Südafrika: Tierische Begegnungen mit den Big Five im Regenbogenland

Südafrika

Wie viele Menschen wohl in diesem Jahr die Tragikkomödie „Der geilste Tag“ gesehen und danach beschlossen haben, unbedingt einmal nach Südafrika zu fliegen? Das deutsche Roadmovie mit zwei Männern, die nicht mehr lange zu leben haben, zeigt großartige Bilder dieses unfassbar vielfältigen Landes.

Die Regenbogennation lebt in engster Verbundenheit zur Natur. Das lässt sich im Kino geradezu spüren. Die überbordende Schönheit und Weite des Landes mit ihrer üppigen Vegetation weckt spontanes Fernweh nach diesem paradiesischen Reiseziel.

In Südafrika gibt es alles im Überfluss, nicht nur bezaubernde Landschaften. Zum Beispiel 3000 Kilometer Küste am Atlantik und indischen Ozean, gleich elf offizielle Landessprachen und alle Klimazonen: nahezu tropisches Sommerklima auf den Hochplateaus, kontinentales Klima im Inneren, mediterranes Klima im Süden und im Westen geht die Landschaft unweit der Küste in Wüste über.

Südafrika, Kapstadt
Kapstadt mit seinem Tafelberg ist das touristische Aushängeschild Südafrikas schlechthin.

Krass sind auch rund 20 Jahre nach Ende der Apartheid weiterhin die Unterschiede zwischen Schwarzen und Weißen beim Einkommen und Besitz. Entwicklungsland und moderner Industriestaat in einem mit unglaublichem Wohlstandsgefälle. So krass im Vergleich zu unseren Verhältnissen, dass viele Touristen sich erst einmal daran gewöhnen müssen.

Reiche Weiße, arme Schwarze – das gewohnte Bild

Hier die knapp 10 Prozent Weißen, Nachfahren der europäischen Siedler aus Holland, Frankreich und Deutschland, die in ihren teuren Häusern in bewachten und eingezäunten Siedlungen wohnen. Dort die Schwarzen, von denen viele immer noch in bitterer Armut in den Townships am Rande der Städte leben. Ausgegrenzt, wirtschaftlich abgehängt, was direkten Einfluss auf die Kriminalitätsrate hat.

Aber immerhin bildet sich ganz langsam auch eine schwarze Mittelschicht aus.

Die zarten Pflänzchen der Versöhnung wachsen behutsam, wenn auch lange nicht in der Geschwindigkeit, wie sich viele das nach dem Ende der Rassentrennung erhofft hatten.

Für ausländische Besucher ist es unabdingbar, diese Besonderheit Südafrikas immer im Hinterkopf zu behalten, um nicht selbst in das schwarz-weiß-Denken zu verfallen. Angst vor Kriminalität muss niemand haben, der nicht gerade abends allein die Großstädte erkunden will. Mit den Schauergeschichten zum Thema Gewalt, die in den großen Medien immer noch gerne präsentiert werden, hat die Realität aus der Sicht eines umsichtigen Touristen, der sich an einige Grundregeln hält, nichts zu tun.

Schließlich besucht ein Städtetourist im Rest der Welt in der Regel auch nicht hässliche Vororte, in denen es wegen sozialer Spannungen ständig brodelt, sondern sucht sich die Perlen im Zentrum aus. Abgesehen davon liegen die Qualitäten Südafrikas definitiv nicht in den Städten, sondern in den Perlen der Natur.

Kapstadt – wo Afrika ganz fern zu sein scheint

Mit Ausnahme von Kapstadt: Hier beginnt oder endet für die meisten Urlauber ihre Südafrika-Reise. Fast eine Million Einwohner leben am Fuße des Tafelbergs mit Blick auf das Meer. Eine Kulisse, wie man sie schöner nicht malen könnte.

In der unglaublich lebhaften, pulsierenden Stadt können sich die Touristen gefahrlos frei bewegen und kommen auch aus ästhetischer Sicht voll auf ihre Kosten –  im Gegensatz zu Johannesburg oder Pretoria. Charmante Restaurants, Designerläden, eine wunderschöne Uferpromenade sowie kleine und große Shops laden zum Schlendern und Verweilen ein.

