November-Tristesse im „Lockdown“ vermeiden

Nun ist es also wieder soweit! „Dank“ COVID-19 und den exponentiell steigenden Infektionszahlen wird das öffentliche Leben in Deutschland im November 2020 in vielen Bereichen wieder heruntergefahren. Und obwohl hierzulande bisher keine wirklichen Ausgangssperren im eigentlichen Sinne drohten, wie es in den Nachbarländern durchaus der Fall war, so kann man sich doch irgendwie „eingesperrt“ fühlen. So kommt es also, dass sich auch bei uns der Begriff „Lockdown“ durchsetzt. Aktuell noch durch den Zusatz „Light“ ergänzt.

Was fehlt?

Es fehlt wegen Schließung die Möglichkeit, in Konzerte, Restaurants, Bars, Museen, Tierparks und andere Freizeit-Einrichtungen zu gehen.

verbarrikadierter Laden im Lockdown

Photo by Jason Mowry on Unsplash

Oder man verzichtet freiwillig der Gesundheit wegen lieber auf lange Aufenthalte in großen Einkaufszentren.

Es fehlt auch langes Tageslicht, die Sonne macht sich eher rar, und nasskaltes Wetter macht es uns nicht einfach, lange draußen an der frischen Luft zu sein. Was also tun, um gegen Herbstblues, Tristesse und trübe Gedanken anzukämpfen?

Was geht?

Nun, auch wenn uns persönlich dieser „Lockdown“ schwerfallen mag, geht doch noch so einiges, was man tun kann. Erstmal hilft es vielleicht, sich bewusst zu machen, dass in Frankreich z.B. viel härtere Maßnahmen gelten – alle Geschäfte zu ausser Supermärkte, wer sich weiter als 1 km von Zuhause entfernt, braucht einen Passierschein, Schulen offen, aber Kinder hinbringen nur mit Unterlagen der Beschulung – und dass wir hier somit auf hohem Niveau meckern.

„Davon geht’s mir auch nicht besser!“ – Geschenkt. Aber manchen hilft es, die eigene Perspektive etwas geradezurücken.

Viel wichtiger: Aktiv bleiben oder werden, auch im Lockdown, im Homeoffice oder bei Kurzarbeit. Oder wenn man unvermindert weiterarbeiten muss, weil man in einem Bereich tätig ist, der sich vor Arbeit kaum retten kann. Umgekehrt kann das für die letztgenannte Gruppe auch heißen: Auszeiten nehmen, Kraft sammeln, um das weiter durchzuhalten!

Fotoprojekte im Lockdown

Wie ich im Frühjahr schon schrieb, bieten sich viele Möglichkeiten, auch überwiegend drinnen interessante Fotoprojekte anzugehen: Dinge im Haushalt, Kinder, Tiere, Porträts, Licht, Video, Analoger Film, Bildersortierung usw. – aber lest selbst!

Ergänzen möchte ich diese Tipps noch durch mehr Ideen für Draußen. Denn seien wir mal ehrlich, draußen an frischer Luft mit wenigen Leuten in der Nähe ist es doch Corona-technisch ziemlich sicher, oder? Bewegung draußen ist grundsätzlich jedem zu empfehlen, auch und vor allem Kindern schadet es nicht, mindestens einmal am Tag für eine Stunde draußen aktiv zu sein – meine Meinung.

Herbststimmung

Wie wäre es mit einem Fotothema „Herbst in meiner Straße / Stadt“? Das herunterfallende Laub bietet Potenzial für schöne Fotos, egal bei welchem Wetter. Bei dem knappen, aber tief stehendem Sonnenlicht leuchten die Blätter kräftig gelb und rot, und wenn der Wind oder eine Begleitung aus dem eigenen Haushalt mithilft, können tolle Fotos von herumwirbelnden Blättern entstehen. Sind die Blätter schon alle unten gelandet? Dann können auch die kahlen Bäume in Schwarzweiss bei entsprechendem Licht interessant aussehen. Pilze sprießen überall und sehen mal appetitlich, mal nicht aus – aber bieten in jedem Fall tolle Motive.

Fliegenpilze im Herbstlaub

© Jörg Schmidtmann

Ist das Wetter trüb und nass, wirkt das Licht schön weich und es gibt keine schwierigen Kontraste zu bewältigen. Nasses Laub vor einer trüben Landschaft hat etwas schaurig-schönes, auf das manche ja tatsächlich stehen.

Corona, Lockdown usw.

