Kanureisen: Naturgenuss mit allen Sinnen (und viel Mückenspray)

Was sind Kanureisen?

Kanureisen sind alle Arten von Reisen, bei denen die Fortbewegung (mehr oder weniger) ausschließlich durch eigene Muskelkraft auf dem Wasser geschieht. Und zwar in Booten, die mit losen Paddeln angetrieben werden, sprich in Kanus. Dabei ist es egal, ob es sich um einen Canadier oder ein Kajak handelt. Das sind nämlich beides Kanus.

Für alle, die sich fragen: „In was sitze ich denn jetzt eigentlich?“ Der Canadier ist in der Regel offen, ausladend und hat ein Sitzbrett und viel Stauraum. Bewegt wird er sitzend oder kniend mit einem Stechpaddel. Einmal links, einmal rechts, immer schön abwechselnd. Oder wie es eben die Strömung verlangt. Das Kajak dagegen ist deutlich flacher, schmaler, geschlossen und wird mit einem Doppelpaddel auf beiden Seiten des Bootes gepaddelt.

Es gibt zwei Möglichkeiten von Kanureisen: individuell organisiert oder in einer geführten Gruppe. Wer auf eigene Faust loszieht, hat meist sein Boot mit dabei und legt Route sowie Übernachtungsmöglichkeiten selbst fest. Bei einer Gruppenreise ist für Material, Verpflegung und passende Lagerplätze von Vorneherein gesorgt. Die fest definierte Tour wird gemeinsam unter Anleitung erfahrener Kanuten absolviert.

Wer von beiden Varianten ein wenig haben will, kann in vielen Regionen auch folgende Option wählen: individuelle Anreise ohne eigenes Boot, vor Ort stellt der Anbieter ein Kanu für die vereinbarte Zeit und lässt dem abenteuerlustigen Reisenden bei der Tourenwahl freie Hand oder unterstützt ihn mit konkreten Tourvorschlägen und Übernachtungsmöglichkeiten.

Vorteile von Kanureisen

Wer träumt nicht einmal von einem Perspektivwechsel? Die Natur nicht nur anzuschauen, sondern quasi ein langsam dahin paddelnder Teil von ihr zu werden. Mit allen Sinnen zu erleben, was sich auf dem Wasser und am Ufer tut. Tiere beobachten, Pflanzen bestaunen – und das alles in himmlischer Ruhe (wenn nicht gerade ein krachendes Gewitter über einem niedergeht).

Das Entschleunigen, das sich viele im hektischen Alltag wünschen, geht hier fast automatisch. Kanureisen sind kein Hochleistungssport, sondern eine Einladung zum Durchatmen. Keine Ablenkung, der Fokus immer nur auf einer Sache: Paddel ins Wasser, Paddel heraus aus dem Wasser. Kilometer für Kilometer.

Falls zu Beginn noch nicht vorhanden: Die körperliche Fitness gibt es kostenfrei obendrauf. Tagelange Stärkung der Armmuskeln, immer an der frischen Luft: gesünder geht es kaum. Wer noch nicht so viel Muckis in den Oberarmen hat, kann dem Bootspartner Sonderschichten gönnen und sich eine Weile ausruhen. Geht doch nichts über funktionierendes Teamwork.

Ein weiterer großer Vorteil: Kanureisen lassen sich ganz wunderbar im eigenen Land machen, wie zum Beispiel an der traumhaften Mecklenburgischen Seenplatte. Oder man nutzt die Kanureise, um ein anderes Land aus einem besonderen Blickwinkel zu betrachten, zum Beispiel Schweden, Finnland, Kanada, Tschechien oder Rumänien. Hinein in die Wildnis und dann einfach mal treiben lassen – oder eben kräftig paddeln.

Nachteile von Kanureisen

Wie war das nochmal mit gesund? Gerade bei Anfängern kann es zu Beginn doch größeres Gejammer über die Belastung für den Rücken oder einen fetten Muskelkater in den Armen geben. Gehört mit dazu, nach ein paar Tagen spielt sich alles ein. Und taugt auf alle Fälle als guter Stoff für Heldengeschichten.

Die Natur mit allen Sinnen erleben heißt natürlich auch, das Wetter in allen Ausprägungen live genießen zu dürfen. Da bleibt nach der Buchung der Reise nur der bange Blick auf die Wettervorhersage verbunden mit der Hoffnung, dass doch Petrus den tapferen Kanuten eher Sonne als Dauerregen und Kälte schicken möge. Denn alle Begeisterung für Abenteuer verfliegt dann, wenn das hübsche Ufer vor heftigem Niederschlag schon kaum mehr zu sehen ist. Und man nicht mehr weiß, ob irgendwo in der Gepäcktonne noch ein trockenes Kleidungsstück zu finden ist.

Und dann war ja noch die Sache mit diesen lustigen kleinen Tierchen, die sich so schlecht mit dem Paddel erledigen lassen. Wo gepaddelt wird, sind leider ganz oft Mücken. Mücken während der Fahrt, Mücken am Abend beim Essen, Mücken nachts im Zelt. Eine gute Chance, seine Zielsicherheit oder seine Geduld und Leidensfähigkeit zu üben.

Für wen ist das was?

Kanureisen sind ideal für:

  • Minimalisten (nur was in die Gepäcktonnen passt, darf mit)
  • Camping-Freunde (übernachtet wird direkt am Wasser)
  • Lagerfeuer-Romantiker (gibt es eigentlich wasserfeste Gitarren?)
  • Meditative Naturbeobachter (oder solche, die es werden wollen)
  • Bizeps- und Trizeps-Könige (Muscle-Shirt nicht vergessen!)
  • Abenteurer mit Improvisationstalent (irgendwas ist immer)
  • Gute Angler (das selbst gefangene Abendessen schmeckt am besten)
  • Frischluftfanatiker (mehr draußen geht einfach nicht)

Für wen eher nicht?

Für folgende Spezies sind Kanureisen nur bedingt geeignet:

  • Luxusreisende mit 4 Koffern Gepäck
  • Hochgeschwindigkeits-Freaks
  • Mücken-Allergiker
  • Wasserphobiker
  • Heulsusen
  • Sportverweigerer
  • Hotelschläfer
  • Ablenkungssüchtige

Wer schreibt über Kanureisen?

Elke Weiler schreibt auf dem Meerblog über ihre Erfahrungen beim Paddeln auf einem finnischen See:
https://meerblog.de/kanu-tour-auf-dem-naarajoki-finnland/

Und Jürgen Clausen widmet seinen Blog komplett dem Kanufahren und Kanureisen:
https://www.kanu-natur.de/blog/

Foto: Unsplash.com

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