sie technisch noch funktionsfähig und kein softwaretechnisches Sicherheitsrisiko sind.

Das gilt auch für Kameratechnik, wo viele ErstzbesitzerInnen gut erhaltene neuere Kameras und Zubehör nach einiger Zeit wieder verkaufen. Klar, dass man dadurch sowohl Ressourcen als auch Geld spart. Wer es sich einfach machen möchte und sichergehen will, funktionierende Technik zu kaufen, findet auf Plattformen wie refurbed.de oder rebuy.de (keine Affiliatepartner) geprüfte Geräte mit Gewährleistung. Ich selber habe gerade bei einer dieser Plattformen ein im Zustand fast wie neues iPhone 8 günstig erstanden.

Auch der lokale Fotohändler hat immer wieder interessante Angebote, wenn es nur um Fototechnik geht. Und der freundliche Handyladen um die Ecke hilft bei gesprungenen Displays oder in die Jahre gekommenen Akkus.

Leihen und Tauschen

Was das Leihen und Tauschen angeht, kann man auf Foto-Communities oder in Foren auf Suche gehen, Tausch-Läden besuchen oder auch in der Leihbücherei Hardware ausleihen (neu entdeckt bei uns in der Hamburger Zentralbibliothek). So kann man dort als Bücherei-Mitglied z.B. eine Fuji Instax-Sofortbildkamera oder Smartphone-Vorsatzlinsen ausleihen.

Größere Fotohändler bieten oft einen Leihservice an. Damit kann man für einen besonderen Anlass spezielle Kameras oder Objektive ausleihen und ausführlich kennenlernen. Dieser Service ist natürlich etwas kostenintensiver, und man muss oft eine Kaution hinterlegen.

Wegwerfprodukte und Billigware meiden

„Wer billig kauft, kauft zweimal“. Dieser Spruch bewahrheitet sich immer wieder, wie ich auch selber schon feststellen musste. Wer statt einer etwas teureren, höherwertigen Ware lieber immer das Günstigste kauft, stellt oft fest, dass die Haltbarkeit nicht gegeben ist, oder dass wichtige Funktionen und Möglichkeiten fehlen und man das Gerät im Endeffekt doch nicht verwendet. Schade um die Ressourcen und das Geld!

Hersteller höherwertiger Produkte tun oft mehr, um werbewirksam auf die Nachhaltigkeit ihrer Produktionsmethoden und die Vermeidung unnötiger Schadstoffe hinzuweisen. Bleibt zu hoffen, dass dies auch den Tatsachen entspricht.

Bei Smartphones und Kameras kommt noch ein weiterer Aspekt der Nachhaltigkeit hinzu: Unterstützen die Hersteller auch ältere Geräte noch längere Zeit mit Software- bzw. Firmware-Updates? Oder fallen nach ein bis zwei Jahren die Geräte komplett hinten über und sind ein Sicherheitsrisiko? Leider trifft auf viele Hersteller letzteres zu.

Fazit

Wer auf Reisen ist, hat vielleicht schon durch die Auswahl des Ziels und Transportmittels darauf geachtet, unnötige Umweltschäden zu vermeiden oder zu kompensieren. Durch das lange Nutzen von Fototechnik – sowohl auf Reisen als auch zuhause – kann man auch beim Fotografieren seinen Teil tun, nicht mehr zu verbrauchen als unbedingt nötig. Und bei Kaufentscheidungen eine Runde mehr zu überlegen, wie haltbar und verträglich das Gerät ist, trägt ebenfalls dazu bei, in sich selber das Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit beim Fotografieren zu schärfen.

Linktipp zum Thema Nachhaltigkeit beim Fotografieren: https://kwerfeldein.de/2018/11/20/nachhaltigkeit/

Titelbild: Photo by Sindre Strøm from Pexels

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