Wanderreisen: Meditativ marschieren mit Hirschtalg im Gepäck

Wanderreisen

Was sind Wanderreisen?

Bevor wir uns der Frage widmen, was Wanderreisen sind, sollten wir erst einmal die Frage klären: Wie definiert sich denn das Wandern überhaupt? Und vor allem: Wie unterscheidet es sich vom normalen Fortbewegen zu Fuß von A nach B bzw. dem Spazierengehen?

Wie gut, dass es den Deutschen Wanderverband gibt, der 2010 einfach mal eine glasklare Definition rausgehauen hat:

„Wandern ist Gehen in der Landschaft. Dabei handelt es sich um eine Freizeitaktivität mit unterschiedlich starker körperlicher Anforderung, die sowohl das mentale wie physische Wohlbefinden fördert. Charakteristisch für eine Wanderung sind:

  • eine Dauer von mehr als einer Stunde,
  • eine entsprechende Planung,
  • Nutzung spezifischer Infrastruktur sowie
  • eine angepasste Ausrüstung.“

Gut, dann wissen wir diesbezüglich schon mal Bescheid. Wer weniger als 60 Minuten unterwegs ist oder Flip-Flops trägt, der kann schon mal kein Wanderer sein.

Unsere Vorfahren würden eh den Kopf schütteln, wenn Begriffe wie „mentales und physisches Wohlbefinden“ in Verbindung mit Wandern gebracht werden. Für sie war das Marschieren einzig Mittel zum Zweck – sei es bei militärischen Märschen, auf der Flucht, auf der Walz oder als mühsame Art, lange Strecken zurückzulegen.

Heute dagegen laufen Millionen von Menschen zur puren Freude und Erholung in wetterfester Outdoor-Kleidung durch die Weltgeschichte. Wanderreisen stellen dabei einen wichtigen Faktor im Tourismus dar.

Unsere Definition lautet: Wer allein oder in der Gruppe, als Individualurlauber oder bei einer geführten Tour, das Wandern als Hauptzweck seiner Reise sieht und diesem den Großteil des Tages widmet, der ist für uns ein Wanderreisender.

Die Vorteile von Wanderreisen

Über die positiven Folgen des Wanderns gibt es jede Menge Studien. Hier nur ein paar der wichtigsten Vorzüge aus medizinischer Sicht. Wandern …

  • ist gut für das Herz-Kreislauf- und Immunsystem
  • verbessert die Stimmung, ist quasi ein natürliches Antidepressivum
  • macht schlank (zumindest wenn das Verhältnis von gewanderten Stunden und Belohnungs-Bier samt Schweinsbraten nicht 1:5 beträgt)
  • lenkt den Geist ab und senkt damit den Stresspegel
  • am Meer oder in den Bergen ist gut für Allergiker.

Und vor allem: Wandern ist einfach. Einfach nur Rucksack packen, Schuhe schnüren und los geht’s. Wer eine Wanderreise machen will, der braucht kein Fahrrad, kein Auto, keinen Zug, kein Flugzeug. Der braucht auch keine Skier, Surfbretter, Golfschläger oder Segelboote.

Der braucht einfach nur sich selbst und die Lust auf Natur. Raus aus dem Haus und los geht’s. Einen Stock in der Hand, ein fröhliches Lied trällern und fertig ist des Wanderers Glück.

Je nach Anspruch an die Übernachtungsmöglichkeiten und Abenteuerlust kann Wandern auch super günstig sein.

Zusammengefasst: Körper und Psyche jubilieren, der Geldbeutel freut sich, einfach und flexibel ist das Vergnügen auch noch. Gibt es eigentlich etwas Besseres als Wanderreisen?

Die Nachteile von Wanderreisen

Hast du schon einmal auf einer Allgäuer Berghütte gemeinsam mit 17 trinkfreudigen Baden-Württembergern in einem Schlafsaal gelegen und wolltest jeden einzelnen wegen seiner exzessiven Schnarcherei erwürgen? Noch Fragen?

Wer auf seinen Reisen Fernwanderungen unternimmt, der wird fast zwangsläufig mit Gemeinschaftsunterkünften in Verbindung kommen. Und das ein oder andere Mal feststellen, dass die gemeinsam Begeisterung für die Outdoor-Aktivität nicht zwingend in Begeisterung für die anderen Wanderer mündet. Menschlich eben.

Wer stattdessen beschließt, lieber zu biwakieren, wird mit dem größten Nachteil von Wanderreisen konfrontiert: dem Wetter. Es ist weder lustig, eine ganze Nacht in strömendem Regen im Freien zu liegen noch einen ganzen Tag bei Nebel, Kälte, starkem Wind oder heftigen Schauern zu marschieren. Spätestens am dritten Tag schwindet der Stolz auf die großartige Ausrüstung und man wünscht sich einfach nur noch Sonne.

Für wen ist das was?

Wanderreisen sind ideal für alle, die

  • Meditation am liebsten laufend erleben
  • gar nicht genug von der Natur bekommen können
  • endlich wissen wollen, ob ihre Outdoor-Klamotten wirklich so gut sind, wie der Verkäufer behauptet hat
  • als Pfadfinder schon glücklich waren
  • zuhause öfter das Gefühl haben, dass ihnen die Decke auf den Kopf fällt
  • gerne gut definierte Beinmuskeln und knackige Hintern vorzeigen
  • ihre Füße gerne mit Hirschtalgcreme pflegen
  • gerne mal die Welt von etwas weiter oben sehen

Für wen ist das eher nichts?

Wanderreisen sind keine gute Wahl für:

  • Rucksack-Allergiker
  • Bürohengste
  • Übers-Wetter-Jammerer
  • Sylter Schampus-Freunde
  • High-Heels-Trägerinnen
  • alle, die immer noch glauben, dass Wandern uncool sei, obwohl es inzwischen ein mega Trend ist
  • Menschen, die beim Betrachten von Gipfelfotos schon Muskelkater bekommen
  • Frischluftverweigerer

Wer schreibt Interessantes zu dem Thema?

Wanderblogs gibt es gefühlt so viele wie Steine im Gebirge. Einer gefällt uns besonders gut. Katharina wandert als „Fräulein Draußen“ durch die Welt und lässt die Leser mit spannenden Erzählungen und großartigen Fotos an ihren Abenteuern teilhaben. Zum Beispiel an den 1500 Kilometern durch Großbritannien, die sie im Sommer 2016 zurückgelegt hat.

Hier alle Artikel zur Tour: http://fraeulein-draussen.de/lejog-2016/

Und hier das Video: http://fraeulein-draussen.de/zu-fuss-durch-grossbritannien-video/

 

Foto: Unsplash.com

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