Dublin: Ein Wochenende zwischen Trinkfreude, Gemütlichkeit und Kulturprogramm

Dublin, Samuel Beckett Bridge

Das Glas im 45-Grad-Winkel, die dunkle Flüssigkeit fließt langsam hinein, oben der cremige Schaum – Guinness ist vielleicht das Erste, was einem bei Dublin einfällt. Lange bevor einem Kulturschätze wie das „Book of Kells“ oder das Trinity College überhaupt in den Sinn kommen.

Und im Grunde ist das auch vollkommen in Ordnung, denn die Kultur der Iren und das Lebensgefühl in der Hauptstadt Dublin sind eng mit den flüssigen Schätzen wie Bier und Whiskey verbunden. Mit einem Guinness am Tresen einer der unzähligen urigen Pubs lässt sich der Tag so gemütlich ausklingen. Egal ob Arbeiter, Banker aus Dublin oder die Wochenendtouristen aus dem Ausland: Im Pub treffen sich am Ende alle.

Dublin ohne Guinness oder Whiskey? Unmöglich!

Wer mehr über das dunkle Stout-Bier wissen will, ist im Guinness Storehouse richtig. Hier dreht sich alles rund um das Nationalbier der Iren. Stimmt es wirklich, dass es es eine Pipline gibt, die das Guinness direkt in einige Pubs pumpt? Seit wann gibt es das Bier? Wie unterscheidet sich das Guinness in Irland von dem im Ausland? All das lehrt der Rundgang durch die Brauerei.

Doch keine Angst, es bleibt nicht bei trockenen Fakten. Beim Guinness-Tasting lernt man, wie man einen perfekten Pint zapft und geht natürlich nicht ohne eine Kostprobe aus dem Haus. Auf keinen Fall verpassen sollte man die „Gravity Bar“. Von hier aus bietet sich ein spektakulärer Rundumblick über Dublin. Die beste Erklärung, warum man für den ersten Dublin-Eindruck gleich mit dem Guinness-Storehouse anfangen sollte.

Guinness
Guiness – das Nationalbier der Iren, cremig, dunkel, lecker.

Und weil ein Bierchen allein ja ein wenig müde macht, lohnt es sich, gleich einen draufzusetzen. Wir machen keine halben Sachen und schließen an das Stout-Tasting gleich ein feines Gläschen Whiskey an.

Doch damit man sich das Gläschen flüssiges Gold auch verdient hat, schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Auf dem Weg zum Irish-Whiskey-Museum klappern wir ein wenig das Kulturprogramm ab.

Zufälligerweise kommen wir vom Storehouse zum Museum an einigen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei: Mit einem Schlenker nach Süden passieren wir die St. Patrick’s Church, um dann wieder nördlich zur Altstadt zu gehen. Dort stehen die City Hall und das Dublin Castle brav als Fotomotiv bereit.

Ein paar Beweisfotos und dann darf sich wieder den entscheidenden Dingen im Leben gewidmet werden: dem irischen Whiskey. Das Irish-Whiskey-Museum ist eine Reise in die Vergangenheit der Spirituose. Und am Ende, ja dann darf auch probiert werden. Wer sich lieber durch die Geschichte und durch die Pubs der Stadt probieren probieren als lesen will, dem sei eine Whisky-Stadtführung ans Herz gelegt, wie sie zum Beispiel von Dublin Whiskey Tours angeboten wird oder ein Besuch in einer der Destillen, wie der legendären „The Old Jameson Distillery

Hier steppt der Bär bei Irish-Folk: Temple Bar

Wie könnte man diesen trinkfreudigen Tag in Dublin besser abrunden als mit einem Besuch im vielleicht beliebtesten Teil der Stadt, Temple Bar? Am Südufer des Flusses Liffey gelegen, ist es Kulturviertel, Touristenliebling und Ausgehviertel in einem.

Dublin Temple Bar
Die Temple Bar im Stadtteil Temple Bar – dem Ausgehviertel der Stadt.

