Abseits des Massentourismus: Perus Norden

Peru ohne Machu Picchu? Für viele klingt das undenkbar. Doch so sehr die Ruinenstadt eine Reise Wert sein mag, es gibt genauso gute Gründe eine Perureise anders anzugehen. Wer Menschenmassen rund um Machu Picchu und Titicaca See meiden will, ist im Norden Perus gut aufgehoben.
Die Besucherströme, die jedes Jahr in die Wolkenstadt Machu Picchu strömen, sorgten dafür, dass die Inkastadt fast auf der Liste der gefährdeten UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten landete. Während die Besucher die Ruinen zertrampeln, boomt gleichzeitig die Wirtschaft in den Haupttouristenregionen. Der Rest des Landes bekommt vom Kuchen allerdings wenig ab. Das kann sich ändern, wenn Besucher die ausgetretenen Pfade verlassen und die bisher wenig beachteten Regionen im Norden des Landes erkunden. Sehenswert ist der Norden allemal.

Von der Metropole am Pazifik in den Norden

Lima: Die Metropole Perus und Start unserer Tour.

Lima ist das, was alle Millionenstädte vereint: Sie ist riesig und chaotisch, aber auch voller Kultur und Geschichte. Die Küstenmetropole am Pazifik wurde 1535 von Francisco Pizarro gegründet. In der „Stadt der Könige“ kann man noch heute die Kolonialarchitektur bewundern, vor allem am Plaza del Armas. Ein Spaziergang zum Konvent San Francisco mit seinen Katakomben ist eine gute Möglichkeit, die Stadt kennenzulernen. Das Goldmuseum erzählt von der Bedeutung, die das seltene Edelmetall bereits in den alten Kulturen des Landes hatte. Wer noch ein wenig mehr dem Flair der Hauptstadt nachspüren will, verweilt am besten im Stadtteil Miraflores, um den unzähligen Drachenfliegern zuzuschauen, wie sie ihre Runden über der Küste drehen. Doch es ist Zeit, sich von Lima zu verabschieden. Unsere Reise geht gen Norden, in die Stadt Chicayo.

„Die Perle des Nordens“, so nennen die Peruaner Chiclayo. Als viertgrößte Stadt bietet sie viele Gründe zu kommen: Das quirlige und dennoch entspannte Stadtleben, ein ziemlich kurioser Markt und Relikte einer reichen Kultur in der Umgebung.

So schon es sich durch die hübsche Stadt schlendern lässt, die wahre Sehenswürdigkeit der Stadt ist wenig beschaulich, sondern vor allem kurios: Der Hexenmarkt. Hier werden Zaubertränken, Schutzamulette bis hin zu zweifelhaften Heilzutaten angeboten. Hühnerkrallen, Pülverchen, Kräuter und Tinkturen, hier wird alles verkauft, was man sich nur vorstellen kann und noch mehr. Beim Flanieren kommt man ins Staunen, doch beim Einkauf sollte man vorsichtig sein: Tiere, die auf der Artenschutzliste stehen, egal ob tot oder lebendig, gehören definitiv nicht in den Koffer.
Ciclayo ist ein hübsches Städtchen, doch in erster Linie ist es für Touristen auch Ausgangspunkt für Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. So gehört ein Besuch bei der Mumie des Herrn von Sipan definitiv dazu. Im Grab des Anführers der Mochica-Kultur, die noch viel älter als die Inkakultur ist, wurde der größte Goldschatz entdeckt, der je in Südamerika gefunden wurde. Die Grabstätte kann besichtigt werden, der Schatz ist allerdings im neuen Museum Tumbas Reales de Sipan von Lambayeque ausgestellt. In der Umgebung  sind noch weitere archäologische Schätze, zum Beispiel die mit 4000 Jahren ältesten Wandmalereien, die je in Nord- und Südamerika entdeckt wurden. Ein Ausflug nach Túcume zum Tal der Pyramiden rundet den Aufenthalt in Ciclayo ab. Über 26 Pyramiden kann man hier besichtigen, die im Gegensatz zu den ägyptischen nicht als Grab, sondern als soziale Pyramiden gebaut wurden. Das heißt, die Elite der Bewohner von Lambayeque haben hier gelebt.

Kulturelle Relikte wohin das Auge schaut

Die geheimnisvollen Sarkophage bei Karajía.

