Hidden Gems und alternative Sehenswürdigkeiten in Rom

Rom. Eine geschichtsträchtige Metropole, die genau weiß, Historie mit dem charmanten Flair des italienischen Dolce Vita zu vereinen. Ganz nebenbei begibt man sich auf eine architektonische Reise durch die Zeit. In der Ewigen Stadt versetzen monumentale Bauwerke aller Epochen ins Staunen, von Kaiserzeit bis Postmoderne. Kein Wunder also, dass die Touristen spätestens im Frühjahr in Scharen in die italienische Hauptstadt einfallen. Wer einen Bogen um die mit Selfie Sticks gewappneten Massen machen möchte, für den bietet Rom ebenfalls allerhand zu entdecken.
„When in Rome, do as the Romans do“, lautet eine Redewendung, die erstmalig im Mittellatein erwähnt wurde. Gemeint ist, den Bräuchen und Gepflogenheiten der Einheimischen zu folgen, wenn man in die Fremde reist. Nicht nur für die italienische Hauptstadt, auch für jeden anderen Ort auf der Erde ist dieser Grundsatz empfehlenswert, für Rom jedoch besonders zutreffend. Mit diesen Tipps erlebt Ihr Rom wie die Einheimischen.

Markttreiben auf dem Campo de‘ Fiori Rom

Montagmittag um kurz nach eins auf dem Campo de’ Fiori. Die Sonne steht hoch am azurblauen Himmel und treibt die Touristen unter die schattenspendenden Schirme der Marktstände. Auch wenn der Campo zu einer der Hauptattraktionen Roms zählt, ist ein Abstecher zu dem einstigen Blumenmarkt ein Muss – und wenn es nur wegen der wohl besten Pizza al taglio, einem Stück Pizza auf die Hand, Roms ist. Denn es gibt kaum eine Pizzeria in Rom, in der die Pizza besser schmeckt als hier. Zudem kostet das Stück lediglich um die zwei Euro. Vor dem forno, der Bäckerei an der Ecke zur Via dei Cappellari, hat sich bereits eine Schlange gebildet, deren Ende sich stets am gleichen Punkt befindet, da sich im gleichen Tempo Menschen anstellen, wie Menschen im Ladeninneren verschwinden. Heraus kommen zufriedene Römer, die sich Pizza und Panino schmecken lassen. Krönender Abschluss ihrer Mittagspause ist der Espresso, den Italiener meist al banco, am Tresen und in einem Zug, hinunterstürzen. Noch schnell den neusten Klatsch und Tratsch verbreiten oder einen Blick in die Tageszeitung La Repubblica durchblättern, dann geht es wieder zurück an die Arbeit.

Hinterhofromatik pur!

Wen es zum Campo de’ Fiori verschlägt, darf es keinesfalls verpassen die malerische Via del Pellegrino entlang zu schlendern. Ganz gemächlich, denn wer zu schnell geht, verpasst höchst wahrscheinlich den etwas schäbig wirkenden Eingang des zauberhaften Innenhofs Arco degli Acetari. Pflanzen in Terrakottatöpfen reihen sich entlang der von der Zeit gezeichneten Fassaden, eine Katze hält ihren Mittagsschlaf auf dem sonnengewärmten Kopfsteinpflaster. In dieser friedlichen Ecke ist die Hektik des unweit entfernten Markttreibens ganz schnell vergessen.

Der Stadtstrand der Römer

Die Sommer in Rom sind voll und heiß. Die Römer zieht es an den Wochenenden an den Lido di Ostia. Auch wir wollen der vor Hitze glühenden Stadt für einen Tag entfliehen. Mit der gepackten Strandtasche geht es mit dem Zug in etwa 40 Minuten in den Vorort Ostia. Von hier fährt ein Bus die einzelnen Strandabschnitte, die cancelli, ab. Sehr schön ist zum Beispiel cancelli 7. Sonnenschirme und Liegestühle können gemietet werden und die Strandbars laden zum Sundowner ein, bevor man die Reise zurück in die große Stadt antritt.

Eine ausgedehnte Siesta in einem der zahlreichen Parks bietet sich für diejenigen an, die sich an heißen Sommertagen zwar nach etwas Schatten sehnen, denen die Fahrt ans Meer jedoch zu mühsam ist.

Magnat, auch für viele Römer, ist die Villa Borghese. In der weitläufigen Parkanlage laden die Bänke zu einem Picknick und zu einer der schönsten Beschäftigungen auf Reisen, Leute beobachten, ein. Am Steg des kleinen Sees, dem Laghetto di Villa Borghese, können Boote gemietet werden.

