24 Tipps für bessere Smartphone-Fotos – Teil 1

Smartphone-Foto am Strand

Die beste Kamera ist die, die man dabeihat – und das Smartphone haben wir fast immer dabei, manchmal sogar auf Toilette…

… aber es gibt so viele reizvollere Orte und Gelegenheiten für gute Fotos, und mit fast allen halbwegs aktuellen Smartphones lassen sich erstklassige Ergebnisse erzielen! Hier eine kurze, aber hoffentlich interessante Liste von Tipps für bessere Fotos – die zum Teil natürlich auch für das Fotografieren mit „richtigen“ Kameras anwendbar sind.

Teil 1 – Rahmenbedingungen & Handhabung

In dieser Kategorie von Tipps geht es um die richtigen technischen Rahmenbedingungen, damit die perfekte Gelegenheit nicht durch falsche Handhabung verloren geht.

#1: Das Handy sauber, mit „freiem Blickfeld“  und ruhig halten

Das oder die Objektiv(e) des Smartphones können bei täglicher Benutzung leicht verschmutzen. Spätestens beim Blick durch die Kamera-App sieht man dann nur noch eine pastellartige Unschärfe. Das mag zwar als kreatives Stilmittel hin und wieder interessant sein, aber für die meisten Aufnahmen ist es doch eher hinderlich. Also: Mindestens 1x am Tag die Linsen reinigen. Dazu reicht es meistens, zuerst den groben Dreck (Krümel, Sand) wegzupusten und dann mit seinem T-Shirt oder einem weichen, fusselfreien und sauberen Tuch (z.B. Mikrofasertuch aus dem Drogeriemarkt) die Linse zu reinigen.

Beim Verwenden einer Handyhülle kann es außerdem im Lauf der Zeit dazu kommen, dass sich durch tägliche Beanspruchung die Aussparung um das Objektiv leicht umbiegt, z.B. wenn die Hülle aus Leder ist. Leichte Abschattungen am Rand des Bildes können also durchaus damit zusammenhängen. In diesem Fall: Die Hülle mal wechseln oder zur Not kurz weglassen!

Und natürlich muss die Optik (und – wenn benötigt – der LED-Blitz) frei bleiben und darf nicht von Fingern verdeckt werden, sonst wird´s nichts mit dem Foto!

Um das Handy ruhig zu halten, ist es sinnvoll, beide Hände zu verwenden und dann das Gerät nicht nur mit den Fingerspitzen an den Ecken feszuhalten, sondern ruhig (als Rechtshänder) mit der linken Hand den Daumen auf die Oberseite zu legen, mit Mittel- Ring- und Zeigefinger flach  die Rückseite des Handys zu stabilisieren und mit dem rechten Zeigefinger den Auslöser (meist der Lauter- oder Leiser-Knopf) zu betätigen (siehe Abbildung). Auch durch Stützen der einen Hand mit der anderen lässt sich zusätzliche Stabilität erreichen. Auslösen geht dann natürlich nur mit dem Daumen auf dem Soft-Button im Display.

Für das Extra-Maß an Stabilität muss dann ein Stativ her, oder man schafft es, das Telefon stabil auf einer ebenen Fläche abzustellen und mit einer Fernsteuerung, dem Kopfhörer-Klicker oder dem Selbstauslöser auszulösen – dabei gibt es dann absolut keine Erschütterungen.

#2: Das Raster einsetzen

Kamera-App mit aktiviertem Raster
Mit dem Raster Motive ausrichten – Photo by Sadman Sakib on Unsplash

Jedes Smartphone kann in seiner Kamera-App ein Raster einblenden (bei iOS unter Einstellungen -> Kamera -> Raster). Dies erleichtert die Komposition des Motivs – um beispielsweise eine Person leicht außerhalb der Mitte zu positionieren – oder um horizontale oder vertikale Kanten im Bild gerade auszurichten.

#3: Schärfe & Belichtung – die Möglichkeiten der Kamera-App kennenlernen

Auch wenn die Kamera-Apps meistens einen sehr guten Job machen, liegen sie doch manchmal daneben, wenn sie beispielsweise auf den falschen Bildinhalt im Hintergrund scharfstellen, oder es starke Kontraste im Bild gibt, die die Belichtung durcheinanderbringen. Zwar fehlen meistens die Möglichkeiten, die Belichtungszeit direkt vorzugeben (außer in speziellen Foto-Apps), und eine variable Blende haben Smartphones bauartbedingt eh nicht, aber man kann dennoch einfach in die Belichtung und die Schärfe eingreifen.

In der Kamera-App kann man durch Antippen eines bestimmten Bildbereiches den Autofokus auf diesen Punkt legen. Durch gedrückthalten lässt sich der Schärfepunkt fixieren (und die Belichtung oft gleich mit). Wenn man danach auf dem Display hoch- oder runterstreicht, wird die Belichtung angepasst – in Richtung Über- oder Unterbelichtung.
Manchmal findet der Autofokus schlecht den richtigen Punkt. Dann kann folgendes helfen: Einmal den Digitalzoom betätigen, bis man das gewünschte Detail vergrößert dargestellt bekommt, dort die Schärfe fixieren, wieder auf Weitwinkel zurückzoomen und dann auslösen! Und nach dem ersten Foto, das auf diese Weise entstanden ist, setzt sich gewöhnlich die Kamera-App nicht wieder in den Ausgangszustand zurück, so dass man mehrere Fotos mit identischer Belichtung machen kann. Das kann helfen, den perfekten Moment zu erwischen!