Es ist der kleinstädtische Charme der Kopfsteinpflastergassen, die Backsteinhäuser und kleinen Plätze, die Temple Bar ausmachen. Und man muss von Glück reden, dass es überhaupt noch möglich ist, durch diese Straßen zu schlendern. Nachdem das Viertel im 19. und 20. Jahrhundert langsam dem Verfall zum Opfer fiel, sollte es in den 1980er-Jahren abgerissen werden, um einem Busbahnhof Platz zu machen. Doch in dieser Zeit zog es nach und und nach immer mehr Künstler in die billigen Häuser, die hier ihre Ateliers und Galerien einrichteten und so den Abriss verhinderten.

Noch heute ist das Viertel von der Kunst geprägt. Tagsüber laden Museen wie das nationale Fotoarchiv oder das „Irish Film Centre“, Galerien und Ateliers ein. Doch vor allem dann, wenn die Sonne hinter den Mauern versunken ist, zeigt Temple Bar seine wilde Seite.

Wer in Dublin ausgeht, der will nach Temple Bar. Nirgendwo sonst ist die Dichte an Bars, Pubs, Restaurants und Clubs so hoch wie hier. Hier heißt es: Hoch die Tassen. Egal, ob mit Guinness, Kilkenny oder Whiskey gefüllt.

Temple Bar
Temple Bar, das stimmungsvolle Viertel – außerhalb und in den Kneipen.

Besonders atmosphärisch wird es, wenn sich die Musiker die Aufmerksamkeit sichern und mit traditioneller irischer Musik das Publikum in ihren Bann ziehen. In fast allen Bars wird musiziert.

Dabei rühmt sich das „Ha’penny Bridge Inn“ trotz seiner Lage in der Touristen-Hochburg als besonders authentisch und ursprünglich. Hier gibt es Irish-Folk wie in den guten alten Zeiten. Im kleinen Barraum im Obergeschoss wird es dann eng, doch die kuschelige Atmosphäre passt perfekt zu den irischen Balladen und einem frisch gezapften Pint.

Ausnüchtern auf der Liffey

Am nächsten Tag ist es an der Zeit, die nüchterne Seite von Dublin kennenzulernen. Und nichts ist bequemer und informativer, als sich am Tag nach dem Pub-Abend ins Boot zu setzen und gemächlich über die Liffey schippern zu lassen.

Was man hier zu sehen bekommt, ist ein ganz anderes Bild von Dublin. Auf den Spuren von Dublins Kanalsystem und auf dem Weg zum alten Hafen, vorbei an den Docklands, zeigt sich der Wandel. Denn hier am Ufer befinden sich heute die Büros der weltgrößten Firmen wie Google und Facebook und das Convention Center.

Dublin Liffey
Eine Ausflugsfahrt auf der Liffey beschert viele neue Eindrücke und Erkenntnisse.

Früher fuhren hier Handelsschiffe entlang. Doch als der Hafen zu klein wurde, verkamen die Docklands, bis schließlich Investoren die attraktive Wasserlage erkannten und teure Wohnungen und Büros in modernen Stahl- und Glaskonstruktionen errichteten.

Während der Fahrt sorgt ein Guide dafür, dass man am Ende des Ausflugs schlauer aussteigt, als man eingestiegen ist. Von der Wikingerzeit bis heute reicht die kleine Geschichtsstunde, die man bequem im Allwetterboot auf sich einprasseln lassen kann.

Kulturprogramm im Bücherparadies und hinter schwedischen Gardinen

Wieder auf festem Boden, geht es nun zum Trintiy College. Denn eines darf man auf keinen Fall: Dublin verlassen, ohne einen Blick auf den Nationalschatz das „Book of Kells“ zu werfen, auch wenn es nur ein rascher ist.

Trinity College Belfry
Trinity College – das Paradies für Bibliophile.