Laghetto di Villa Borghese in Rom

Alte Meister und Streetart – Kunst in Rom

Nach ein paar Runden im Ruderboot, vorbei am Asklepiostempel, verspürt man vielleicht die Lust auf weltberühmte Kunstschätze. Ein Highlight während eines Besuchs in Rom ist die Galleria Borghese. Das Museum beherbergt zahlreiche Werke von Bronzino Caravaggio, Leonardo da Vinci, Raffael, Rubens und Tizian und zählt zu den berühmtesten und wertvollsten privaten Kunstsammlungen der Welt. Auch die meisterhaften Skulpturen von Bernini sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Besucherzahlen sind limitiert, so dass die Räumlichkeiten in der einstigen Sommerresidenz des borghesischen Fürstengeschlechts nicht zu überfüllt sind. Einziges Manko: Das Museum ist nichts für Kurzentschlossene. Die Tickets müssen im Vorfeld online erworben werden.
Kunst lässt sich in Rom auch außerhalb der Museen erleben. Strahlend bunt leuchten die Fassaden der Häuser in der Via Tor Marancia. Die Straße ist Teil des Social Housing Projekts „Big City Life“. Im Februar 2015 haben sich 20 Künstler verschiedener Länder mit ihrer Streetart auf den Fassaden von Sozialwohnungen verewigt. So ist die einstige Problemsiedlung ganz nebenbei zur alternativen Sehenswürdigkeit avanciert.

Das authentische Rom in Garbatella, Pigneto und San Lorenzo

Ein kurzer Spaziergang von der Via Tor Marancia führt uns mitten hinein in das Viertel Garbatella. Zwischen der Via Ostiense und der geschäftigen Via Cristoforo Colombo liegt ein Fleckchen Rom, so grün und ruhig, wie man es niemals in der Metropole erwartet hätte. Wer durch die fast verkehrsfreien, engen Gassen spaziert, hat zwar das typische Postkarten-Rom hinter sich gelassen, dafür erwartet ihn rustikal, ländlicher Charme inmitten von Gärten und Brunnen. Auf der Piazza Sapeto wechseln sich die Pavillonhäuser des Architekten Trotta mit niedrigen, von Grün umgebenen, Häusern ab. Von der Fußgängerzone Via delle Sette Chiese mit ihren einfachen Bars geht es bergab zum Palladium, einem antiken römischen Theater.

Zieht es die meisten Touristen zum Trevi-Brunnen, der Piazza Navona oder das Kolosseum, sind die echten Römer in Pigneto und San Lorenzo unterwegs.

Während Pigneto bekannt als Künstlerviertel ist, hat die Nähe zur Universität San Lorenzo zum Studentenviertel werden lassen. Hinter dem Hauptbahnhof „Termini“ zwischen Bahngleisen und Friedhof gelegen, kann das Viertel nicht mit den pittoresken Vorzeigevierteln Trastevere oder Monti mithalten. Dafür trifft man in dem jungen und trendigen Viertel fast ausschließlich auf Einheimische.
Neben San Lorenzo ist das Viertel Pigneto ein echter Geheimtipp. Das ist besonders seiner Lage geschuldet. Pigneto liegt außerhalb des Zentrums, sodass es auf vielen Stadtplänen schlichtweg nicht vorkommt und sich die wenigsten Touristen hierhin verirren. Es hat den Anschein, als seien die Studenten aus San Lorenzo nach ihrem Abschluss in Pigneto sesshaft geworden. Das einstige Arbeiterviertel ist mittlerweile ein Mekka für Intelektuelle, Journalisten und Künstler. Geht es am Tag eher gemütlich und lässig zu, erwacht das Viertel spätestens am Abend zum Leben, wenn die Fußgängerzone Via del Pigneto voller Menschen ist, die bis zum Morgengrauen draußen sitzen und an ihren Cocktails nippen.

Geschichte und Torta im Jüdischen Viertel

Ein wunderschöner Ort: Piazza Mattei

Unser Streifzug durch Rom führt uns ins jüdische Viertel. Zwischen dem Ufer des Tibers, der Kirche Santa Maria del Pianto und den Überresten des Portico d’Ottavia wurde von Papst Paul IV. im Jahr 1555 das Ghetto errichtet, in dem Juden angesiedelt wurden. Neben der ältesten Synagoge der Welt, ist im jüdischen Viertel auf der Piazza Mattei auch der berühmte Schildkrötenbrunnen nach dem Entwurf von Giacomo della Porta zu finden. Wem es nach etwas Süßem gelüstet, macht Halt in der Forno Boccione und genießt ein Stück der üppigen aber köstlichen Torta di ricotta e visciole.

