Ich packe meinen Koffer… oder nicht?

Koffer mit ReiseZutaten und Kamera

Fotografieren und das Filmen von Videos gehören zum Reisen dazu wie Zwiebeln zu Bratkartoffeln – dazu aber mehr unter der Rubrik Genussreise. Aber was für eine Kamera sollte man als Hobbyfotograf mitnehmen, was nicht, und vor allem: Wie viel nehme ich mit auf die Reise?

Welche Fotoausrüstung brauche ich? / Was soll ich mitnehmen?

Grundregel Nr. 1: Mut zum Reduzieren!

Eine riesige Sammlung Fotozubehör
Vielleicht ein bisschen viel… Photo by Jakob Owens on Unsplash

Nichts ist auf Dauer anstrengender, als mit einer Fototasche voller teurer, schwerer Objektive, Stative, Filter und anderem Zubehör durch angenehm heiße 34° C zu stapfen, während um dich herum die Menschen leicht bekleidet Selfies machen oder mit dem Smartphone – zack – den perfekten Schnappschuss einfangen, während man selber gerade noch das 300er-Teleobjektiv drauf hat, aber die Tauben vor dem Brunnen 2 Meter von einem entfernt hochflattern.

Das heißt nicht:

Dass man nur mit dem Smartphone bewaffnet unterwegs sein soll – auch wenn man mit immer mehr Smartphones wirklich hochwertige Ergebnisse erzielen kann! Ich selber fotografiere seit einigen Jahren fast ausschließlich mit dem iPhone. Aber vielleicht möchte man ja gerade im Urlaub etwas „Digital Detox“ betreiben und eben nicht alle 5 Minuten das Handy zücken, um WhatsApp, Instagram und Snapchat zu checken und zu füttern. Diese Apps liegen schließlich nur wenige Icons von der Kamera-Funktion des Telefons entfernt und die Versuchung / Gewohnheit / Sucht ist groß…

Eine sinnvolle, durchdachte Kameraaustattung kann also durchaus die Reise bereichern – zumal sie z.B. auf einer Afrika-Reise „alternativlos“ ist, wenn man die „Big Five“ und andere Tiere optisch einfangen möchte.

Also, was braucht man denn nun?

Kurz gesagt – Es kommt drauf an!

Wenn man nicht hauptsächlich weit entfernte Objekte oder Tiere nah heranholen möchte, empfiehlt sich ein kompaktes Reisezoom-Objektiv *, das möglichst klein und handlich, aber von optisch guter Qualität sein sollte. Sinnvoll ist auch, eine etwas höhere Lichtstärke (Anfangsöffnung) in petto zu haben, um auch abends noch schwaches Licht einfangen zu können, ohne die ISO-Einstellung zu schnell hochdrehen zu müssen. Stabilisatoren sind bei solchen Objektiven auch oft eingabaut – und können teilweise sogar den möglicherweise in der Kamera verbauten Stabilisator unterstützen („Dual-IS“)

Für Kameras mit APS-C-Sensor * (Nikon, Canon, Fuji und Sony) sind das oft Objektive im Weitwinkel-Bereich von 16-18mm und im Telebereich von ca. 70mm. Dort gibt es – auch von Fremdherstellern wie Sigma, Tamron und anderen – gute Objektive mit einem Lichtstärke-Bereich von F2.8 – F4.0.

Umgerechnet auf Vollformat *-Kameras entspricht das einem Bildwinkel, der dem von Objektiven mit 24-28mm Weitwinkel bzw. 100-112mm Tele entspricht.

Damit ist man locker für 80% aller potentiellen Aufnahmen gerüstet.

Wenn man eine APS-C-Kamera verwendet, ist diese in der Regel auch kleiner als eine Vollformat-Spiegelreflex- oder Systemkamera. Stichwort spiegellose Systemkameras: Wenn man noch kleiner gehen kann als das APS-C-Format, kann man noch mehr Gewicht und Größe sparen, muss aber im Grenzbereich (hohe ISO-Werte) eventuell leichte Nachteile gegenüber größeren Sensorgrößen hinnehmen. Kann aber am Tage und wiederum in 80% der Situationen seine Schulter entlasten und auch im Telebereich punkten, denn dort macht sich der sogenannte Crop-Faktor oder Format-Faktor bezahlt. Denn wenn man bei Kleinbild-Sensorgrößen schon am liebsten ein 400mm-Teleobjektiv verwenden müsste, reicht an der MicroFourThirds-Kamera * entsprechend ein 200mm-Objektiv! (weitere Infos zum Thema spiegellose Systemkameras im Beitrag „Spiegellos – Aber nicht planlos“)

Oder man reduziert sich noch weiter und nimmt auf einer Städtetour nur ein lichtstarkes Weitwinkel-Objektiv und ggf. eine Normalbrennweite mit! Ich selber hatte auch schon mal die Kombination DSLR mit leichtem Festbrennweiten-Tele und dazu mein Smartphone als 29mm-Weitwinkel. Geht auch!