Längere Belichtungszeiten – natürlich auf einem Stativ – sorgen für interessante Leuchtspuren, z.B. von vorbeifahrenden Autos oder Schiffen.

#4: Digitalzoom möglichst meiden

Wenn das Handy nur ein Objektiv hat, ist dies in der Regel ein Weitwinkel-Objektiv. Immer mehr Geräte haben immer mehr Linsen an Bord, und meistens auch ein mehr oder weniger starkes „Tele“-Objektiv. Wenn ein Tele vorhanden ist, kann man es sehr gut dafür gebrauchen, weiter entfernt liegende Objekte optisch heranzuholen. Speziell Geräte von Huawei haben einen recht beachtlichen Tele-Zoom eingebaut, da die Optik intern über einen Umlenkspiegel mit Licht versorgt wird und längs im Gerät liegt.

Für alle anderen Modelle ohne Tele bringt es meistens nur wenig, den Digitalzoom einzusetzen, denn die Kamerasoftware nutzt dann nur eine Ausschnittsvergrößerung und rechnet Pixel dazwischen, um wieder auf die z.B. 12 Megapixel zu kommen. Das kann spezialisierte Software deutlich besser. Aber wenn es denn hin und wieder nicht anders geht, und man weiß dass man keine Zeit für solche Nachbearbeitungen hat – was soll´s! 🙂

#5 HDR-Funktion sinnvoll nutzen

Unter HDR-Fotos (High Dynamic Range) stellen sich viele extrem unnatürlich wirkende („Clown-Kotze“)-Fotos vor, die eine zeitlang bei manchen Leuten sehr beliebt waren. Ich gehöre nicht dazu… Aber mit der HDR-Funktion versuchen aktuelle Smartphones eher, einfach einen großen Dynamikumfang abzubilden als bei normalen Aufnahmen abzubilden – von hellem Sonnenlicht bis zu dunklen, schattigen Ecken. Dabei werden beim Auslösen mehrere Aufnahmen gemacht und miteinander kombiniert, so dass sowohl helle Bereiche möglichst nicht wegbrechen und die Tiefen nicht „absaufen“. Bei ruhigen Motiven kann das gut funktionieren, aber wenn Bewegung im Spiel ist – die Blätter der Bäume im Wind, Menschen, die über die Straße hetzen, Wellen auf dem Meer – wird es schwierig und es kommt zu Doppelbildern oder zu schwammigen, halb-durchsichtigen Kanten. Daher ist es sinnvoll, die HDR-Funktion zwar aktiviert zu lassen, aber dennoch die „normale“ Aufnahme mit abspeichern zu lassen. Dann kann man sich im Zweifelsfall für die bessere Bildvariante entscheiden.

#6: Spezielle Features ausprobieren

Makroaufnahme einer Fliege in schwarzweiss
S/W-Makro / iPhone 7 Plus – Foto von Stefan Eckhoff

Wenn man ein Premium-Smartphone besitzt (iPhone Xs / 11 * / Huawei P30 pro / Samsung Galaxy S10 usw.) sind die Kameras ebenfalls die besten, die die jeweiligen Hersteller gerade im Programm haben. Spezielle Effekte gehören dann zum Funktionsumfang, z.B. ein Porträt-Modus, besondere Belichtungseffekte, Schwarzweiß-Aufnahmen mit verschiedenen „Filtern“,  Zeitlupe und Zeitraffer und auch besonders hohe Videoauflösung. All diese Möglichkeiten sollte man auf jeden Fall einmal ausprobieren, denn man hat sie ja teuer mit bezahlt! Wenn man sich nicht sicher ist, wie diese Effekte einzusetzen sind, hilft YouTube oder Vimeo mit passenden Anleitungen weiter.

Viele dieser Features lassen die Fotos fast wie von Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkameras anmuten. Auch wenn „alte Hasen“ der Fotografie über solche künstlich berechneten Effekte die Nase rümpfen mögen, so dürfte man doch im Freundes- und Bekanntenkreis damit begeistern können!

#7: Zubehör nutzen

Sofern vorhanden, nutzen Sie Zusatzlinsen, Fernauslöser, Handgriffe oder Gimbals, um die kreativen und technischen Möglichkeiten zu erweitern! Dazu mehr in dem Beitrag Kamerazubehör fürs Smartphone.

#8 Bilder wollen gedruckt werden!

Gedruckte Bilder werden aufgehängt
Erst aufs Papier, dann an die Wand – Photo by Bench Accounting on Unsplash

Die allermeisten Digitalfotos sehen „nie das Licht der Welt“, sondern bleiben nur als Nullen und Einsen digital gespeichert. Aber dank steigender Auflösung und Bildqualität lassen sich auch immer bessere Bilder drucken – entweder klassisch auf Leinwand, aber auch schon auf Glas, Acryl, Alu-Dibond oder eine Kaffeetasse. Oder zuhause mit dem eigenen Fotodrucker *. So hat man als Fotograf eine viel bessere Bindung zu seinen Kunstwerken, kann schöne Geschenke daraus herstellen und vergisst die eigenen Fotos nicht so schnell. Wenn man im Lauf der Zeit eine kleine Sammlung von Drucken beisammen hat, kann man daran auch schön den eigenen fotografischen Fortschritt erkennen.

Titelbild: Photo by Cyriac Jannel on Unsplash

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