Mir erscheint diese Corona-Zeit wie so ein „once in a lifetime“-Ereignis, und ohne die Auswirkungen irgendwie herunterzuspielen, ist es doch eindeutig eine historisch bedeutende Zeit. Und damit ist auch klar, dass sie fotografisch festgehalten werden muss, denn es ist Zeitgeschichte.

„Was hast du in der Corona-Zeit gemacht?“, könnte man später mal gefragt werden. Dann helfen fotografische Erinnerungen.

Schon während des ersten Lockdowns im März und April 2020 haben einige Fotografen die besondere Stimmung dieser Zeit gut eingefangen, jeder auf seine eigen Art und Weise. Ich möchte hierzu beispielsweise die Ausstellung STAND DER DINGE bei erstereihe.hamburg empfehlen (online, aber auch als Magazin zu kaufen). Die Vernissage dazu wurde auch auf Youtube veröffentlicht und bietet interessante Einblicke. Vielleicht helfen und inspirieren diese Bilder und Eindrücke der eigenen Kreativität auf die Sprünge!

Die genannte Fotoserie ist teilweise in Schwarzweiss entstanden, und angesichts der gedämpften Farben wäre das doch auch mal ein Projekt, um diese Zeit einzufangen!

Alles, was für diese Corona-Zeit so typisch ist, kann man dokumentieren. Das können herumliegende Alltagsmasken sein (nebenbei bemerkt – was soll das?!), Hinweisschilder an Spielplätzen oder andere Besonderheiten dieser Zeit.

Schnitzen, Basteln, Werkeln und DIY

Auch abseits der Fotografie bieten sich viele Beschäftigungsmöglichkeiten, vor allem wenn man Kinder hat. Meine Mädels haben das Schnitzen im Wald entdeckt, und auch die Vierjährige kann in aller Ruhe mit Kinder-Schnitzmesser und Schnitzhandschuhen „bewaffnet“ viel Zeit draußen beim Schnitzen verbringen.

In Wäldern entstehen (wahrscheinlich nicht von selbst…) Tipis aus Ästen und Zweigen, die auch bei Regenwetter nutzbar sind und bei denen Kinder fantasievoll spielen können.

Wenn man mit dem Thema anfängt, fallen einem immer mehr Möglichkeiten an: Seife herstellen, Kerzen, Rezepte, Knabbereien, Pakete mit Fotogeschenken für die ältere Verwandtschaft schnüren… dazu finden sich unzählige Ratgeber und Blogs!

Baumärkte haben DIY-Ratgeber- und Bereiche (Do-It-Yourself) oder bieten auf Youtube Tutorials dazu an, und durch alle diese Möglichkeiten kann man nebenbei noch sein handwerkliches Geschick verbessern.

Wir überlegen für Zuhause – für alle Fälle – eine Kletterwand anzubringen – und / oder eine Werkbank für den Balkon anzuschaffen. Damit man auch Drinnen für Abwechslung sorgen kann, egal ob der Lockdown oder lausiges Wetter der Grund ist.

Im Lockdown das Homeoffice perfektionieren

Schon im ersten Lockdown haben wir gemerkt, wie schlecht z.B. die Webcams in unseren Laptops so sind, auch bei denen mit angebissenem Apfel drauf. Mit manchem Tablet oder Smartphone sieht es schon besser aus, ist aber schwer mit dem PC zu verbinden. Oder nicht? Es gibt Apps, die das Smartphone zur Webcam machen (Camo, Epoccam) und der Unterschied ist schon deutlich! Dazu fehlt dann nur noch die passende Halterung, ein Mikrofon und besseres Licht… (*)

Schon haben wir wieder einen Bereich, in dem wir unsere Fähigkeiten verbessern können und professionell besser rüberkommen können.

Ein verschiebbarer Hintergrund wie ein Raumteiler oder ein Greenscreen für das nächste Videoprojekt können ebenfalls für bessere Videokonferenzen sorgen.

Abschalten

Medial auch mal abzuschalten und nicht jede Stunde die neuen Horrorzahlen zu checken ist etwas, an dem ich selber noch arbeite. Aber es ist wichtig, auch andere Dinge in den Kopf zu bekommen und das Schöne zu genießen – die verschiedenen Pilze im Wald, das Baby im Arm, ein gutes Buch oder selbst die „fernen Welten und unbekannten Zivilisationen“ im Streaming-TV.

Und irgendwann wird auch dieser Lockdown enden, der Frühling wiederkommen und selbst SARS-CoV2 wird hoffentlich bald seinen Schrecken verlieren. Aber das, was wir in der Zeit für andere, uns selber und unsere Fähigkeiten getan haben, nehmen wir mit in die Zukunft.

Titelbild: © Jörg Schmidtmann