Im Vergleich zu den anderen großen Städten des Landes ist Kapstadt so attraktiv (und sicher), dass es gar nicht zu Südafrika zu gehören scheint. Wunderbar dachten sich 30.000 Deutsche, die dorthin gezogen sind. Weitere 100.000 haben dort ihren Zweitwohnsitz. Deshalb ist Deutsch im Kapstadter Alltag allgegenwärtig.

Zwischen der Bergkette "Twelve Apostles" und dem Atlantik liegt Camps Bay - der Stadtstrand mit weißem Sand.
Zwischen den „Twelve Apostles“ und dem Atlantik liegt Camps Bay – der Stadtstrand mit weißem Sand.

Wer zur beliebtesten Bucht Kapstadts geht oder fährt, fühlt sich dagegen eher an Südfrankreich erinnert: Zwischen der rund 500 Meter hohen Bergkette „Twelve Apostles“ und dem Atlantik liegt Camps Bay, auch genannt die Cote’d Azur Südafrikas, mit weißem Sandstrand im Stadtgebiet. Mit einem kleinen Unterschied. Denn das Atlantikwasser ist saukalt und hat selten mehr als 16 Grad. Wer sich hier in die Fluten stürzt, kommt mit Sicherheit aus West- oder Nordeuropa und ist von Urlauben an Ost- und Nordsee gestählt.

Pflicht bei jeder Reise ist natürlich, sich die besondere Stadt von oben anzuschauen. Auf den weltberühmten Tafelberg, der das Bild Kapstadts so maßgeblich prägt, kommt man zu Fuß oder mit der Seilbahn.

Obligatorisches Foto am Kap der Guten Hoffnung

Als gute Alternative dient der Lion’s Head, für den ein wenig Kondition und Geschick nötig ist. Wer die Plattform erklommen hat, wird mit großartigen Ausblicken belohnt: Auf der einen Seite gibt es den Tafelberg und die Stadt zu sehen, auf der anderen Seite das Meer. Ein idealer Platz für einen romantischen Sonnenuntergang. Allerdings dann die Taschenlampe für den Abstieg nicht vergessen.

Wer zu Besuch in Kapstadt ist, lässt sich den Ausflug ans nahe gelegene Kap der Guten Hoffnung nicht entgehen. Der südwestlichste Punkt Afrikas ist sagenumwoben. Hier, wo sich Atlantik und Indischer Ozean treffen, sind früher am sturmumtosten Kap unzählige Schiffe gesunken. Nach einer Fahrt über die Kap-Halbinsel gilt es den letzten Teil der Strecke zu Fuß zurückzulegen, um das obligatorische Erinnerungsfoto zu schießen.

Große Weine aus Stellenbosch

Für echte Genießer gibt es nahe Kapstadt schon den nächsten Halt. Stellenbosch heißt die junge und trendige Studentenstadt, zugleich Hauptort des wohl berühmtesten südafrikanischen Weinbaugebiets mit Blick auf den Tafelberg.

Südafrika, Wineland, Stellenbosch
Die Winelands bei Stellenbosch: Große Gewächse am Kap.

Am Kap werden schon seit über 350 Jahren sonnenverwöhnte Weine angebaut. Jeder Weinkenner auf der Welt weiß um die dortigen Schätze. Für viele angehende deutsche Winzer ist das Hospitieren in Südafrika inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden. Neben den heimischen Sorten Pinotage oder Steen werden vor allem Shiraz, Chardonnay, Sauvignon, Merlot und Pinot Noir angebaut.

Weinsafaris führen einen zu Verkostungen auf den zahlreichen Weingütern. Auch mit dem eigenen Auto ist die Erkundungstour möglich, allerdings muss sich der Fahrer dann im Verzicht üben.

Südafrika, Swartland
Zebras gibt es auch im Westen des Landes zu sehen, wie hier im Swartland.

Wer möchte, kann im benachbarten Swartland schon einmal die ersten Zebras seiner Tour anschauen. Oder die Fahrt geht gen Süden auf die bezaubernde Garden Route – neben Kapstadt DER Touristenmagnet Südafrikas. Der Landstrich führt immer am Indischen Ozean entlang von Mossel Bay bis Port Elizabeth. Auf der einen Seite die Küste mit mal kilometerlangen Sandstränden, mal hohen Klippen, auf der anderen Seite Wälder und bis zu 1500 Meter hohe Berge.