Selbst wenn man sich nicht als den größten Fan von insularer Buchmalerei bezeichnen würde, lohnt sich das Kulturhighlight. Allein die Bibliothek, in der Seiten des über 1000 Jahre alten Buchs ausgestellt werden, ist einen Besuch wert.

4,5 Millionen Bücher beherbergt diese eindrucksvolle Bibliothek, dessen „Long Room“ mit 64 Meter Länge einen schon einmal mit offenen Mund dastehen lässt. So muss das Paradies für Bibliophile aussehen.

Ein ganz anderes Programm bietet das „Kilmainham Gaol“. Zu Dublin gehört auch immer ein wenig Grusel. Doch statt der abendlichen Geisterführungen und Gruselgeschichten lohnt sich ein Blick hinter schwedische Gardinen viel mehr.

Kilmainham Gaol
Warum nicht mal einen Blick ins frühere Staatsgefängnis werfen? In Dublin ist das möglich.

Das frühere Staatsgefängnis ist eng mit der Geschichte Irlands verbunden. Es war einer der wichtigsten Schauplätze des irischen Unabhängigkeitskampfes und des Osteraufstands von 1916. Irische Republikaner versuchten die Unabhängigkeit von Großbritannien zu erzwingen, doch der Versuch schlug fehl. Trotzdem wurde dieses Ereignis zum Wendepunkt und gipfelte schließlich in der Gründung der endgültigen Republik Irland im Jahr 1949.

Ausflugstipp Howth: Zauberhafte Natur beim Klippenrundgang

Auch wenn es nur ein Kurztrip ist. Wer in Irland ist, sollte sich einen Ausflug in die Natur nicht entgehen lassen. Hohe Klippen, grüne Wiesen und die raue See: Das sind Bilder, die man mit nach Hause nehmen sollte.

Wer noch ein bisschen Zeit übrig und Lust auf einen Ausflug hat, der fährt nach Howth. Hier im ehemaligen Fischerdorf stärkt man sich zunächst mit den vielleicht frischesten Fisch&Chips, die man finden kann. Frisch gestärkt geht es an Cafés vorbei zum Hafenbecken. Mit etwas Glück sieht man ein paar Seehunde, die sich in Hafennähe trollen und auf Fischreste des heutigen Fangs hoffen.

Howth Hafen
Ein Ausflug nach Howth lohnt sich doppelt – kulinarisch und optisch.

Der „Cliff Walk“ zeigt, was Irland an Natur zu bieten hat. Vom östlichen Hafenende geht es zunächst bergauf zu den Klippen. An den Steilhängen entlang führt der Weg zum Leuchtturm. Kurz vor dem Leuchtturm geht es noch einmal hinauf zum Gipfel, von dem man über die ganze Dubliner Bucht blicken kann.

Die Aussicht ist atemberaubend und der Atem stockt einem spätestens dann, wenn man den waghalsigen Klippenspringern zuschaut, die sich vom sogenannten „Lion’s Head“ in die Fluten stürzen.

Wer auf dem Weg eine trockene Kehle bekommen hat, der findet im „Summit Inn“, das den Weg  kreuzt, Abhilfe. Beim Pint kann man sich für Rückreise nach Dublin stärken und die letzten Stunden in Irland stilgerecht genießen.

Nützliche Infos:

  • Pub-Crawl Temple Bar: Pub-Crawls gibt es in Dublin wie Sand am Meer. Auf musikalische Unterhaltung spezialisiert sind die Touren von https://www.musicalpubcrawl.com/the-pubs/
  • Cliff Walk empfiehlt sich nur bei gutem Wetter. Die Wege führen nah an den Klippen entlang und sind bei Sturm nicht sicher.
  • Wer noch mehr Sightseeing will, der ist bei den Touren von Sandman’s Neweurope gut aufgehoben. Das Prinzip von sogenannten „Free Walking Tours“ ist, dass es keinen festgeschrieben Preis gibt. Jeder soll so viel geben, wie ihm die Tour wert war.
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