Einer der schönsten Aussichten auf Rom

Der Kapitolsplatz, ein Meisterwerk!

Vom Jüdischen Viertel führt uns der Weg nun doch zu einem der klassischen Sehenswürdigkeiten Roms. Denn nur wenige Schritte entfernt liegt der Kapitolsplatz. Kein geringerer als Michelangelo hat die Piazza del Campidoglio im 16. Jahrhundert in päpstlichem Auftrag gestaltet.
Während sich auf dem sternförmigem Pflaster um das bronzene Reiterstandbild von Marc Aurel die Touristen drängen, biegen wir bei der ersten Möglichkeit nach rechts ab. Durch den Torbogen gehen wir die leichte Anhöhe hinauf und rechterhand durch den kleinen, gekiesten Park. An der Mauer angekommen, erwartet uns eine phänomenale Aussicht über die Dächer Roms – noch dazu umsonst.
Ein Blick in die entgegengesetzte Richtung ist ebenfalls lohnenswert. Zu unseren Füßen offenbaren sich die eindrucksvollen Ruinen des Forum Romanum. Einst das strahlende Herz eines Imperiums, hat man es für die Errichtung des Peterdoms auf Anordnung der Päpste Stein für Stein abgetragen.

Essen und Ausgehen in Rom

Wer Rom abseits der Touristenmassen erleben möchte, sollte einen Bogen um den Vatikan machen. Zu nahezu jeder Tageszeit scharen sich Menschen um den Petersplatz. Wer zumindest einen kurzen Blick auf das monumentale Bauwerk werfen möchte, nutzt die Gelegenheit, um im Restaurant La Veranda zu speisen. Das Restaurant mit dem ruhigen Innenhof und den herrlichen Wand- und Deckenfresken liegt unmittelbar am Vatikan und gilt bislang als Insider-Tipp.

Der Tiber ist in Rom ein ständiger Begleiter

Nach getaner Arbeit steuert der Römer gerne die Bar seines Vertrauens an. Denn vor dem Abendessen ist Aperitivo-Zeit. Zu Aperol & Co werden in Italien traditionell Snacks gereicht. Von Chips und Erdnüssen reichen diese bis hin zu einem reichhaltigen Buffet. Empfehlenswert ist zum Beispiel ein Glas Spumante im Daforma in der Via dei Cappellari nahe des Campo de’ Fiori. Manch einer wird von der exklusiven und stylischen Einrichtung abgeschreckt sein. Hinein gehen lohnt dennoch, denn die Gäste erwartet eine Mischung aus Café, Bar und Kunstgalerie, die zudem einen Concept Store und einen entzückenden Blumenladen beherbergt. Ab 18 Uhr kredenzt das Team, das immer zu ein paar Scherzen aufgelegt ist, ein sensationelles Buffet zum Aperitif. Nach dem Glas Schaumwein und dem Teller voller Leckereien mögen viele bereits satt sein, wer nun erst richtig auf den Geschmack gekommen ist, überquert den Tiber und spaziert durch die verwinkelten Gassen von Trastevere zu Al Marmi, einer der besten Pizzerien Roms.

Die Nächte in Rom sind lang und ausschweifend. Wer früh schlafen geht, verpasst eine der spannendsten Seiten der Stadt.

Die richtige Zeit also, sich ins römische Nachtleben zu stürzen. Etwa gleich um die Ecke unserer Pizzeria Al Marmi auf der Piazza San Calisto. Bis spät in die Nacht treffen sich hippe Römer hier zum Cornern, das heißt man trifft sich auf einem Platz oder an einer Straßenecke zum lustigen Beisammensein und Trinken von mitgebrachtem Bier oder Wein.

Ein unvergessliches Erlebnis: Das Freiluftkino.

In den warmen Monaten lockt der römische Kultursommer Italiener über die Stadtgrenzen hinaus nach in die Stadt. Zwischen Juni und September wird auch der Lungotevere, das Tiberufer einbezogen. Zelte, Buden und Bars laden zum Trinken, Essen und Mitbringsel kaufen ein. Ein besonderes Event ist ein Besuch des Freiluftkinos auf der Tiberinsel. In einer lauen Sommernacht bei Popcorn Fellini Filme unterm Sternenhimmel schauen. Ein unvergessliches Erlebnis, das bleibt, genauso ewig wie die betörend schöne Stadt.

Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto –  Sergey Borisov
Restliche Fotos im Text: Sarah Waltinger

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