Unterwegs auf der traumhaften Garden Route

Dazwischen immer wieder kleinere und größere Naturparks mit wilden Tieren, wie zum Beispiel der Garden Route Nationalpark. Jetzt heißt es zum ersten Mal: Augen auf – wo sind die Big Five? In Südafrika gibt es unzählige wilde und wunderschöne Tierarten zu bewundern. Doch bei den meisten Touristen zählt nur eines:  Die Big Five, also die größten Landsäugetiere Löwe, Leopard, Elefant, Nashorn und Büffel während ihrer Reise gesehen zu haben.

Beim Game Drive, also einer Safari durch den Busch, folgt eine so unmittelbare Annäherung an die beeindruckenden Tiere in freier Wildbahn, dass der Mund vor Staunen erst einmal offen stehen bleibt. Hier gibt es keinen Zaun wie im Zoo. Hier fährt der Urlauber mit dem eigenen Auto oder dem seines Safari-Guides über Straßen und Feldwege und sieht plötzlich in der Nähe Giraffen queren. Oder Elefanten. Oder Büffel.

Die Majestäten der Tierwelt laufen allerdings nicht wie bestellt vor die Linse. Ein wenig – oder auch mal viel – Geduld gehören zu dem Spektakel dazu.

Die besten Chancen auf beeindruckende Begegnungen bestehen in den frühen Morgenstunden und in der Abenddämmerung. In der Mittagshitze liegen die Tiere faul im schattigen Gestrüpp oder unter dem Baum, also gibt es nicht viel zu sehen. Ruhepause für Vierbeiner und ihre Beobachter.

Südafrika, Garden Route
Großartige Ausblicke gibt es an der Garden Route am Indischen Ozean, wie hier an der Mossel Bay.

Wer auf der Garden Route nicht nur schauen, sondern sich auch bewegen will, hat hier beste Outdoorsport-Möglichkeiten, wie zum Beispiel Wandern, Radfahren, Golfen, Baden, Angeln und Kanufahren.

Drakensberge – höchstes Gebirge im Süden Afrikas

Nicht zu vergessen Surfen, wobei es dafür einen noch besseren Ort in Südafrika gibt, wenn man die Küste weiter gen Osten fährt. Durban ist das absolute Mekka der Wellenreiter. Ein Surfparadies mit Stadtblick, in dessen Umgebung es auch Seglern und Kitesurfern gefällt.

Und natürlich den Wanderern und Bergfreunden. In der Nähe von Durban liegt die mächtige Gebirgsformation Drakensberge – mit Bergen bis knapp 3500 Metern Höhe das höchste Gebirge im Süden Afrikas.

Südafrika, Drakensberge
Drakenberge: Wandern, Klettern und Staunen in gigantischer Natur, wie hier im Monk’s Cowl Park.

Einziger Wermutstropfen: Ähnlich wie auf dem Tafelberg in Kapstadt ist es in den Drakensbergen oft bewölkt. Trotzdem lohnt sich eine Tour, wie zum Beispiel zur Klippenwand Amphitheatre und von dort weiter zu den Tugela Falls – den zweithöchsten Wasserfällen der Welt. In mehreren Stufen stürzt das Wasser sagenhafte 948 Meter in die Tiefe.

Krüger Nationalpark – das tierische Aushängeschild

Nun wird es Zeit, sich endlich dem sagenhaften Krüger Nationalpark im äußersten Nordosten Südafrikas zu widmen. 10 Stunden Autofahrt oder drei Stunden Flug sind es von Durban bis hierher. Eine Zeit, die sich jeder Urlauber unbedingt nehmen sollte.

Unter den vielen National- und Provinzparks mit ihren strengen Vorschriften und Gesetzen zum Schutz der Natur ist der Krüger, wie er meist abgekürzt genannt wird, das Aushängeschild schlechthin. 350 Kilometer von Nord nach Süd, 50 Kilometer breit. Niemand darf hier leben, außer Hunderttausenden wilder Tiere.

Manch Besucher mag sich vorkommen, wie kurz vor dem Ablegen der Arche Noah, als jede Tierart mit aufs Boot durfte.

Neben den erwähnten Big Five tummeln sich hier Flusspferde, Meerkatzen, Hyänen, Giraffen, Paviane, Antilopen, und, und, und …

Südafrika, Krüger Nationalpark
Du fährst mit deinem Auto – und schwupp kreuzen Büffel deinen Weg. Realität im Krüger Nationalpark.