Welches Zubehör brauche ich unterwegs?

Wieder gilt: Je weniger, desto besser! Brauche ich wirklich ein Stativ, oder reicht wahrscheinlich für meine Reise der eingebaute Stabilisator in der Kamera oder ein glatter Untergrund? Und wenn ich das Stativ nicht mitnehme, kann ich wahrscheinlich auch den 1000fach-ND-Filter zu Hause lassen!

Taschen * sind umso besser, je unauffälliger sie sind.

Brauche ich auch unbedingt das 15- oder 17-Zoll-Notebook samt externer Festplatte zum Sichten, Bearbeiten oder Posten der Fotos, oder reicht das Tablet? Oder sogar nur eine größere Menge an Speicherkarten? Natürlich ist es wichtig, seine unwiderbringlichen Erinnerungen sicher aufzubewahren – dazu wird es in Kürze noch einen eigenen Beitrag geben.

Was sollte man noch beachten?

  • Es ist sehr hilfreich, die eigene Kamera gut zu kennen, bevor man sich auf eine längere Reise damit begibt. Das Handbuch dazu sollte man nicht unterschätzen! Einen Tipp, den ich in einigen Foto-Podcasts gehört habe: Jeden Tag eine Funktion aus dem Kamerahandbuch durchlesen und an der Kamera austesten! Wenn man sich mit der eigenen Kamera dann gut auskennt, ist man in plötzlichen Situationen im Urlaub nicht überfordert, und weiß auch, wieviel Strom die Kamera pro Tag verbraucht und wieviele Akkus ich mitnehmen muss.
  • Wo wir gerade bei dem Thema Akkus * sind – weiß ich, wie ich die Akkus am Urlaubsort laden kann – Stichwort Stromstecker *?
  • Habe ich genügend Speicherkarten (oder Filme, wenn ich analog fotografiere) mit?
  • Gibt es in „heikleren“ Reiseländern Dinge, Orte oder Menschen, die ich lieber nicht fotografieren sollte? Gute Vorbereitung hilft, solche Fallen zu vermeiden!

„Emotional Baggage“ zuhause lassen!

Reiseutensilien, eine Kamera und ein Smartphone
Je weniger desto besser… Photo by Thomas Martinsen on Unsplash

Urlaub und Reisen sollte ja dazu dienen, neue Kraft für den Alltag zu sammeln. Wenn man dabei permanent an die Arbeit, an gerade nicht zu ändernde Sorgen oder andere Dinge denkt, kommt die Erholung sicherlich zu kurz. Schafft man es, bewusst diese Schubladen eine zeitlang „abzuschließen“, und sich stattdessen auf die Gegend, den Moment und ein paar Motive zu konzentrieren, wird der Erholungseffekt mit Sicherheit größer!

Und wie ist es für meine(n) Partner*In / Familie, wenn ich permament dabei bin, Objektive und Filter zu wechseln, auf Felsen zu klettern oder den Sonnenauf- und Untergang abzupassen? Wenn sich da zwei oder mehrere gefunden haben, die das gerne machen – super! Wenn nicht: Auch hier lohnt es sich dann, weniger dabei zu haben, und stattdessen die gemeinsame Zeit und den anderen Ort zu genießen. Man braucht dann auch selber nicht an die Ausrüstung denken und auf sie aufpassen!

Ganz abgesehen davon, dass es die Kreativität sehr fördern kann, sich bewusst in den Möglichkeiten zu reduzieren! Wenn man nur ein Weitwinkel dabei hat, muss man ganz einfach öfter näher ran gehen – das erinnert mich an die Aussage von Robert Capa, einem US-amerikanischen Fotojournalist und Kriegsreporter: „If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough“„Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran!“

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Titelbild: Photo by Anete Lūsiņa on Unsplash

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