Bahamas – Ein Urlaubstraum ganz in pink

Bahamas, Nassau

Gibt es überhaupt hässliche Fotos von den Bahamas? Oder anders gefragt: Ist das noch schön oder ist das schon Kitsch? Aus der Sicht eines kälte- und regenerprobten Mitteleuropäers stellt es schon fast eine Provokation dar, wie viel Postkartenmotive die Natur hier auf den 700 Inseln geschaffen hat. Sonnenschein, blauer Himmel, grün-blaues Meer, schneeweiße Strände mit feinem Sand, weltberühmte Tauchgewässer, dazu noch ein wenig Piratenromantik, Calypso-Musik und Cocktails zum Sonnenuntergang: Fühlt sich so das Paradies an?

Auch Hollywoodstars lieben die Bahamas

Ja, sagen die rund vier Millionen Touristen aus den USA, die jährlich auf einer der 30 bewohnten Koralleninseln karibischen Zauber genießen. Kein Wunder, liegt Florida doch gerade einmal 80 Kilometer entfernt. Ja zu den Bahamas sagen auch jede Menge Prominente, die sich dort in ihren millionenschweren Villen erholen. Allen voran Johnny Depp, der als Kapitän Jack Sparrow in Fluch der Karibik so oft in der bezaubernden Inselwelt unterwegs war, dass er sich gleich eine Privatinsel namens Little Hall’s Pond Cay gekauft hat. Seine Nachbarn auf den nahe gelegenen Exumas sind David Copperfield und Eddie Murphy. Auch Tiger Woods und Lenny Kravitz haben sich auf den Bahamas ziemlich unbescheidene Häuschen zugelegt.

Bahamas, ein Traum von Hunderten Insekln
Ist es bei dieser Aussicht ein Wunder, dass viele Hollywoodstars eine Villa auf den Bahamas haben?

Nun muss man kein Hollywood-Star oder Milliardär sein, um Urlaub auf der Inselgruppe nordöstlich von Kuba machen zu können. Aber die Bahamas mit ihren rund 350.000 Einwohnern sind wirklich das Gegenteil eines klassischen Backpacker-Reiseziels. Das karibische Urlaubsgefühl verbunden mit der Nähe zum zahlungskräftigen US-amerikanischen Markt kostet nun mal seinen Preis. Damit wird ein Bahamas-Urlaub zu etwas Besonderem. Dafür muss man noch nicht einmal in einem der zahlreichen Luxushotels wie Atlantis Habourside, The Cove, One and Only Ocean Club oder Sandals Royal Bahamian absteigen.

Bahamas Sonnenuntergang
Ein Traum für Romantiker: So schön ist ein Sonnenuntergang auf den Bahamas.

So verschlägt es selbst aus dem reisefreudigen Deutschland nur rund 10.000 Gäste im Jahr hierher. Zum Entspannen an unberührten Stränden. Zum Genießen von heimischer Küche, Kultur und Tanz. Zum Tauchen in den wohl weltweit klarsten Gewässern. Zum Inselhüpfen. Und nicht zu vergessen zum Heiraten.

Sich mit den nackten Füßen im Sand vor Traumkulisse das Ja-Wort zu geben, ist noch immer ein romantischer Traum vieler Frauen, der auf den Bahamas oft wahr wird.

Doch wohin soll es gehen, wenn gleich 30 Inseln zur Auswahl stehen, die zwischen 8 (Harbour Island) und 6000 Quadratkilometer (Andros) groß sind? Auf denen man wie auf Ragged Island mit unter 100 Einwohnern entweder die pure Einsamkeit genießen kann. Oder sich in New Providence samt seiner lauten und quirligen Hauptstadt Nassau mit rund 250 000 Einwohnern so richtig nach Herzenslust amüsieren.

Nassau und die Flut der Kreuzfahrt-Touristen

Das spezielle Flair Nassaus polarisiert. Gleich sechs Anlegestellen für Kreuzfahrtschiffe spülen täglich Tausende von Tagestouristen an Land. Nassau bietet lautes, buntes und schillerndes Entertainment mit Casinos, Restaurants, Nachtclubs und Shopping. Hier lassen es die US-amerikanischen Touristen krachen. An dieser Stelle stehen die Bahamas definitiv nicht für Ruhe und Einsamkeit.

Nassau, Bahamas, Hotel Atlentis
Wer Pink nicht mag, ist auf den Bahamas falsch. Hier das Hotel Atlantis in Nassau in feschem Rosa.

Trotzdem ist Nassau einen Blick wert. Wahrzeichen der Stadt ist die Königinnentreppe, die 1794 von Sklaven gebaut wurde. Aufgrund der langen Sklaverei haben 85 Prozent der Einwohner einen afro-amerikanischen Ursprung. Die drei Festungen Fort Charlotte, Fort Fincastle und Fort Montagu zeugen von der umkämpften Geschichte der Bahamas, seit Christopher Kolumbus sie 1492 entdeckt hatte.

