Rubrik Fremd gelesen in Berliner Morgenpost

Hinaus in die Natur, ein Zelt aufschlagen im Wald, auf einem Feld oder an einem See. Im Zuge der Corona-Pandemie ist bei vielen Menschen der Wunsch nach unkonventioneller Erholung in Reichweite statt in überfüllten Flughäfen und Städten entstanden. Doch so romantisch diese Art von Urlaub klingt, wildes Campenist in Deutschland in der Regel verboten und kann hohe Bußgelder nach sich ziehen. In Zeiten von Corona scheint Wildcamping aber weniger Menschen abzuschrecken.

Die „Lübecker Nachrichten“ berichten zum Beispiel von einer deutlichen Zunahme in der Region Ostholstein, die direkt an der Ostsee liegt. Immer häufiger würden die Menschen ihre Wohnmobile mitten in der Natur abstellen, besonders beliebt seien Stellplätze mit Meerblick. Auch Parkplätze würden vermehrt als gratis Übernachtungsmöglichkeit genutzt, Müll oder andere Hinterlassenschaften allerdings liegen bleiben.

Unerlaubtes Camping: starker Anstieg seit 2019

Bei der Zahl der gemeldeten Vorfälle liegt ein Zusammenhang mit der Pandemie nahe. Im Jahr 2019 waren es nur 29 Vorfälle im Landkreis, 2020 bereits 394, im Folgejahr 802 und im laufenden Jahr gab es trotz der überwiegend kühlen Temperaturen bereits 109 Fälle, berichtet die Zeitung. Dabei seien die illegalen Camper keine Einheimischen, sondern in der Mehrheit Touristen außerhalb Schleswig-Holsteins.

Wenigstens einen positiven Aspekt haben die ungebetenen Camper: Im vergangenen Jahr wurden bei regelmäßigen Kontrollen fast 80.000 Euro an Bußgeldern verhängt, die dem Kreis zugutekamen. Zum Vergleich: 2019 waren es noch 3.000 Euro, so die Lübecker Nachrichten.

Ostsee: Wildcamping-Urlaub lässt sich auch legal erleben

Das Gefühl des romantischen Wildcampings kann man in Schleswig-Holstein, auch in Ostholstein, aber auch ganz legal erleben, denn es ist eines der wenigen Bundesländer, die das Wildcampen zumindest teilweise erlauben. Fast 20 Übernachtungsplätze sind in der Landschaft entstanden. Unter dem Namen „Wildes Schleswig-Holstein“ sind Naturliebhaber willkommen, „eine wunderbare Nacht unter dem Sternenhimmel“ zu verbringen, wie es auf der Homepage heißt.

Institutionen und Privatpersonen machen mit und bieten meist kostenlose Übernachtungsmöglichkeiten an, oft mit Waschräumen auf Spendenbasis. Allerdings gilt das Angebot nur für Radfahrer oder Fußgänger und es ist maximal eine Übernachtung erlaubt. Dann ist es Zeit, weiterzuziehen.

Legaler Urlaub auf Trekkingplätzen

Doch auch in anderen Bundesländern lassen sich wenigstens Kompromisse finden. Fernab von betonierten Campingplätzen, aber ohne Gefahr einer Anzeige und eines saftigen Bußgeldes. Die Alternative zum Campingplatz nennt sich Trekkingplatz. Was in Schleswig-Holstein kostenlos ist, kostet im Pfälzerwald 15 Euro, in Bayern zwischen 5 und 10 Euro und in der Eifel ebenfalls 10 Euro. Ausgewiesene Plätze laden zur naturnahen Nachruhe ein, ohne das Ökosystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. Durch das aktuelle 9-Euro-Ticket lassen sich die Ziele auch besonders günstig erreichen.

Doch auch für Wohnmobile gibt es Tipps für naturnahes, regionales Urlauben. Die Seite Roadsurfer bietet private Stellplätze an der deutschen Ostsee. MyCabin funktioniert nach dem gleichen Prinzip, allerdings deutschlandweit plus einzelner Plätze im Ausland. Bei Landvergnügen bieten nach Anmeldung ländliche Gastgeberinnen und Gastgeber einen Stellplatz auf oder bei ihren Höfen.

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Titelbild: © Depositphoto – Marina Troshenkova