Motor Trails: Abenteuerreisen auf zwei Rädern in fernen Ländern

Motor Trails

Lidwien Kuiphuis liebt Reisen, Abenteuer und Motorradfahren. Also dachte sie sich: Warum nicht gleich alle drei Sachen unter einen Hut bringen? Als Geschäftsführerin von Motor Trails Deutschland – das Mutterunternehmen in Holland gibt es schon seit 2000 – organisiert die 46-Jährige abenteuerliche und einzigartige Motorradtouren in in Lateinamerika, Afrika und Asien.

Rund 40 Reisen pro Jahr sind im Angebot. Betreut werden die kleinen Gruppen von 5 Reiseleitern, die regelmäßig unterwegs sind. Die Mutter eines siebenjährigen Sohnes fährt selbst zweimal im Jahr als Reiseleiterin mit und macht einmal pro Jahr eine Scouting-Tour. Aktuell plant sie zum Beispiel eine gemeinsame Reise mit Dylan Wickrama, der mit seinem Motorrad Bruce 3,5 Jahre auf Weltreise war.

Welche Erlebnisse sind dir selbst auf Motorradreisen am wichtigsten?

Lidwien: Das wichtigste ist für mich: Das Motorrad ist nur Mittel zum Zweck. Wir fahren schon viel. Aber viel wichtiger ist, abseits der Hauptstraßen Land und Leute kennenzulernen. Bei unseren Touren gibt es sehr viele authentische Begegnungen.

Lidwien Kuiphuis
Motorradreisen machen gute Laune: Lidwien Kuiphuis, Inhaberin von Motor Trails Deutschland.

Das heißt, du bist selbst kein Motorradfreak?

Lidwien: Nein, ich bin kein Freak. Ich habe seit 27 Jahren meinen Führerschein und fahre schon so lange Motorrad. Aber ich kann zum Beispiel außer kleinen Dingen nicht schrauben – dafür gut organisieren. Somit finde ich immer jemanden, der etwas reparieren kann.

Ihr seid in kleinen Gruppen unterwegs. Was sollten Teilnehmer eurer Touren mitbringen, damit die Gruppe gut funktioniert und auch sonst alles klappt? Geht es da mehr um die Erfahrung beim Motorradfahren oder eher um den Teamgeist? 

Lidiwien: Ganz klar Flexibilität. Manchmal kann es einfach sein, dass eine Straße nicht mehr in dem Zustand ist wie beim letzten Mal, zum Beispiel schlechter ist als erwartet. Dann fragen wir die Teilnehmer: Sollen wir mal etwas Neues ausprobieren? Und freuen uns, wenn wir uns ein bisschen als Pioniere betätigen zu können. Oder auch, wenn mal ein Unfall passieren sollte, ist es notwendig, flexibel zu sein.

Wie viel Abenteuergeist müssen eure Teilnehmer also mitbringen, damit es ihnen gut gefällt?

Lidwien: Einen ganz normalen Abenteuergeist. Flexibilität ist wichtiger. Und natürlich ein bisschen Erfahrung mit dem Motorrad. Nicht, dass sie sich gestern den Führerschein abgeholt haben und morgen im verrückten Verkehr von Hanoi herumfahren wollen.

Motor Trails Kenia Tansania
In der Gruppe durch ferne Länder, wie hier bei einer Tour von Kenia nach Tansania.

Und wie wichtig ist Offroad-Erfahrung?

Lidwien: Wenn jemand gar keine Offroad-Efahrung hat, empfehle ich ein zweitägiges Training. Die werden an einigen Stellen in Deutschland angeboten. Da können die Teilnehmer auch schauen, ob ihnen das Offroaden überhaupt gefällt. Wenn ihnen das nämlich nicht gefällt, sollten sie sich gar nicht anmelden. Schließlich sind das keine Billigreisen, die Teilnehmer sollten also schon Spaß dabei haben. Nur für die kurze Reise in Nordvietnam, hauptsächlich auf Teerstraßen, braucht man keine Offroad-Erfahrung.

Unterscheiden sich Motorradreisegruppen von der Gruppendynamik her von anderen „normalen“ Reisegruppen, die mit dem Bus herumgefahren werden und die Sehenswürdigkeiten abklappern? Ticken die Motorradfahrer anders?