1973 wurde die Inselgruppe unabhängig von Großbritannien, zählt aber heute symbolisch zum Commonwealth. Geblieben ist eine prächtige Kolonialarchitektur. Parlaments-, Regierungs- und Gerichtsgebäude sind top in Schuss. Sie leuchten den Besuchern schon von Weitem mit einer absolut ungewöhnlichen Farbe für offizielle Bauten entgegen: Rosa.

Rosa ist die Farbe der Bahamas

Weite Teile des Zentrums sind rosa angestrichen. Viele Einheimische tragen rosa Kleidung. Rosa ist der Flamingo, das Wappentier der Bahamas.

Warum die Lieblings-Mädchenfarbe hier so präsent ist, weiß niemand. Nur, dass sich sogar die Natur dem Trend anpasst. Der Pink Sands Beach auf Harbour Island leuchtet auf 3 Meilen in rosa und ist damit eines der top Fotomotive jeder Bahamas-Reise.

Grund für dieses außergewöhnliche Schauspiel sind die roten Gehäuse der Foraminiferen, mikroskopisch winziger Einzeller, die sich mit dem weißen Sand vermischen. Rot plus Weiß gibt Rosa. So einfach ist das.

Bahamas, Schwimmende Schweine der Exumas
Was für ein Sauspiel, äh Schauspiel: die schwimmenden Schweine auf den Exumas.

Wer noch nicht genug vom Schweinchenrosa hat, kann auf den Bahamas sogar mit Schweinen zum Schwimmen gehen. Auf der Insel Exumas paddeln am Southernmost Strand – auch Pig Beach gennant – die Borstentiere fröhlich im Wasser herum. Vorfahren der wild lebenden Schweine wurden hier ausgesetzt. Und so haben sich die Tiere einfach den Bedingungen im karibischen Urlaubsparadies angepasst.

Inselhopping mit Wasserflugzeug oder Postboot

Grand Bahama, Andros, Paradise Island, Eleuthera, Exuma, Long Island, und, und, und. Die Auswahl wunderschöner Inseln ist viel zu groß, um sich auf einer Bahamas-Reise nur an einem Ort niederzulassen. Inselhopping heißt das Zauberwort, um möglichst viele unterschiedliche Eindrücke zu gewinnen. Für die Eiligen via Wasserflugzeug, für die anderen mit dem Postschiff. Bequemster Startpunkt ist Nassau, das von den USA aus direkt angeflogen wird. Vom Potters Cay aus fahren die Mail Boats jeden Hafen der 30 bewohnten Inseln an. Je nach Entfernung kann so eine Tour wenige Stunden bis fast zwei Tage dauern.

Bahamas, Eleuthera
Wie soll es jetzt noch besser werden? Der Strand von Eleuthera.

Dabei gilt ein Grundsatz: Je südlicher die Fahrt geht, umso mehr Ruhe und Einsamkeit erwartet den Reisenden. So wie auf Long Island. 130 Kilometer lang, 6 Kilometer breit und gerade einmal 3000 Einwohner.

Noch mehr Zurückgezogenheit gibt es wahrscheinlich nur als Senn auf einer abgelegenen Berghütte. Wer sich auf Long Islands bei ausgedehnten Spaziergängen durch den leuchtend weißen Sand nicht vom Alltagsstress erholt, der schafft das wohl nirgends.

Die ideale Zeit dafür ist von Dezember bis Mai. Temperaturen von 20 bis 27 Grad (nachts zwischen 15 und 20 Grad) machen den Aufenthalt sehr angenehm. Dazu viel Sonnenschein, wenig Regen, eine leichte Brise des Passatwindes und Wassertemperaturen von 23 bis 25 Grad. Wer es wärmer und feuchter will, muss im Sommer anreisen. Allerdings drohen in der Hurrikan-Saison von Juni bis Oktober immer wieder tropische Stürme und heftiger Regen.

Junkanoo, das Karnevalsspektakel an Weihnachten

In die beste Reisezeit fällt auch der Straßen-Karneval Junkanoo. Das bunte Spektakel findet alljährlich am 26. Dezember und quasi als Wiederholung am Neujahrstag statt. Der Ursprung der extravaganten Parade liegt wahrscheinlich in der Zeit der Sklaverei. Monatelang bereiten sich die Gruppen auf den großen Tag vor, um mit den ausgefallensten Kostümen und fantasievollsten Tänzen im Rhythmus der begeisternden Musik die Zuschauer zu Jubelstürmen mitzureißen und Preise für die beste Darbietung einzuheimsen. Hier stillzusitzen ist schlicht und ergreifend nicht möglich. In dieser Straßenparade liegt so viel Energie, Magie und Lebensfreude, dass einfach jeder davon angesteckt wird.

Bahamas, Tauchreviere
In den legendären Tauchrevieren der Bahamas gibt es sogar Tigerhaie zu sehen.

Geradezu magisch präsentieren sich auch die Tauchreviere auf den Bahamas. Weltweit hat sich die faszinierende Unterwasserwelt herumgesprochen. Dort, wo sich früher die Piraten herumtrieben, können Taucher und Schnorchler heute ihre eigenen Abenteuer erleben. Rund 2500 Korallenriffe, die sogenannten Cays, bieten mitsamt ihren tierischen Bewohnern eine Unterwasser-Wunderwelt.