Wohl dem, der eine gute Kamera, ein starkes Zoomobjektiv und eine ruhige Hand hat. Die unmittelbare Nähe der Wildtiere sorgt doch für den ein oder anderen Adrenalinschauer. Wer Glück hat, sieht zum Beispiel Leoparden, die ihre Beute auf Bäume hochtragen, damit sie ihnen nicht von den stärkeren Löwen abgenommen werden kann.

Grundsätzlich gilt: Alle Tiere, die gejagt werden, sieht man recht häufig, die größeren Jäger dagegen eher selten. Die beste Chance gibt es beim organisierten Morning-Drive mit Führer. Voraussetzung dafür ist, dass man die Nacht in einem der über 20 Camps verbringt und bereit ist, richtig früh aufzustehen. Für alle anderen öffnet der Park erst am Vormittag und schließt abends wieder.

Südafrika: Zwei Jahreszeiten, zwei Gesichter

Der Krüger hat je nach Jahreszeit zwei völlig unterschiedliche Gesichter. In der Trockenzeit, also von April bis Oktober, zeigt er sich als vertrocknete Steppe. Sobald mit dem beginnenden Sommer in Südafrika die Regenfälle kommen (meist kurze, starke Schauer) wandelt er sich in eine komplett grüne Landschaft um.

Beides hat seinen besonderen Reiz, was für das ganze Land gilt. Somit gibt es nicht die ideale Reisezeit. Im südafrikanischen Winter ist es tagsüber auch warm, dagegen nachts ziemlich kalt. Ab November wird es auch nachts deutlich wärmer, tagsüber steigen die Temperaturen auf 30 bis 35 Grad und höher.

Wenn im Dezember und Januar in Südafrika Ferien sind und zugleich viele Winterflüchtlinge aus Nord- und Westeuropa eintreffen, wird es an den touristischen Hotspots ziemlich voll.

Südafrika, Krüger Nationalpark
Wie lautet noch gleich die Steigerung von wunderschön? Sonnenaufgang im Krüger Nationalpark.

Was können Urlauber sonst noch alles in Südafrika erleben? Sie werden Schwarze sehen, die auf offener Straße tanzen. Einer dreht die Musik auf und fängt an, alle machen mit. Bei uns unvorstellbar, dort völlig normal und so wohltuend lebensfroh.

Wer sich keinen Wagen mieten will oder einfach mal auf ein Abenteuer aus ist, kann sich in einen der völlig überfüllten Minibusse setzen und sich überraschen lassen, wie die meisten von ihnen trotz exzentrischen Fahrstils der Wagenlenker heil ankommen.

Moderne Infrastruktur und leckeres Braai

In den klassischen Touristenregionen finden die Reisenden eine top moderne Infrastruktur vor – teils mit besseren Straßen als hierzulande. Wer ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade unterwegs ist, darf auch gerne mal mit halben Meter tiefen Schlaglöchern rechnen.

Kulinarisch kommen vor allem Fleischesser voll auf ihre Kosten. Gegrillt wird immer und überall. Braai heißt die südafrikanische Variante des Barbecue, die sich niemand entgehen lassen sollte. Dazu gibt’s an jeder Ecke Pap, den obligatorischen Maisbrei. Kein kulinarischer Höhenflug, aber macht satt.

Ja, geilste Tage kann man in Südafrika ziemlich viele erleben. Also raus aus dem Kinosessel und rein ins Regenbogenland. Völlig egal, ob mit oder ohne Big Five.

Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphotos.com/Anna Omelchenko
Luftbild Kapstadt: © Depositphotos.com/ Hongqi Zhang
Camps Bay Kapstadt: © Depositphotos.com/ Matej Hudovernik
Winelands Stellenbosch: © Depositphotos.com/ Kostiantyn Zloschastiev
Zebras Swartland: © Depositphotos.com/ Werner Lehmann
Garden Route/Mossel Bay: © Depositphotos.com/ Nolte Lourens
Drakenberge: © Depositphotos.com/ Kostiantyn Zloschastiev
Büffel: © Depositphotos.com/ Iuliia Sokolovska
Sonnenaufgang Krüger Nationalpark: © Depositphotos.com/ Felix Lipov

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