Mehr als Brandenburger Tor – Berlins alternative Sehenswürdigkeiten

Berlin ist riesig. Wer zum ersten Mal kommt, der konzentriert sich auf die Hauptsehenswürdigkeiten: Brandenburger Tor, East-Side-Gallery, Checkpoint Charlie. Wer dann vielleicht noch ein wenig shoppen will, hat schon ein mehr als gut gefülltes Programm. Und wer öfter nach Berlin kommt, der findet die Zeit ein anderes Berlin zu entdecken. Das ist das Schöne an der Hauptstadt: Egal, wie oft man da ist, Berlin bietet immer etwas Neues. Wir haben uns auf die Suche nach alternativen Tipps und Sehenswürdigkeiten für Berlin gemacht und ganz besondere Ecken der Stadt entdeckt.

Entlang der Mauer: Radtour am ehemaligen Todesstreifen

28 Jahre lang teilte die Mauer auf 160 km Westberlin von der DDR und war ganz bestimmt keine Sehenswürdigkeit! In Berlin gibt es mehr Orte als die East-Side-Gallery, an denen die Geschichte der geteilten Stadt deutlich wird. Eine Radtour entlang der Mauer ist wie eine kleine Zeitreise. Dabei müssen nicht die 160 km zurückgelegt werden, keinen Sorge. Auf rund 15 km geht es mit dem Rad entlang der Bornholmer Straße zu ehemaligen Grenzübergängen, zum Mauerpark und der Gedenkstätte Bernauer Straße, dem einzigen heute noch intakten Mauerabschnitt.

Bezeichnend für die Zeit: „Hilf mir diese tödliche Liebe zu überleben“

Auf dem Weg erzählen Guides Geschichten von Fluchtversuchen, getrennten Familien und dem Alltag in der DDR. Diese Mauertour ist mehr als ein Motiv für ein Selfie wie die East-Side-Gallery, sie macht das Schicksal der Betroffenen erfahrbar und das wirkt.
Fahrradtouren entlang des Mauerwegs gibt es von unterschiedlichen Anbietern wie zum Beispiel Berlin on Bike. Sie dauert rund 3,5 Stunden und kostet 24 Euro.

Weitere Infos zu den Radtouren:

https://berlinonbike.de/radtouren/berliner-mauer/

 

Stille Örtchen haben viel zu sagen: Toilettentour durch Berlin

Um die 365 öffentliche WC’s gibt es in Berlin, darunter noch das ein oder andere „Café Achteck“. Dort bekommt man allerdings weder Espresso noch Cappuccino, es ist die scherzhafte Bezeichnung für die historischen grünen Toilettenhäuschen in Berlin. Die Stadtführung „Tour de Toilette“ bringt die Teilnehmer an Orte, die man eigentlich gerne meidet, zumindest im öffentlichen Raum.

Versüfft, teuer oder schlichtweg nicht vorhanden: Die Toiletten der Stadt haben so ihre Probleme. Wieso sollte man freiwillig die stillen Örtchen aufsuchen?

Die Antwort lautet Anna Haase. Sie ist die Stadtführerin bei dieser speziellen Tour. In der DDR wurde sie zur Toilettenfrau ernannt und hat somit einiges an Insiderwissen.

Toilettenhäuschen am Gendarmenmarkt – im weltoffenen Grün

Zu jedem Stopp hat sie ein paar Anekdoten in petto. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund und hat genug zum Tabuthema zu erzählen. Am Tourende geht es in die Charlottenburger Kneipe „Das Klo“. Dort gibt es die Crème de la Crème der Toiletten zu bewundern und zu testen: Eine japanische High-Tech-Variante mit Wasch-, Trocken-, und Massagefunktion.

Alle Infos zur Toilettentour gibt es bei Anna Haase.
http://www.annahaase.de/aktuelle-fuehrungen.html

 

Dong Xuan Center – Vietnam mitten in Berlin

In Berlin-Lichtenberg gibt es einen Ort, der sich so gar nicht nach Deutschland anfühlt. Auf 90.000 Quadratmetern reihen sich vietnamesische Läden mit Kleidung, Elektronik und natürlich vietnamesischen Essen aneinander. Auf mehrere Hallen aufgeteilt begibt man sich auf eine Reise durch Asien, denn neben Vietnamesen arbeiten auch Inder, Pakistanis und Chinesen im 2005 errichteten Dong Xuan Center, insgesamt sind es rund 1000 Menschen. Das Center ist dabei mehr als nur eine Shopping-Mall, sie ist Anlaufstelle für Vietnamesen in allen Lebenslagen. Hier trifft man Freunde zum Essen, kauft ein oder trifft den Steuerberater und das alles in der Landessprache.

Es ist eine kleine Parallelwelt von der viele Besucher aber auch Bewohner von Berlin gar nichts wissen.

