Gelada-Pavian © Depositphoto - Domen Grögl

Durch den Norden Äthiopiens

Äthiopien? Dieses Land löst unterschiedliche Assoziationen aus. Sie schwanken zwischen Kaffee, Marathonläufer, Frauen mit Tellerlippen, riesigen Affen im Hochland, Hungerkrise und Flucht. Ist aber Äthiopien auch ein Urlaubsland? Wir sagen ja! Im Norden des Landes locken faszinierende historische Stätten von antiken Zivilisationen und atemberaubende Landschaft. Eine Reiseroute durch den Norden.

Von alten Kulturen und besonderer Natur

Luftaufnahme von Addis Ababa © Depositphoto - Dereje Belachew

Die rund zweiwöchige Reise durch den Norden Äthiopiens startet, wie fast alle Reisen in diesem Land in der Hauptstadt Addis Adeba. Die Metropole mit rund drei Millionen Einwohnern liegt idyllisch von Bergen umgeben. Boulevards, gesäumt von ansehnlichen Fassaden, laden zum Flanieren ein. Zwischendrin die Eselskarren. Ein Zwischenstopp in einer Espressobar, ein gutes Essen und den Abend in einem Club ausklingen lassen. All das kann man in Addis Abeba wunderbar tun. Doch die Reise geht weiter!

Auf der Historischen Route geht es gen Norden. auf dem Weg zum Kloster Debre Libanos bietet sich ein Blick in den rund 1000 m tiefen Canyon des Blauen Nil. Nach guten 100 Kilometern erreicht man Debre Libanos. Hier harrte im 14. Jahrhundert der Heilige Tekle Haymanot in einer Höhle sieben Jahre lang auf einem Bein stehend aus. Heute erinnert eine Kirche an dieser Stelle an den Heiligen. Außerdem gibt es auch portugiesisches Erbe zu sehen, eine Brücke ganz in der Nähe.

Rund 200 km weiter nördlich lohnt sich ein Zwischenstopp in Debre Markos mit der Kirche des Heiligen Markus aus dem 19. Jahrhundert. Im Inneren der Kicher können Malereien bewundert werden. Doch das eigentliche Ziel des Tages ist Gondar, nördlich von Bahar Dar. Die im Gegensatz zu Bahar eher gemütliche Stadt liegt am Fuße des Nationalparks des Semiengebirges auf 2133 Metern.

Fasil Ghebbi Royal Enclosure, die Überreste einer Festungsstadt in Gondar, Äthiopien Norden © Depositphoto - Rudolf Ernst

© Depositphoto – Rudolf Ernst

Ein Tag in Gondar reicht zwar aus, um bei einem kleinen Spaziergang die Stadt die Architektur kennenzulernen. Doch für die vielen Schlösser und Kirchen kann man sich auch mehr Zeit lassen. Die alte Königsstadt Gondor ist noch heute von gewaltigen Mauern umgeben. Der eindrucksvolle Palastanlage Gemp mit Bad und Wasserschloss des Kaisers Fasilidas ist eindrucksvoll. Die vielleicht schönsten Malereien einer Kirche des Landes gibt es in der Debre Birhan Selassie. Hier lassen sich Engel bestaunen und verstehen, warum die Kirche zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde. 

Artefakte und Begegnungen im Norden Äthiopiens

Von Gondar geht die Reise weiter. Die imposante die Berglandschaft des Simiengebirges bietet immer wieder spektakuläre Ausblicke. Das Tal namens Tekeze führt nach Axum, der ältesten Stadt Äthiopiens. Hier gibt es so viele antike Bauwerke, dass es sich den Namen „Rom Äthiopiens“ eingehandelt hat.

Das Axum-Reich hatte seine Blütezeit im 4. Jahrhundert, als König Ezana regiert. In der Kathedrale der Heiligen Maria von Zion liegt der Überlieferung zufolge die Bundeslade mit den 10 Geboten verborgen. Auch der Palast der Königin von Saba ist hier verortet. Ein weiteres Highlight sind die sieben geheimnisvollen Steinstelen. Die höchste von ihnen ist 33 m hoch und wiegt satte 500 Tonnen.

Priester schaut über den Abhang des Klosters Debre Damo in der Nähe von Adigrat in der Tigrauen Region © Depositphoto - Oscar Espinosa Villegas

© Depositphoto – Oscar Espinosa Villegas

Nach diesem beeindruckenden Ort geht es langsam wieder gen Hauptstadt. Doch zuvor kann noch das Kloster Debre Damo in Makale besichtigt werden. Hier stehen rund 200 Kirchen, die direkt aus dem Fels gehauen wurden.

Der nächste Punkt, der auf dem Programm steht ist Lalibela. Zwölf Felsenkirche, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert und wurden aus roter Basaltlava gemeißelt.

Letzter Stopp der Reise ist dass Awash-Tal. Die Ausgrabungsstätte ist berühmt für das Skelett des 1974 gefundenen „Lucy“, benannt zum Beatle-Song, den die Archäologen angeblich beim Fund hörten. Lucy gilt als der erste nachgewiesene Vorfahre des Homo sapiens und hat ein stattliches  Alter von 3,5 Millionen Jahre.

Leben am Tana-See, Äthiopien Norden © Depositphoto - Fabio Lamanna

© Depositphoto – Fabio Lamanna

Diese Beispielroute ist nur eine Möglichkeit, wie man den Norden des ostafrikanischen Landes entdecken kann. Es gibt noch so viele weitere Sehenswürdigkeiten, die sich lohnen. Der Dallol-Vulkan oder die Inselklöster auf dem Tanasee zum Beispiel. Am höchstgelegenen See Afrikas kommt man nicht nur in den Genuss Wasservögel und atemberaubende Landchaft zu beobachten, alte Wälder und Waldkaffee zu entdecken. Hier ergibt sich auch die Möglichkeit, ins Leben der Dorfbewohner einzutauchen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen. 

In den vielfältigen Landschaften der Hochgebirge wartet ein ganz besonderes Erlebnis: Die Begegnung mit Blutbrustpavianen. Blutbrustpaviane, auch unter dem Namen Dscheladas bekannt, bewohnen ausschließlich das Hochland von Äthiopien. Die Männchen haben zwei unverkennbare Merkmale: eine perückenähnliche Mähne und einen haarlosen sanduhrförmigen Fleck auf der Brust, der in der Brunftzeit knallrot wird. Die Verwandten der Meerkatze lassen sich in eindrucksvollen Kulisse mit tief zerklüfteten Canyons und bewaldeten Plateaus beobachten. Neben den Affen leben auf der Hochebene Äthiopische Steinböcke, Leoparden und Wölfe, Füchse und Hyänen.

Titelbild: © Depositphoto – Domen Grögl