Das Festival Sa Sartiglia auf Sardinien

Im Galopp bahnt sich der Reiter seinen Weg durch die Straße, vorbei an der Kathedrale von Oristano. In aufwendiger Kostümierung versucht er mit der Lanze einen silbernen Stern aufzuspießen. Gelingt es ihm, ist die Ernte gesichert, so die Legende. Jahr für Jahr an Karneval, am letzten Sonntag vor Beginn der Fastenzeit, verwandelt sich die sonst verschlafene Provinzhauptstadt in ein buntes Spektakel. Oristano, im Westen Sardiniens gelegen, ist vor allem für das Festival Sa Sartiglia bekannt – und das über die Insel hinaus. Dabei hat das theatralische Fest nichts zu tun mit dem Brauch des Karnevals. Das dreitägige Erlebnis, ist eine Tradition aus dem Mittelalter, die auch heute weiter lebt und tief in der sardischen Kultur verwurzelt ist.

Die Fahnenschwenker beim Festival Sa Sartiglia

Ein Relikt des Mittelalters
Das Reiterspiel zählt zu den größten und prächtigsten ganz Italiens und verbindet eine 500 Jahre alte Geschichte. Während des 15. und 16. Jahrhunderts florierten große Darbietungen, die der Bevölkerung zur Unterhaltung dienen sollten. Zum Ursprung der Sartiglia gibt es zahlreiche Auffassungen. Erstmals soll das Fest, rund um das Geschicklichkeitsturnier hoch zu Ross, zu Ehren von Kaiser Karl V. ausgetragen worden sein. Beginn soll demnach im mittelalterliche Europa der Kreuzzüge liegen, die Wiege der Reiter- und Militärturniere. Andere behaupten das Fest habe ein viel ältere Tradition und sei ein vorchristliches, sardisches Fest. Während wieder andere die Meinung vertreten, Sa Sartiglia sei ein spanischer Import des Festes La Sortilla, das jährlich auf der Insel Menorca stattfindet. Was letzten Endes  immer der Fall gewesen sein mag, fest steht, dass zu Zeiten der spanischen Herrschaft über das ganze Jahr verteilt opulente Feste für die Rittermächte von Oristano veranstaltet wurden. Diese nahmen allmählich einen schauspielerischen Charakter an und verschmolzen schließlich mit den Karnevalsfestivitäten. Zahlreiche Besucher nehmen die Sartiglia jedes Jahr zum Anlass, nach Oristano zu reisen, um auf den blumengeschmückten Straßen, inmitten der Menschenmasse dem Trupp Reiter zuzujubeln.

Die maskierten Reiter der Parade

Die offizielle Eröffnung der Festtage beginnt mit einer Messe. Im Anschluss reitet der weiß maskierte Su Componidori, der als Anführer des Festes nach seinen Reitkünsten ausgewählt wird, in vollem Galopp durch die Straßen. Während er zurück gelehnt auf dem Rücken des Pferdes liegt, segnet er die Menschen in Oristano mit einem veilchenverzierten Stab. Er muss seinem Pferd fast blind vertrauen, da er nur eine Hand zum Steuern frei hat und durch seine liegende Haltung nicht nach vorne sehen kann. Zur Kostümierung gehört ein Brautschleier und ein Zylinder. Die Maske ist bewusst androgyn und ohne Mimik. Sie lässt demnach nur erahnen, ob der Träger männlich oder weiblich ist. Die Ehre des Componidori wird meist einem Mann zu Teil. Eine der Ausnahmen war jedoch zum Beispiel Valentina Uda, im Jahr 2013.

Anmutige Choreographien auf den Rücken der Pferde

Höhepunkt des Festes ist die Pariglie, bei der drei Reiter, wohlgemerkt im Galopp, eine Pyramide und andere Figuren auf dem Rücken der Pferde bilden. Die vielschichtigen Rüschenkleider, die sie dabei tragen, hindern sie nicht daran akrobatische Höchstleistungen zu vollbringen. Beim anschließenden Turnier reiten die Männer mit erhobener Lanze. Ziel ist es einen silbernen Stern, der drei Meter über dem Boden hängt, aufzuspießen. Jeder Angriff wird mit einer Fanfare von Trommeln und Trompeten angekündigt, gefolgt von einem Stöhnen der Enttäuschung oder wirbelndem Jubel, je nachdem ob der Stern verfehlt oder getroffen wurde. Der Sage nach bedeuten viele Treffer eine reiche Ernte. Die Abende werden mit Musik und Tanz auf den Piazzi der Stadt ausgeklungen.

Die Statue der Eleonora d’Arborea

Auch Touristen werden bei den Festlichkeiten gerne gesehen und es ist ein einfaches sich auch als Nicht-Sarde von dem lebendigen Spektakel mitreißen zu lassen. Als Zuschauer toastet man den Reitern zu. Im Idealfall ist das Glas gefüllt mit Vernaccia di Oristano. Der seltene Wein wird seit dem 15. Jahrhundert v. Chr. auf Sardinien hergestellt. Den besten Blick auf die Ereignisse hat man von der Tribüne. Die Ticketpreise liegen bei 10 bis 30 Euro.

Wer zur Karnevalszeit die Festlichkeiten verpasst hat, für den ist am 15. August die Möglichkeit geboten das einmalige Event nachzuholen.

Denn alljährlich findet dann im, von Oristano 10 Kilometer entfernten, Torregrande ein ähnliches Spektakel statt. Auch hier liefern sich Ritter ein Turnier hoch zu Ross. Highlight am Abend sind Musik- und Folkloreauftritte.

Prachtvolle Kulisse in Oristano

Sardinien, eine Insel voller Feste und Bräuche
Sardinien ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert und lockt neben wilder Ursprünglichkeit und atemberaubend vielseitiger Landschaft, aufgrund der besonderen Gastfreundschaft der Bewohner auf die Mittelmeerinsel. „A domu est minore su coru est mannu“ – „Das Haus ist klein, das Herz ist groß“, sagt ein sehr altes sardisches Sprichwort.
Neben dem einmaligen Erlebnis der Sa Sartiglia, finden über das Jahr verteilt viele weitere traditionelle Feste statt. Der isolierten Lage Sardiniens ist es zu verdanken, dass die Insel viele Brauchtümer bewahrt hat und diese noch heute lebt. Im Mittelpunkt der Festivitäten steht stets gutes Essen.

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Bildnachweis:
Titelbild: © Depositphoto – Massimiliano Cugudda
Fahnenhalter: © Depositphoto – Massimiliano Cugudda
Reiter: © Depositphoto – Massimiliano Cugudda
Statue: © Depositphoto – Massimiliano Cugudda
Oristano: © Depositphoto – Milos Kubus

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