Der nächste Punkt auf der Route ist Chachapoyas, das am nordöstlichen Rand der Anden liegt. Zur Kolonialzeit war Chachapoyas eine der wichtigsten Städte des Landes, davon zeugen auch die Prachtbauten im Zentrum. Repräsentative Bauten mit beschaulichen Innenhöfen, Balkone und Ziegeldächer spiegeln den Wohlstand der Bewohner. Doch auch hier liegen die wahren Schätze außerhalb der Stadt: Die sagenumwoben Region birgt einige spektakuläre Sehenswürdigkeiten. So zum Beispiel die geheimnisvollen Sarkophage bei Karajía. Es ist kaum zu erklären, wieso sich die fast schon unheimlich wirkenden Begräbnisstätten noch nicht längst über den Geheimtipp als Touristenziel hinaus etabliert haben, aber umso schöner ist der Besuch ohne Besucherandrang. An einer Felswand, etwa dreihundert Meter unterhalb des Dorfes, befinden sich die figürlich gestalteten Sarkophage. In diesen wurden sehr wahrscheinlich Fürsten der Chachapoya bestattet.

Die Chachapoya wurden als Wolkenmenschen bezeichnet. Sie lebten rund 800 n. Chr. im Nebelwald, bis sie im 15. Jahrhundert von den Inkas ausgelöscht wurden. Die Mumien sitzen in Hockstellung in den aus Lehm und Stroh gefertigten Sarkophagen und blicken gen Osten zum Sonnenaufgang und damit in Richtung Leben nach dem Tod. Eine faszinierende Szenerie.

Die Chachapoya begleiten uns auch beim nächsten Stopp, der mächtigen Festung von Kuélap. Hoch oben auf einem Berg thront die Anlage über der Region. Die UNESCO Weltkulturerbestätte ist eine der wichtigsten archäologischen Stätten im Norden des Landes. Die Bauweise zeugt von der Baufertigkeit des Volkes, das hier zwischen 500 und 1000 n. Chr. wohnte. Um die 400 meist runde Häuser befinden sich hinter bis zu 20m hohen Mauern. Ein Wachturm krönt die Anlage und ist wortwörtlich der Höhepunkt einer mehrstündigen Trekkingtour nach Kuélap. Von über 3.100m bietet sich hier ein grandioser Ausblick über die grünen Täler und den dichten Dschungel des Utcubamba-Tals.

UNESCO Weltkulturerbe Chan Chan.

Eine Stadt, die bei all der Auswahl an hübschen Kolonialstädten nicht fehlen darf ist Trujillo. Sie gilt als schönste Kolonialstadt Perus. Der Stadtkern von Trujillo ist noch immer erhalten und schön restaurierte Privathäuser prägen das Stadtbild. Aber auch in diesem Fall gilt: Die Umgebung sollte nicht vernachlässigt werden. Zwischen Trujillo und dem beliebten Strandbad Huanchaco befindet sich die größte aus Erdziegeln erbaute und zu seiner Zeit größte Stadt des Kontinents. Chan Chan wurde von der Chimu-Bevölkerung erbaut, die hier zwischen 850 und 1534, der Ankunft der Spanier, herrschten. 1986 wurde Chan Chan zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt. Noch heute bekommt man ein Gefühl für die Bedeutung der Stadt des Chimú-Reiches, wenn man auf über sieben Quadratkilometern Wohnhäuser, Werkstätten und Mauern entdeckt.
Der Abschluss unserer Reise durch Nordperu gilt der Entspannung und dem wohligen Nichtstun. Bei Peruanern ist das Fischerdorf Huanchaco, nur einige Kilometer von Chan Chan entfernt, ein sehr ein beliebter Badeort. In der uralten Fischerstadt lässt sich nicht nur hervorragend Fisch essen, sondern auch die Reise am Meer ganz erholsam ausklingen gelassen.

Der passende Ort für den Ausklang unserer Reise nach Nordperu.

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Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto –  Mariusz Prusaczyk
Lima: © Depositphoto –  Pablo Hidalgo
Sarkophage bei Karajía: © Depositphoto –  Jesse Kraft
Statue Chan Chan: © Depositphoto –  Jeremy Richards
Abendstimmung am Meer: © Depositphoto –  Ludmila Ruzickova

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