Lidwien: Ich habe früher für verschiedene Veranstalter in Holland auch normale Reisen begleitet. Die Gruppen von Motor Trails sind im Vergleich dazu viel relaxter, flexibler und haben einfach mehr Spaß. Sie sind tagsüber selbst aktiv unterwegs und können in der Zeit nicht miteinander reden. Im Bus sitzt man nebeneinander und ärgert sich schneller über den anderen. Außerdem fährt jeder mit dem Motorrad sein eigenes Tempo. Am Ende des Tages kommen wir irgendwo an, essen zusammen, trinken ein Bierchen und haben viel Spaß.

Welche Fähigkeiten muss denn ein Reiseleiter mitbringen, damit so eine Motorradtour mit einer Gruppe, die 14 Tage unterwegs ist, gelingt?

Lidwien: Man muss natürlich auch flexibel sein. Man muss gut organisieren können und das Fahrkönnen und den Charakter der Teilnehmer einschätzen können. Denn es gibt Kunden, die wollen gerne schnell fahren, haben aber im Gelände gar nicht die Fähigkeiten dazu. Die muss man dann ein wenig bremsen. Ich höre oft, dass ich unkompliziert bin. Ich denke, das ist eine große Stärke von mir. Und ich kann mit allen Leuten – selbst wenn die ein bisschen verrückt sind. Ich mag Menschen, die Dinge anders machen.

Motor Trails Guatemala
Flexibilität gehört zu Motorradreisen, also auch mal kurz zugunsten des schönen Fotos ohne Helm zu fahren.

Was ist für dich das interessanteste Reiseland, in dem du bisher eine Motorradreise gemacht hast?

Lidwien: Meine schönste Reise war die erste Reise, die ich für Motor Trails geleitet habe. Sie ging durch Tansania und war beeindruckend mit viel Offroad. Außerdem war es eine tolle Gruppe, zu der ich noch immer Kontakt habe. Einmal im Jahr treffen wir uns. Ansonsten mag ich alle Länder und Touren sehr gern, egal ob Nicaragua oder Vietnam. Ich mag einfach die Abwechslung und will immer wieder etwas Neues ausprobieren.

Welches Land verlangt von den Teilnehmern am meisten ab, also vom fahrerischen Können oder auch vom Klima? Bzw. was würdest du dem größten Abenteurer empfehlen?

Lidwien: Oh, gute Frage. Also da gibt es die Seidenstraße, da fahren wir von Deutschland bis Japan mit dem eigenen Motorrad. Die Tour ist eine echte Herausforderung. Aber auch Kambodscha und Patagonien sind echte Abenteuer, jedes auf seine Art. Eigentlich sind bei allen unseren Reisen Abenteuer inklusive.

Gibt es einen Menschenschlag, der dich unterwegs besonders beeindruckt hat?

Lidwien: Auch hier bevorzuge ich kein Land. Was ich an Nordvietnam schön finde: Die Bergvölker sprechen gar kein Englisch, aber sind immer neugierig und offen. Auch in Nicaragua gibt es sehr viele hilfsbereite Menschen. Uns ist einmal die Kette kaputt gegangen und wir hatten nicht das passende Werkzeug dabei. Dann sind wir auf den nächsten Hof gekommen und alle haben uns sofort geholfen. Die hatten zufällig sogar noch eine Ersatzkette, die sie uns gegeben haben und haben unser Benzin nachgefüllt. Als wir bezahlen wollten, haben sie das abgelehnt, obwohl sie selbst nicht viel haben. Das ist unglaublich.

Neugierige Kinder – auf Motorradtouren andere Kulturen kennenlernen
Andere Kulturen auf authentischem Weg kennenzulernen, ist ein erklärtes Ziel der Motorradtouren.

Wie ist es, wenn du von den Abenteuerreisen zurück kommst – vermisst du hier etwas oder sind es zwei getrennte Welten, die beide wichtig sind?

Lidwien: Das sind zwei getrennte Welten. Wenn ich nach Hause komme, freue ich mich auf meine Familie, die Tiere und ein Büro voll mit Arbeit. Aber wenn ich länger unterwegs bin, dann ist es schwierig. Früher bin ich sehr viel gereist und da fiel mir das Eingewöhnen nach der Rückkehr immer schwer.

Zum Abschluss würde ich noch gerne wissen: Wo geht deine nächste Reise hin?

Lidwien: Ich fliege mit meinem Sohn nach Sri Lanka und werde da Scouting für eine Tour machen. Sonst muss man mal kucken, was sich ergibt. Manchmal wird ein Reiseleiter krank, für den ich einspringen muss. Und hoffentlich wieder im Dezember nach Nicaragua. Ich liebe es, im Winter wegzufahren.

Bildnachweis:
Titelbild: Unsplash.com
restliche Fotos: Motor Trail Deutschland

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