Nordsee vs. Ostsee ist ja bei manchen eine Glaubensfrage wie iPhone vs. Android , HSV vs. St. Pauli oder – für Mittvierziger wie mich früher in der Schule – Commodore Amiga vs. Atari ST. (alternativ: Marvel vs DC)

Nun ist natürlich die Nordsee besser, Fußball ist mir egal und der Atari war fürs ernsthafte Arbeiten und nicht zum Daddeln! Aber mal ernsthaft, bei der Frage der beiden nordischen Meere haben beide Seiten berechtigte Argumente.

Nordsee: Das Wasser ist ja immer weg!

Dieses Argument gegen die Nordsee habe ich oft gehört, belächelt und als Quatsch abgetan. Nordsee ist für mich (in dieser Reihenfolge!) St. Peter-Ording, Amrum, Sylt und sicher auch noch andere Inseln und Orte im Nordwesten. Dort ist das Wasser zwar weit weg, wenn man den Deich oder die Promenade überschreitet, aber erreichbar. Laufen muss man, aber das gehört für mich zum Nordsee-Programm dazu. Genauso wie die salzige Luft und eine steife Brise; und die Jahreszeit ist auch fast egal – es sei denn, man möchte baden.

Aber in den letzten Jahren haben meine Familie und ich Orte kennengelernt, an denen das Wasser wirklich weg, unerreichbar weit entfernt ist. Weit hinter dem Watt, irgendwo zwischen hier und dem Gegenüber. Dieses Gegenüber kann Dänemark, die andere Seite der Bucht oder ein Offshore-Windpark sein. Dazwischen kommt irgendwann das Meer, aber man kann nicht darin baden. (Wenn man sich nicht einfach ins Watt oder einen Priel werfen und darin suhlen möchte). Ich glaube, das ist für viele der Knackpunkt in der Frage Nordsee oder Ostsee, und er ist nachvollziehbar!

Ostsee: Voller Leute und voller Quallen!

Voller Leute:

Ja, es kann sehr voll werden an den Promenaden der Ostseebäder, zumal die Ostsee von Großstädten wie Hamburg schneller zu erreichen ist als die Ostsee. In Zeiten von Corona-Zutrittsregelungen gab es vielerorts Ampelsysteme, die ab einer gewissen Anzahl Badender den Zugang eingeschränkt haben.

Aber wer schon mal in der Hochsaison auf Sylt war, am besten noch, wenn grad eine Kitesurfing-Meisterschaft stattfindet, ist auch nicht allein! Soviel ist sicher: Im Sommer an der See wird man immer auf Menschen treffen; je mehr Sonne und Ferien desto mehr Menschen.

Voller Quallen:

Nordsee oder Ostsee: Das Thema Quallen - © Farica Yang – unsplash.com

Als Kind hatte ich eine komische Phase, in der ich wirklich panische Angst vor Quallen hatte. Sah ich auch nur eine dieser Wabbelwesen im Wasser der Ostsee, ging ich nicht rein, oder nur mit mühsamer Überzeugungsarbeit. Egal wie schön die Schwedischen Fjorde auch waren, der Ekel-Faktor war zu groß. Auch heute noch mag ich keine Quallen, aber als Erwachsener hat man ja eine gewisse Disziplin und Rationalität entwickelt. Ich gehe dann rein, aber immer noch mit wachsamen Augen auf meine Umgebung. Man kann ja nie wissen!

Aber, was soll ich sagen – es gibt auch Quallen in der Nordsee, und vor einigen Jahren in Dänemark waren es schon mehr, als mein früheres Ich damals toleriert hätte… hier heißt es also, damit leben lernen!

Dennoch schätze ich die anekdotische Evidenz so ein, dass es in der Ostsee deutlich mehr Quallen gibt als in der Nordsee.

Landschaft

Das Drumherum bei Nordsee oder Ostsee ist auch entscheidend für das Wohlbefinden im Urlaub oder bei dem Tagestrip. Besonders, wenn man längere Zeit an einem Ort verbringt, und nicht den ganzen Tag am Strand oder im Watt sein möchte. Und hier muss ich ehrlich zugeben, dass mir landschaftlich die Ostsee besser gefällt. Abwechslungsreiche Landschaften mit Steilküsten in Ostholstein oder Mecklenburg, wogende Felder und schattige Wälder, Fjordlandschaften und viele Seen bieten jedem Auge genug Abwechslung. Hier gibt´s von meiner Seite volle Punktzahl! Gerade mit dem Fahrrad unterwegs (E-Bike bei den eher hügeligen Landschaften sehr zu empfehlen) wird es bei der Fahrt nicht langweilig.

Im Gegensatz dazu haben wir kürzlich bei einem Urlaub auf der Halbinsel Butjadingen (zwischen Bremerhaven und Wilhelmshaven gelegen) eher langweilige Landschaften wahrgenommen. Fürs Auge wenig Abwechslung, und – der Jahreszeit geschuldet – auch wenig Erfreuliches für die Nase, denn es wurde überall gedüngt. Gute Landluft halt! Aber auch das ist eine Sache, die man an beidem der Meere und anderswo erleben kann.

Fazit

Was ist also besser? Ich glaube, objektiv kann man diese Frage nicht beantworten. Was man bevorzugt, hängt einerseits vielleicht von frühkindlicher Prägung ab oder den eigenen Urlaubs-Präferenzen. Will ich mir zu jeder Jahreszeit den Kopf freipusten lassen und nur Weite haben? Dann ab an die Nordsee. Möchte ich lieber mehr Abwechslung und das Wasser direkt vor mir haben? Die Ostsee lädt dazu ein. Wer schlau ist, schaut sich beides mal und lässt auch andere Meinungen zu – was auch für die eingangs genannten Fragen gilt.

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