Um sich die Flora und Fauna aus der Nähe ansehen zu können, muss man aber noch kein Tauchprofi sein. Auf fast jeder Insel haben sich Tauchschulen angesiedelt, in denen Anfänger zum ersten Mal mit Sauerstoff-Flasche in die Tiefe gehen können. Alternativ dazu kann man sich Schnorchel, Brille und Flossen für die gemütliche Variante ausleihen.

Mit dem Kajak durch Mangrovenwälder

Eine besondere Stellung dabei hat das Andros Barrier Reef inne. Das drittgrößte Riff der Welt schimmert mehrere Kilometer lang nur wenig unter der Wasseroberfläche. Beim Tauchen lassen sich bunte Fischschwärme, Korallen, artenreiche Schwämme und exotische Meeresbewohner beobachten.

Nicht weniger spektakulär zeigt sich die Natur an Land der Insel Andros. Mit dem Kajak kann man durch riesige Mangrovenwälder paddeln. Dazu gibt es ein Sumpfland mit mehr als 40 unterschiedliche Orchideenarten. Trotz all dieser Pracht ist nicht einmal ein Hauch von Massentourismus – im Gegensatz zu manch anderer Insel – zu spüren. Die Naturfreunde sind hier in kleinen, schnuckligen Örtchen unter sich.

Exuma, Bahamas
Sportsfreund, was willst du mehr? Mit dem Kajak erschließt sich die Schönheit der Inseln vom Meer aus.

Ebenso wie auf Inagua, ganz im Süden der Bahamas. Little Inagua steht sogar unter komplettem Naturschutz und ist unbewohnt. Auf Great Inagua schlägt das Herz der Vogelbeobachter höher. Rund 60.000 Flamingos kommen zur Brutsaison hierher, um ihre Kleinen aufzuziehen. Ein Naturschauspiel in rosarot. Damit ergibt sich eine bemerkenswerte Statistik: Auf einen Einwohner von Great Inagua kommen rund 60 Flamingos.

Das größte Unterwasser-Höhlensystem der Welt

Daneben gibt es noch mehr als 20 weitere Nationalparks auf den Bahamas. Einer davon liegt auf Grand Bahama und ist außergewöhnlich. Der Lucayan National Park bietet seinen Besuchern nämlich eines der größten Unterwasser-Höhlensysteme, das weltweit existiert. Das Netz aus Tunneln und Höhlen soll insgesamt mehr als 10 Kilometer lang sein.

Wer also keine Lust hat, den ganzen Tag am Strand zu liegen, zu faulenzen und sich von gut gelaunten Servicekräften Cocktails servieren zu lassen, der findet auf den Bahamas genug andere Möglichkeiten der Beschäftigung. Wobei Ersteres durchaus ohne Reue und ohne langweilig zu werden über einen längeren Zeitraum praktiziert werden kann. Wenn nicht hier, wo sonst?

Einfach mal verweilen, die Farbenpracht der Natur, der Häuser, des Kunsthandwerks und der Menschen auf sich wirken lassen. Genauso wie die überall präsente Musik, quasi die in Töne gegossene Lebensfreude der Einheimischen – ganz egal ob Calypso, afrikanische Klänge, Reggae oder Goombay, der ganz spezielle Rhythmus, der auf Trommeln mit Ziegenfell-Bezug erzeugt wird.

Bahamas, Conch Shell
Liebling der Taucher und Lieblingsmahlzeit der Insulaner: die Conch Shell.

Auch beim Essen hat Bahamas eine echte Spezialität. Wer keine Lust auf die allerorten anzutreffenden Burger- und typischen Fleischgerichte hat, sollte es einmal mit der Riesen-Flügelschnecke probieren. Aus dem Haus der Conch-Schnecken wird zartes Fleisch herausgebrochen, das es in den verschiedensten Varianten zu genießen gibt. Als Salat mit Tomaten und Chilli oder als Scorch Bonch mit Zitronensaft beträufelt. Definitiv das Lieblingsgericht der Insulaner.

Der Zauber der Riesen-Flügelschnecke

Vielleicht auch deshalb, weil sich dahinter ein weiterer Zauber verbindet. Denn in einem Bruchteil der Meerwasser-Schnecken wachsen äußerst seltene Perlen. Wer eine solche findet, darf sich glücklich schätzen. Die Raritäten werden teuer weiterverkauft. Die Farbe dieser wertvollen Perlen: Rosa. Wie sollte es auf den Bahamas auch anders sein …

Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphotos.com/John Wollwerth
Luftbild Inseln: © Depositphotos.com/Alexander Shalamov
Sonnenuntergang: © Depositphotos.com/Svetlana Day
Hotel Altantis: © Depositphotos.com/Ruth Peterkin
Schwimmende Schweine: © Depositphotos.com/Alexander Shalamov
Eleuthera Strand: © Depositphotos.com/Alexander Shalamov
Tigerhai: © Depositphotos.com/Greg Amptman
Kajak: © Depositphotos.com/Alexander Chaikin
Conch Shell: © Depositphotos.com/Dirk-Jan Mattaar

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