Minh Nguyen Huu, der 1988 in Hanoi geboren wurde, bietet Führungen durch das Dong Xuan Cnter an und erzählt aus dem Leben der Vietnamesen und über die Pläne des Centers. Ein ganzes sogenanntes Asia Town soll hier entstehen, mit Gästehäusern, Kunst- und Kulturzentrum und vielem mehr. Ob dies Realität wird, wird sich zeigen.
Wer an der Tour teilnimmt, der erlebt Berlin von ein ganz anderen Seite. Was nicht fehlen darf?Die Pho-Suppe und ein vietnamesischer Kaffee danach.

Alle Infos bei Dong Xuan Touren: http://dong-xuan-touren.de

 

Flughafen Tempelhof – Zwischen Lost Place und Naherholungsgebiet

Keine Flugzeuge, stattdessen Papierdrachen. Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof ist heute kein Flugverkehr mehr. Stattdessen befindet sich auf dem Flugfeld die größte Grünfläche Berlins. Ein riesige Spielwiese für Besucher und Anwohner, auf der gegrillt, geskatet, gegärtnert und gejoggt wird. Das Flughafengebäude ist das größte Baudenkmal Europas und steht heute größtenteils leer. Die Geschichte einer der ersten Flughäfen Deutschland ist wechselvoll: Die Architektur der Nationalsozialisten ist in Beton gegossene Ideologie. Im Zweiten Weltkrieg mussten Zwangsarbeiter bei der Rüstungsproduktion helfen, 1948/49 wurde Tempelhof als Luftbrücke zum Mythos und Symbol der Freiheit. Die Nutzung durch die Alliierten, Tor zum Westen und schließlich die Schließung im Jahr 2008 – all das macht den Mythos Tempelhof aus.

Die Flugzeuge der Alliierten zu Zeit der Berliner Luftbrücke nannte man Rosinenbomber

Bei Führungen kann man sich von der Faszination, die vom Gebäude ausgeht selbst überzeugen. Monumentale Hallen, 300.00 Quadratmeter, Anekdoten und so manche Rätsel gibt es bei den Erkundungen im Inneren zu entdecken und hören.
Führungen gibt es bei THF zu verschiedenen Themen. „Mythos Tempelhof“ führt rund durch die Gebäude, die Führung „Verborgene Orte“ widmet sich dem mysteriösen Untergrund des Flughafens.

Alle Infos gibt es hier: https://www.thf-berlin.de/fuehrungen/mythos-tempelhof/

 

Alternatives Berlin in Kreuzberg und Friedrichshain

Berlin ist hip. Junge Leute kommen für wenige Tage oder gar einige Jahre ins coole Berlin und cool, das steht für Kreuzberg, Neukölln oder Friedrichshain. Clubs, Bars, Cafés und mit Graffiti besprühte Straßen – das ist das Bild, das die Viertel prägt. Eine Führung durch die Szenebezirke führt gleichzeitig durch die Geschichte der Bezirke. Punks, Gentrifizierung und Kreativität sind die Schlagwort. Stephanie von Berlin Secret Tours bietet eine Tour mit der Großraumlimousine an, die vom bürgerlichen Bergmannkiez zum berüchtigten Kotti, zum Kreativzentrum Holzmarkt, hoch auf den Kreuzberg und aufs Clubgelände RAW führt. Dazwischen gibt es noch viele weitere Stopps und viele Geschichten zu hörem, die Stephanie auf Lager hat.

Gehört zum Stadtbild: Reichlich verzierte Menschen

Kleine Stärkungen gibt es auf der Tour im Café ORA, einer ehemaligen Apotheke und der Markthalle IX, dem Inbegriff der Berliner Streetfood-Szene. Der Besuch dieser alternativen Sehenswürdigkeiten zeigt Berlin zwischen Alltag und Hype. Nirgendwo sonst wird der stetige Wandel in Berlin deutlicher als zwischen Kreuzberg und Friedrichshain. Früher geteilt, heute ein gemeinsamer Bezirk, dazwischen die Spree und eine riesige Baustelle rund um die Mercedes-Benz-Arena. Jeden Tag gibt es neues zu entdecken, selbst für Guide Stephanie, die fast täglich diese Tour anbietet. Denn Berlin ist heute nie wie morgen.

Die Tour kostet 44 Euro und dauert einen halben Tag. Fahrt mit der Limousine und Softdrinks + ein Getränk im Café ORA sind inklusive.

Weitere Infos hier: http://www.secret-tours.berlin/die-touren/mini/Kreuzberg.63b30.php

 

Bildnachweis:

  • Titelbild: © unsplash – Ferdinand Stöhr
  • Teilstück Berliner Mauer: © unsplash – Mar Cerdeira
  • Toilettenhaus: © Depositphoto – Sergey Kohl
  • Tempelhof: © unsplash – Pim Menkveld
  • Tätowierte Hände: © unsplash – Alex Hocket

 

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